Herbststimmung
Der goldene Teppich der Erinnerung: Gedanken zum Tag des Herbstlaubs
- Ein goldener Teppich aus Ahorn- und Buchenblättern: Ein Weg voller Herbstzauber und unvergesslicher Erinnerungen.
- Foto: Polina Grishma / Unsplash
- hochgeladen von Winfried Paltian
Wenn der Herbst die Kronen der Bäume in leuchtendes Gelb und warmes Rot taucht, zieht es die Blicke unwillkürlich nach draußen. Auf dem Foto sieht man diesen wunderbaren, goldenen Teppich aus Ahorn- und Buchenblättern, der den Waldboden bedeckt. Früher gab es für mich im Oktober kaum etwas Schöneres, als durch genau so ein raschelndes Blättermeer zu spazieren, die kühle Luft zu genießen und zuzusehen, wie die Blätter im Wind wie kleine Segel zu Boden tanzten.
Leider ist mir das heute durch das eingeschränkte Laufen in dieser Form nicht mehr möglich. Das schmerzt manchmal, und eine gewisse Traurigkeit lässt sich nicht leugnen, wenn man aus dem Fenster blickt und merkt, wie vieles sich verändert hat. Doch die Natur erinnert uns genau jetzt an eine wichtige Wahrheit: Alles hat seine Zeit.
Warum lassen die Bäume eigentlich ihre Blätter fallen? Es ist kein zufälliger Verlust, sondern ein kluger Schutzmechanismus. Im Winter, wenn der Boden gefriert, könnte der Baum über die Blätter kein Wasser mehr aufnehmen und würde austrocknen. Indem er das Chlorophyll zurückzieht und das Blatt loslässt, spart er seine Kraft für das Überleben im Winter und schützt sich vor dem Erfrieren. Das Abwerfen des Laubes ist also nicht das Ende, sondern die Voraussetzung dafür, im nächsten Frühjahr wieder neu auszutreiben.
Wenn ich an früher denke, fallen mir sofort die Schultage und Nachmittage aus der Kindheit ein. Wir sind stundenlang durch die Parks gezogen, haben die buntesten Blätter gesammelt, sie sorgfältig zwischen schweren Büchern getrocknet und geglättet. Später haben wir sie nebeneinander auf einen Bogen Karton geklebt. Jedes Blatt war einzigartig – Eiche, Kastanie, Ahorn, Buche – und zusammen ergaben sie ein ganz persönliches Kunstwerk.
Auch wenn ich diese Wege heute nicht mehr selbst gehen kann: Die Erinnerungen an diese Zeiten sind tief eingebrannt. Sie sind wie jene gesammelten Blätter von damals. Niemand kann sie mir nehmen. Und genau wie der Baum die Kraft aus dem Laub des vergangenen Sommers zieht, zehre ich heute von diesen kostbaren Momenten. Der Herbst lehrt uns das Loslassen, aber er schenkt uns auch die Dankbarkeit für all das, was war.
So blicke ich mit ein wenig Traurigkeit im Herzen, aber vor allem mit dankbaren Erinnerungen auf die fallenden Blätter. Ich wünsche euch allen einen ruhigen, schönen 3. Oktober und einen gesegneten Tag der Deutschen Einheit.
Herzliche Grüße,
Winfried
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