Gruselgeschichten
Vom Diedorfer Schmied und dem Feuerdrachen

Der Feuerdrache vom Maskenmuseum vor der Alten Dorfschmiede in Diedorf

Vor solchen Russ- und Dreck verschmierten Gesellen hat man früher schon immer einen ganz gehörigen Respekt gehabt. Mächtige grobschlächtig wirkende Kerle mit extrem breiten Schultern und wuchtigen Armen, mit Fäusten, die sich vom Aussehen her kaum von einem echten Schmiedehammer unterscheiden ließen. Gerade einen Solchen mussten sie ja auch Tag für Tag am Amboss auf das in der Esse glühend gemachte Eisen herab sausen lassen. Herren des Feuers waren sie, dessen unheimliche Zerstörungskraft sie so vollkommen beherrschten, um daraus die all so wundervoll stabile Geräte des Alltags hervor zu zaubern. Bei so viel Kraft und, wer weiß, vielleicht gar auch noch unberechenbarer Zauberkunst tat man sicher gut daran, den nötigen Abstand zu solchen Leuten zu wahren. Im Mittelalter und bei vielen Naturvölkern mussten sie ihre Hütten und Werkstätten deshalb auch immer außerhalb oder am Rande der Ortschaften anlegen. Zu groß war ja auch die Gefahr, dass Funken auf die strohgedeckten Nachbarhäuser übergesprungen wären. 

Nicht so bei  der Alten Diedorfer Schmiede an der Ecke Lindenstraße und Hauptstraße, also genau im Zentrum des Ortes. Das mag wohl damit zusammenhängen, das sich am Fuße des Sandbergs an der niedrigen Passhöhe am Rande der Fugger´schen Wälder drei wichtige Wegstrecken: die Straße nach Ulm und Stuttgart, die nach Babenhausen und Lindau und eben die von Augsburg und Salzburg kreuzten. Viele Handelskarren rumpelten da wohl früher die Höhe herunter, Depeschenreiter trieben Ihre Pferde zur Eile an und wohl manchen ging gerade hier dann ein Hufeisen an seinem Pferd verloren oder brach eines der Eisen beschlagenen Wagenräder. Da hatte der Schmied dann immer genug Arbeit.

Wer aber nicht unbedingt in den Hof gehen musste, der machte um diese wichtige Straßenkreuzung aber früher wohl eher einen größeren Bogen. Vor Allem natürlich den Kindern rutschte das Herz ganz weit in die Hose, wenn man sie dort abends zum Adlerwirt schickte, um dort für den Vater einen Humpen Bier zu holen und der kürzeste Weg eigentlich ja unten streng am Kirchberg entlang auch in unmittelbare Nähe zur Alten Dorfschmiede vorbeiführen musste. Da stieg man dann lieber ganz hoch bis zu St. Bartolomä und schlich sich beim Adlerwirt dann gleich lieber zum Hintereingang hinein. Nur so konnte man das dunkle Bauernhaus mit Dorfschmiede wirklich doch meiden.

Nun der direkte Weg war wirklich nicht so recht geheuer, gerade wenn sich im Spätherbst am Fuße des Kirchbergs die Nebelschwaden herum drückten und aus dem alten Eiskeller im Berg ein dumpfes Stöhnen und Knacken zu hören war. Auch wenn einen die Eltern mit vernünftigen Erklärungen zu beruhigen suchten: Die großen Eisblöcke, die man im Spätwinter aus der Schmutter geschlagen hatte, um damit das junge Bier zu kühlen, hatten nämlich nun längst einen großen Teil ihres Volumens weg geschwitzt und kamen damit ja gegeneinander ins Rutschen. Das half nun aber nicht wirklich nicht gegen die Angst.

Wenn nun aber der fleißige Schmied dann doch noch wegen der vielen Aufträge unter Zeitdruck bis in die Nacht hinein arbeiten musste, dann kroch der Schimmer der flackernden Glut oft sogar noch unter der Scheunentüre durch und erhellte huschend die angrenzenden Mauern. Da zischte es in weißen Schwaden auf, wenn der Meister die glühenden Werkstücke im Wasser abkühlte. Da ächzten die Wagenscharniere, wenn er die großen Holzräder vom Karren zog, um ihnen das Eisenband über zu ziehen.... und manchmal sah man dann auch eine hoch aufwallende Glutfontaine durch den Schornstein lodern, wenn der Schmied mit dem glühenden Eisen zu schnell ins siedende Öl fuhr ,um es zu Stahl zu veredeln. Da waren sich die Kinder, die den Umweg über den Berg genommen hatten, aber doch ganz sicher: Da ist doch wirklich ein wilder Feuerdrache aus dem Dach des verwunschenen Hauses herausgestiegen.... und ganz schnell verschwanden sie im Kirchenschiff von. St. Bartolomä. Da waren sie ja sicher vor solchem Höllenzauber.

Den Schmied gibt es nun zur Genugtuung furchtsamer Kinder freilich nicht mehr und in der Alten Dorfschmiede gleich im Innenhof des Maskenmuseums in Diedorf in der Lindenstraße1 werden Kunstausstellungen und Werk-Kurse gegeben. Aber tatsächlich sieht man zu mancher Dämmerstunde und freilich auch zu den Museumsfesten, wie sich langsam die Türen der alten Schmiede öffnen und hört ungestüme Stimmen aus dem Dunkel heraus rufen: "Vorsicht Kopf runter -  Achtung da rechts isch da Töpferofen- jetzad koscht wieda weida laufa"  Worte eines unwilligen Zauberers oder gar der Geist des längst verstorbenen letzten Schmiedes ?

Ein Riesenungetüm von 5 Meter  schiebt sich gebückt aus dem Hintergrund, erhebt sich zu voller Höhe, während die Zuschauer auf die Seite weichen. Ein zischendes Stöhnen kommt aus dem riesigen Leib:" Zlezscht wara ja ned so schwer wie heit, hascht da no was aufpackt?" und damit nicht genug: Wutentbrannt leuchten die großen Augen, abweisend schillern die mächtigen Körperschuppen, mächtig schiebt sich der Körper voran, bis auch der Schwanz aus der Scheune verschwunden ist..... und dann steigt gar noch Rauch aus dem mit gefährlich großen Zähnen besetzten Maul.

Da haben die Kinder damals also doch recht gehabt:  Es gibt ihn also doch: den alten Diedorfer Feuerdrachen.

Bürgerreporter:in:

Haus der Kulturen michael stöhr aus Diedorf

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