Vorbild USA? Wertegemeinschaft?
Hinrichtung als Show geplant
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Früher musste man zur öffentlichen Hinrichtung wenigstens noch auf den Marktplatz gehen. Heute genügt ein geladenes Smartphone. Der Fortschritt hat den Henkersplatz verkleinert: Er passt jetzt in die Hosentasche. Am 5. November 2009 ermordete der Armeepsychiater Nidal Hasan auf dem Militärstützpunkt Fort Hood dreizehn Menschen und verletzte mehr als dreißig weitere. Eine islamistisch motivierte Tat, ein entsetzliches Verbrechen. Hinter jeder Zahl stehen ein Mensch, eine Familie, ein zerstörtes Leben. Wer über die geplante Hinrichtung schreibt, sollte diese Menschen im Gedächtnis behalten.
Trump hat die Vollstreckung des Todesurteils genehmigt. Für den 3. Dezember 2026 ist ein Erschießungskommando vorgesehen. Pete Hegseth möchte das Ereignis öffentlich machen; das Pentagon hat einen Livestream angekündigt. Ein Staat, der einen Gefangenen töten will, kümmert sich also bereits um die Übertragung. Ich stelle mir die Vorbereitungen vor: Kameraposition prüfen. Mikrofon testen. Verbindung stabil? Für die Angehörigen wäre vielleicht Stille angebracht. Für den Minister braucht es Reichweite.
Man könnte einwenden, Öffentlichkeit diene der Kontrolle staatlichen Handelns. Das ist ein guter Gedanke. Nur erklärt er noch nicht, warum ausgerechnet der letzte Herzschlag eines Gefangenen zum angekündigten Ereignis werden soll. Transparenz lässt sich auch durch unabhängige Beobachter, Akteneinsicht und kritische Berichte herstellen. Dafür benötigt man keinen Zuschauer zu Hause, der zwischen Wetterbericht und Abendessen eine Erschießung einschaltet.
Hegseth will demonstrieren, dass solche Verbrechen schwere Konsequenzen haben. Das Todesurteil von 2013 dürfte diese Nachricht bereits ziemlich unmissverständlich übermittelt haben. Was fügt die Kamera hinzu? Den Beweis, dass ein Mensch sterben kann? Oder das Vergnügen, einem Minister beim Vorführen seiner Härte zuzusehen?
Der gelähmte Gefangene eignet sich schlecht für ein Heldenstück. Um einen bewachten Menschen im Rollstuhl zu erschießen, braucht es keinen Mut zum Gefecht. Die Tapferkeit müsste also nachträglich über die Bildregie hineingearbeitet werden.
Michel Foucault beschrieb in „Überwachen und Strafen“ den historischen Rückzug des Strafspektakels aus der Öffentlichkeit. Hegseth plant nun offenbar die Wiederaufnahme. Das Rad der Geschichte dreht sich rückwärts, bekommt aber einen Breitbandanschluss. Der Marktplatz von einst hat jetzt weltweite Empfangsbereitschaft.
Besonders widersinnig erscheint mir das bei einem Täter, der sich selbst als Märtyrer sehen wollte. Ein solches Todesvideo könnte von Dschihadisten aufgegriffen und für ihre eigene Propaganda verwendet werden. Die Bilder würden weiterwandern, aus dem Zusammenhang gerissen, mit neuer Musik unterlegt, zur nächsten Hetze montiert. Der Minister könnte auf seine Zuschauerzahl stolz sein. Über die spätere Verwendung der Aufnahmen hätte er kaum Kontrolle.
Und die dreizehn Ermordeten? Ihre Lebensgeschichten brauchen Zeit, Aufmerksamkeit und Menschen, die zuhören. Ein Erschießungsvideo wäre schneller konsumiert. Danach könnte man weiterscrollen. Ein Rezept, ein Fußballtor, ein Toter. Der Daumen muss sich kaum umstellen.
Ich fürchte, diese Show hätte vor allem einen pädagogischen Zweck: Das Publikum soll sich an die eigene Kälte gewöhnen. Wer wegschaut, gilt womöglich als schwach. Wer zusieht, darf sich zur Gemeinschaft der Harten zählen. So wird aus dem Sofa eine Zuschauertribüne für staatliche Machtdemonstrationen.
Die Technik wird vermutlich liefern, was man von ihr verlangt: ein scharfes Bild, einen klaren Ton, Millionen möglicher Zuschauer.
Nur die Menschlichkeit könnte Übertragungsprobleme bekommen.
Bürgerreporter:in:Didi van Frits aus Hattingen |
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