Adventspaar in Höchstform
Das Türchen Nr. 1, das uns austrickste / Ein Adventsdrama
- hochgeladen von Hildegard Grygierek
Man glaubt ja, mit über 70 hat man im Leben schon einiges gefunden - die Lesebrille auf dem Kopf, den Autoschlüssel im Kühlschrank und die Fernbedienung … darüber schweige ich lieber.
Aber eines hatten wir noch nie gesucht: Türchen Nummer Eins.
Und ausgerechnet am ersten Dezember.
Wir hatten uns fest vorgenommen, unseren neuen „Erwachsenen-Adventskalender“ - natürlich einen mit Umdrehungen, was dachtet ihr denn - würdevoll zu zelebrieren. Ein Türchen pro Tag. Einer öffnet es, der andere überwacht streng, dass es wirklich nur eins bleibt.
Also standen wir vor diesem hübschen Kalender, der versprach, uns stilvoll durch den Dezember zu begleiten.
Wir drehten ihn.
Wir wendeten ihn.
Wir drehten ihn noch ein weiteres Mal.
Mein sonst so sportlicher Ehemann bekam vom Umdreh-Marathon beinahe einen Tennisarm. Wie wir auch drehten und wendeten - Türchen Nummer Eins war verschwunden.
Mein Mann hielt den Kalender schließlich so dicht vor sein Gesicht, dass ich kurz überlegte, ob er gleich damit verschmilzt. Ich selbst griff schon zur Taschenlampe, um die Eins wie ein seltenes Fossil aufzuspüren.
Nach fünf Minuten war klar - wir sind raus.
Irgendwann riefen wir die Enkelin an. „Kind, wir brauchen Verstärkung!“, sagte mein Mann in einem Ton, als ginge es nicht um ein Adventstürchen, sondern um eine medizinische Soforthilfe.
Sie betrat den Raum, erfasste die Lage blitzschnell und tippte wortlos auf eine unscheinbare Stelle. Und zack - da war es. Türchen Nummer Eins.
Auf den Schrecken hin musste mein Mann dann auch gleich meine Tagesration konsumieren...
Aber gut - jetzt sind wir gewappnet für die kommenden 23 Tage.
Wir werden drehen, wenden, vermutlich wieder nach Hilfe rufen - und ebenso wahrscheinlich wieder scheitern.
Bürgerreporter:in:Hildegard Grygierek aus Bochum |
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