Ein halbes Jahrhundert zwischen Schere und Charme
50 Jahre Friseurleben mehr als nur ein Haarschnitt

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Wenn man ein halbes Jahrhundert im Friseurhandwerk unterwegs ist, dann sammelt sich mehr an als nur Haare auf dem Boden - in der Bürste übrigens nicht, denn Hygiene war bei uns immer oberstes Gebot.
Es sind Geschichten. Begegnungen - kleine Episoden, die einem heute noch ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Es gab Zeiten, da standen unsere Waschbecken noch „vorwärts“. Fein säuberlich mit einer gemusterten Glaswand voneinander abgetrennt, schließlich sollte niemand sehen, welcher Wunsch gerade erfüllt wurde - ob Blondierung, Dauerwelle mit gefühlt hundert Wicklern oder andere kleine Verwandlungen. Diskretion war damals oberstes Gebot und fast schon eine Kunst für sich.
Und Wünsche gab es! Haarlelujah. Eine Kundin bestand einmal darauf, ausschließlich die kleinen roten Dauerwellwickler zu verwenden. Das Ergebnis - na ja - erinnerte stark an einen frisch frisierten Pudel .. aber Kundin Königin war überglücklich. Und das ist ja am Ende das, was zählt.

Manchmal ging es auch etwas turbulenter zu. Eine Dame verlor beim Warten die Geduld so sehr, dass sie beinahe die Trennwand abgerissen hätte. Eine andere stand im Unterrock an der Garderobe, nachdem ihr der Mantel abgenommen wurde. Na ja - kann passieren.

Unvergessen bleibt auch der Herr, der immer dann den Damensalon betrat, wenn seine Frau verreist war. Dann schlüpfte er ganz selbstverständlich in eine andere Rolle und genoss es sichtlich, einfach einmal jemand anderes zu sein. Solche Momente haben gezeigt, wie viel Vertrauen uns entgegengebracht wurde.

Mit der Zeit kamen die Rückwärtswaschbecken in Mode - auch wenn wir die alten nie ganz abgeschafft haben, gerade für Kundinnen mit empfindlichem Nacken. Und ja, auch da gab es Situationen, die einen kurz innehalten ließen. Sagen wir mal so: Entspannung kann manchmal sehr tief gehen .. hüstl.

Überhaupt war der Salon immer mehr als nur ein Ort für Haare. Da wurde gelacht, getröstet, erzählt. Es gab Kundinnen, die einfach nur zum Reden kamen, um ihre Sorgen loszuwerden. Andere fragten ganz selbstverständlich, ob sie etwas aus der Stadt mitbringen sollten - sie seien ja sowieso unterwegs. Solche Gesten vergisst man nicht.

Und dann waren da noch die kleinen Kuriositäten des Alltags - verschwundene Aschenbecher, die plötzlich wieder auftauchten .. etwa dann, wenn eine Kundin an der Kasse ihre Tasche öffnete und statt der Geldbörse erst einmal den „versehentlich eingepackten“ Aschenbecher hervorholte. Oder die Kundin, die konsequent nach der „Pipi-Box“ fragte und sich durch nichts davon abbringen ließ, diesen Begriff zu verwenden. Sie liebte „Pipi-Box“ und war begeistert, wenn sie ein Grinsen für diese wortwählerische Erfindung erhaschte. Manchmal kam sie sogar zurück, nachdem sie den Salon verlassen hatte mit der Begründung, sie müsse vorsichtshalber noch mal die "Pipi-Box" benutzen, der Weg zur Stadt wäre schließlich weit.
Ein besonderes Kapitel waren auch jene, die mit Reklamationen hereinschneiten -  allerdings für Dauer- oder Wasserwellen, die gar nicht bei uns gemacht worden waren. Aber gut, fragen kann man ja mal.

Was bleibt, sind vor allem die "Menschen". Aus vielen Begegnungen wurden echte Freundschaften - Namen wie Salvatore, Abdull oder Seraphina stehen stellvertretend für all die wunderbaren Persönlichkeiten, die uns über die Jahre begleitet haben.
Es war eine erlebnisreiche Zeit, voller kleiner und großer Geschichten. Und eines ist sicher: Wir würden keine davon missen wollen ..

Bürgerreporter:in:

Hildegard Grygierek aus Essen

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