Die GORCH FOCK triumphiert vor der US-Ostküste
Das Erbe der fünf Schwestern
- Die GORCH FOCK unter Vollzeug beim Einlaufen in New York City.
- Foto: Foto: US Navy
- hochgeladen von Peter Gross
50 Jahre nach dem abgebrochenen Rennen von 1976 holt die Crew der deutschen GORCH FOCK einen historischen und makellosen Sieg bei der legendären Regatta um die „Five Sisters Trophy“.
Ein Name mit zwei Geschichten
Wer heute von den „fünf Schwestern“ spricht, meint das legendäre Quintett der Hamburger Werft Blohm & Voss aus den 1930er-Jahren. Zu dieser ursprünglichen Klasse gehörten die GORCH FOCK I, die HORST WESSEL, die ALBERT LEO SCHLAGETER, die MIRCEA und die unvollendete HERBERT NORKUS, die nach dem Zweiten Weltkrieg in der Nordsee versenkt wurde.
Bei der heutigen Regatta hat sich die Zählung jedoch verschoben: Wenn Medien vom „fünften Schiff“ sprechen, ist die historische Gorch Fock I gemeint. Sie ist heute ein Museumsschiff in Stralsund. Teile der unvollendeten Herbert Norkus wurden damals für den Bau der modernen, heutigen Gorch Fock (Baujahr 1958) verwendet. So lebt das Erbe der fünften Schwester im heutigen Flaggschiff weiter, während nur noch vier aktive Schiffe die Regatta bestreiten.
Glanzvoller Auftritt zum US-Jubiläum
Als Deutschlands „Botschafter in Blau“ lief die heutige GORCH FOCK der Deutschen Marine am 4. Juli 2026 im Rahmen ihrer 189. Auslandsausbildungsreise im Hafen von New York ein. Anlass war die internationale Flottenparade zum 250. Unabhängigkeitstag der USA. Begleitet von den Klängen des Marinemusikkorps Kiel zog das Segelschulschiff alle Blicke auf sich. Als weiteres deutsches Schiff unterstützte die Fregatte SACHSEN das Event, die aktuell als Flaggschiff des NATO- Einsatzverbandes SNMG1 operiert.
Die "Revanche" nach 50 Jahren
Das große Highlight wartete jedoch vor der US-Ostküste. Zum geschichtsträchtigen US-Jubiläum kehrte die Regatta um die „Five Sisters Trophy“ nach genau fünf Jahrzehnten zurück. Erstmals seit 1976 waren alle aktiven Schiffe dieser Klasse wieder in den USA vereint:
Die deutsche GORCH FOCK, die amerikanische USCGC EAGLE (ehemals HORST WESSELS), die portugiesische NRP SAGRES (ehemals ALBERT LEO SCHLAGETER) und die rumänische RNS MIRCEA.
Der historische Hintergrund spornte die deutsche Besatzung besonders an. Zwar hatte die GORCH FOCK 1976 das Rennen von Bermuda nach Newport gewonnen und den Pokal nach Hause geholt, doch die damalige Regatta musste nach einer Kollision der Schwesterschiffe vorzeitig abgebrochen werden. Da die deutsche Dreimastbark zum Zeitpunkt des Abbruchs in Führung lag, galt sie als Siegerin.
Ein makelloser Triumph unter Vollzeug
Kommandant Kapitän zur See Elmar Bornkessel und seine 214-köpfige Crew wollten sich mit diesem unvollständigen Erfolg aus der Vergangenheit nicht zufriedengeben. Sie brannten darauf, einen echten, unumstrittenen Sieg gegen die drei Auslandsschwestern einzufahren.
Nach den Feierlichkeiten in New York schlug die Stunde der Wahrheit auf dem Teilstück in Richtung des Events „Sail Boston“. Auf der rund 60 Seemeilen langen Regatta-Strecke zeigte die deutsche Crew eine fliegerische Meisterleistung, die der Bugfigur des Albatros alle Ehre bereitete. Unter Vollzeug distanzierte die GORCH FOCK die weiße Konkurrenz deutlich. Nach nur 7 Stunden, 26 Minuten und 52 Sekunden überquerte sie die Ziellinie – weit vor ihren Schwesterschiffen – und holte den verdienten, makellosen Triumph nach Hause.
Kap'tän Bornkessel und seiner Crew ein aufrichtiges Bravo Zulu!
UPDATE:
"Liebe Empfänger dieses Broadcasts,
auch wenn das offizielle Ergebnis noch aussteht, lässt sich bereits sagen: Die GORCH FOCK hat die Strecke in knapp 7,5 Stunden absolviert und damit die EAGLE um 38 Minuten, die SAGRES um eine Stunde und die MIRCEA um zwei Stunden hinter sich gelassen.
Auf dem Vorwindkurs waren wir solide unterwegs, den entscheidenden Vorsprung haben wir an der Wendemarke herausgefahren. Auf dem anschließenden Am‑Wind‑Kurs konnten wir gegenüber der EAGLE sogar noch leicht ausbauen und den Abstand bis ins Ziel halten.
Unsere Vorbereitung und Taktik haben voll gegriffen: neue Polardiagramme, optimierte Segelvorausbildung, frühe Positionierung an der Startlinie, konsequente Nutzung der Ideallinie, Einbezug von Strom und prognostizierten Winddrehern, Piquetwache an Deck, gezielte Gewichtsreduktion, Umbunkern für Lee‑Vorkrängung, Großuntermars wegnehmen auf Vorwindkursen und maximale Segelfläche bis zum Schluss.
Zum Ende des Rennens stieg der Wind auf knapp 28 Knoten. Wir konnten unter diesen Bedingungen weiterhin alle Segel stehen lassen – ein Vorteil, den nicht jedes Schiff in dieser Form nutzen kann.
Unsere Renntaktik wurde im Vorfeld vom Team um Boris Herrmann bestätigt und hat sich in der Praxis vollständig bewährt.
Für mich persönlich war es ein großartiger Tag. Ich bin stolz auf die gesamte Besatzung und freue mich, dass wir unser Ziel erreicht haben: Deutschland nimmt mindestens einen Pokal mit nach Hause.
KzS Elmar Bornkessel"
Anhang:
Erklärung zu den Präfixen:
FGS = Federal German Ship
(Bundesdeutsches Schiff)
NRP = Navio da República Portuguesa
(Schiff der Republik Portugal)
NS = Nava Școală
(Schulschiff)
USCGC = United Staates Coast Guard Cutter
(Schiff der US Küstenwache)
Bürgerreporter:in:Peter Gross aus Bochum |
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