Gudrun A. Wirbitzky
Corona - aber nicht nur... Ein Mund - Nasenschutz blickt zurück.
- Klar,war ich in den Prints.War ja sonst nichts los...
- hochgeladen von Gudrun-Anna Wirbitzky
Hallo, allerseits...
Ich bin ein Mund-Nasen-Schutz in tiefem Dunkelblau mit kleinen wunderschönen Sternchen. Ich liege mit vielen anderen Mund-Nasen-Schützern in den Auslagen einer kleinen Schneiderei. Ich genieße meine Umgebung ungemein. Ganz entspannt sonne ich mich in einem dekorativen Schaufenster, plaudere mit den anderen, das macht Spaß. Obwohl wir hier alle recht unterschiedlich erscheinen, sind wir so etwas wie eine große Familie. Von mir aus könnte es ewig so weiter gehen. Nicht mit Corona, nein.
Ich betrachte gerne die wenigen vorbeieilenden Kunden. Nebenbei nehme ich gerne Kontakt mit meiner atemberaubenden Nachbarin auf. Sie ist ganz Schwarz und ein attraktiver Kussmund ziert ihren Stoff. Aber gerade mitten im Flirt bemerke ich, dass eine Hand nach ihr greift und schon ist sie verkauft. ,,Hey, guten Tag", zwitschert es kurz danach neben mir. Die flinken Hände des Schneiders hatten schon ein neues Modell geschaffen. Nicht mein Typ, grell gelb, das ist mir nun doch zu billig. Gelangweilt schaue ich aus den Auslagen und plötzlich wird es megaspannend. Da steht eine ältere Dame und zeigt aufgeregt mit dem Finger auf mich. Eigentlich finde ich das unanständig- aber plötzlich verstehe ich: Sie trägt eine Bluse, die mir zum Verwechseln ähnlich sieht.
Das ist sie, Meine Wunschkundin! Ich schmeiße mich schnell noch ins rechte Licht. ,,Hey, Sie", rufe ich zu ihr hinüber und versuche, noch mehr auf mich aufmerksam zu machen. Aber...
Ich nehme traurig zur Kenntnis, dass sie die kleine ,,Rote" hinter mir bevorzugt. Ausgerechnet die, auf die ich seit langem ein Auge geworfen habe. Einen Herzschlag lang bin ich unendlich depressiv. Doch plötzlich finde ich mich auch an der Kasse wieder und werde von meiner neuen Besitzerin eine Schönheit genannt. Das einen wie mir.
Nun aber: Die Rote und ich werden in ein kleines Tütchen verstaut und befinden uns schon auf den Weg in unser neues Zuhause. Dort angekommen werden wir gewaschen und desinfiziert.
Hatschi...
,,Die ist aber pingelig", denke ich gerade so. Kaum getrocknet, erlebe ich mein erstes Abenteuer mit ihr: Wir gehen aus. Nicht ohne ihren Gatten vorgestellt zu werden, versteht sich. Natürlich trägt sie das Blüschen, in dem ich sie kennengelernt habe. Wir beide sehen einfach unschlagbar zusammen aus. Ärgerlich, dass ich immer zwischendurch abgelegt werde, und ich frage mich, warum das Blüschen immer da bleibt, wo es ist? Muss ich doch einfach bei Gelegenheit einmal fragen. Egal, wenn ich heimkomme, wartet die Rote auf mich. Wir sind ein Paar, jetzt wo wir zusammenwohnen.
Morgen geht sie aus, ich sah am Morgen, dass ein Bügeleisen sanft über die Konturen einer roten Bluse gingen. Daneben lag meine ,,Rote". Das sah schon heiß aus.
Nun mal unter uns: Dass es uns Atemschutzmasken gibt, haben wir ja nicht nur Corona zu verdanken, sondern auch einen Schneider, der gerade eine Flaute hatte und uns zum Leben erweckte. Nur mit dem Gummiband liege ich im Clinch. Ständig reißt dieser Typ an mir herum. ,,Tut mir leid, Kumpel", rufe ich ihn kurz zu, ,,war nur ein kleiner Hinweis." Aber ansonsten fühle ich mich wohl...
Ich mag auch die Zahncreme und das Mundwasser meiner neuen Besitzerin.
Ach, ja...
Was wäre noch zu sagen? Schon eine Weile lebt ihr ohne Corona- Krise. Wir haben unser Bestes gegeben um eure Gesundheit zu schützen. Heute genießen die Rote und ich unseren Ruhestand. Unsere Besitzerin hat uns ein feines Zuhause in einer ihrer Kommoden gegeben. Nun wurde kräftig aufgeräumt die Schubladen wurden geöffnet, so hatten wir die Gelegenheit euch unsere Geschichte zu erzählen. Ich hoffe sie hat euch gefallen und ihr seid gesundheitlich gut drauf.
Liebe Grüße euer Mund-Nasen-Schutz.
2021 veröffentlicht.
Copyright:
Gudrun-Anna Wirbitzky
Bürgerreporter:in:Gudrun-Anna Wirbitzky aus Bochum |
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