3. Oktober - Tag der Wiedervereinigung
36 Jahre nach der Wiedervereinigung will die AfD wieder politische Indoktrination

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Silvia Bielert beschreibt unter anderem ihre Kindheit in der DDR und wie es wirklich in der DDR war.
Sie wurde 1981 geboren.

Acht Jahre später saß sie vor dem Fernseher.
In vielen Städten der DDR demonstrieren Menschen für Freiheit und offene Grenzen; die politische Opposition fordert Reformen. Sie werden beobachtet und angegriffen von bewaffneten Volkspolizisten, von Stasi-Fahndern in Zivil und von Angehörigen der Kampfgruppen. Den Friedensstaat DDR gab es nicht.

Ihre Mutter hat Angst vor einem Bürgerkrieg, ihr
Vater davor, wieder an die Grenze zu müssen – mit Schießbefehl. 

Es war eine weitgehend friedliche Revolution von Menschen,
die genug hatten vom Staat, der seine Bürger einsperrte, hinter dicken Mauern von Gefängnissen, Besserungsanstalten, Krankenhäusern und Kinderheimen.

Die Liste der Menschenrechtsverletzungen des DDR-Regimes ist lang. Der Parteistaat war verantwortlich für harte Gefängnisstrafen und psychische Folter, für Zwangsadoptionen und dafür, dass Kinder ihren Eltern weggenommen und in „Spezialkinderheime“ und Jugendwerkhöfe gesteckt wurden, in denen Ausbeutung an der Tagesordnung war – in Form von Zwangsarbeit und sexualisierter Gewalt.

Die Menschen befreiten sich aber auch von einem Regime, dass das Denken
eines jedes Einzelnen beherrschen wollte.

37 Jahre danach gibt es wieder eine Partei, die uns sagen will, was wir zu denken und zu fühlen haben. Wie wir zu sein haben , wie eine Familie aussieht (Vater-Mutter-Kind), was in der Schule nicht mehr gelehrt werden darf (politische Bildung, sexuelle Vielfalt) und wie Kritik dort an einem rechtsradikalen, völkischen Weltbild erlaubt ist – keine.

Die AfD, in vier ostdeutschen Bundesländern als rechtsextremistisch eingestuft, will vorgeben, wer etwas wert ist, wer etwas werden darf und wer nicht dazu gehört: Menschen anderer Herkunft, mit anderer Meinung. Frauen, die selbstbestimmt leben möchten. Menschen, die froh sind über die Demokratie des Staates, in dem wir leben.

Ihre Funktionäre verunglimpfen die Bundesrepublik und unterstellen ihr fehlende Presse- und Meinungsfreiheit.

"In meiner Altersgruppe der 35- bis 45-Jährigen, die also in einer Demokratie groß werden durften, wählen erschreckend viele die AfD. Sie wählen damit Freiheit und Selbstbestimmung ab." sagt Silvia Bielert.

„Der Frieden muss bewaffnet sein“ war einer der Parteislogans in der DDR, die dem Warschauer Pakt angehörte.

Auch die AfD behauptet, eine Friedenspartei zu sein.

Ulrich Siegmund sagt, die Produktion von Rüstungsgütern sei in Ordnung, weil man bei künftigen „Remigrations- und Abschiebeoffensiven“ entsprechende „Hilfsmittel“ brauche.

In der DDR war alles durchdrungen von erzwungener Anpassung und Konformität. Im Kindergarten gab es feste Zeiten fürs Töpfchen, der Teller musste leer gegessen werden. Manchmal saß Silvia Bielert bis nachmittags vor der Ekel-Sülze.

Es gab Aufmärsche in Pionieruniform und Fahnenappelle auf dem Pausenhof.

Auch die AfD möchte Kinder zu standhaften Vaterlandsverteidiger erziehen. An deutschen Schulen soll nach dem Willen der AfD Sachsen-Anhalt täglich die Nationalfahne gehisst werden, um Kinder zu „Vaterlandsliebe“ zu erziehen und um „unseren Kindern zu zeigen, wo sie herkommen.

Das ist nichts anderes als politische Indoktrination. Solche Forderungen verbindet die AfD mit der Erzählung, es gäbe viel Gewalt durch muslimische Kinder. Und Parteifunktionäre versuchten schon, Meldeportale zur Denunziation von Lehrkräften einzurichten, die politische Bildung für wichtig halten.

In der DDR hatten Kinder von Oppositionellen, von selbstständigen Kleinunternehmer oder Kinder, die sich nicht genug bei Pionieren und FDJ engagierten, schlechte Chancen auf Abitur und Studium. Disziplin, Anpassung und Leistungsdruck prägten die Schule. Kinder, die das nicht leisten konnten, kamen auf die Hilfsschule oder in Spezialheime. Laut der sächsischen SED-Opferbeauftragten sollen in der DDR etwa 135.000 junge Menschen in Heimen und Jugendwerkhöfen gewesen sein.

Und nun will mit der AfD eine Partei an die Macht, die auf Ausgrenzung und Diskriminierung setzt – und Kinder mit Eltern deportieren will, weil die sich nicht genügend angepasst, „integriert“ haben. Die Klassenverbände sollen „homogen“ werden. „Soziale und psychologische Betreuung“ sowie „Integration und Inklusion“ sollen keine Aufgabe der Schule sein, heißt es im „Regierungsprogramm“ der AfD Sachsen-Anhalt.
Keine Rücksicht auf Individualität oder Bedürfnisse.

"In die Unfreiheit, aus der wir uns 1989 herausgekämpft haben, will ich nicht zurück!“ sagt Silvia Bielert.

"Sehr wahrscheinlich haben wir jetzt die letzte Chance zu retten, was uns eint: Demokratie und Rechtsstaat."

Ihren ausführlichen Bericht ist hier nachzulesen.

Warum Ostdeutsche die Freiheit abwählen

Bürgerreporter:in:

Barbara Steffens aus Bochum

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