UNESCO-Welterbe in Augsburg
Führungen zu Augsburger Prachtbrunnen
- Auf dem Pfeiler des Herkulesbrunnens erschlägt der griechische Halbgott Herkules die Wasserschlange Hydra mit seiner Keule. Diese Szene aus der griechischen Mythologie sollte zum Zeitpunkt der Entstehung der Figurengruppe auf eine aktuelle politische Entwicklung im Reich der Habsburger anspielen: Der starke Herkules sollte dem starken Kaiser huldigen, dessen Militär eben den Schmalkaldischen Bund bezwungen hatte.
- Foto: Martin Kluger/context verlag Augsburg | Nürnberg
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Zum 400. Todesjahr von Adriaen de Vries: Stadtspaziergänge zu Augsburger Prachtbrunnen
Führungen der Regio Augsburg Tourismus stellen den Künstler vor, der den Augsburger Herkulesbrunnen schuf
(Augsburg/PM) Der Augsburger Herkulesbrunnen ist nicht „nur“ Kunst von Weltrang. 2019 wurde er gemeinsam mit 21 weiteren Objekten als „Augsburger Wassermanagement-System“ in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Der Monumentalbrunnen in der Maximilianstraße ist außerdem quasi eine Art „Geschichtsbuch“ – wenn man die Bronzefiguren auf dem Brunnenpfeiler zu interpretieren weiß. Anlässlich des 400. Todestags des Schöpfers der Figuren, des am 15. Dezember 1626 in Prag verstorbenen Niederländers Adriaen de Vries, bietet die Regio Augsburg Tourismus GmbH an insgesamt vier Terminen im November und Dezember 2026 sowie im Januar 2027 Führungen zur Brunnenkunst in der Augsburger „Kaisermeile“ an: Stadtspaziergänge zu zwei Objekten des UNESCO-Welterbes, zu großer Kunst und großen Namen – und zur Geschichte eines Krieges, der für Augsburg und für weite Teile Europas grausame Folgen nach sich ziehen sollte…
UNESCO-Welterbe ist die historische Augsburger Wasserwirtschaft seit Juli 2019: Zu den 22 Objekten des „Augsburger Wassermanagement-Systems“ gehören das Kanalsystem, historische Wasserwerke, frühe Wasserkraftwerke, Bauwerke – und die drei Monumentalbrunnen mit ihren Bronzefiguren im Stil der Renaissance. Zwei dieser Brunnen ließ der Rat der Reichsstadt um 1600 mit Werken von Adriaen de Vries verzieren. Ab 1597 schuf der Niederländer – er war der Kammerbildhauer Kaiser Rudolfs II. – die tönernen Gussformen für die Bronzefiguren am Herkulesbrunnen. 1602 wurde dieser Monumentalbrunnen als Bestandteil der Augsburger Trinkwasserversorgung in Betrieb genommen. Schon bis 1599 hatte de Vries den weniger figurenreichen Merkurbrunnen geschaffen – und damit wohl den Rat der Reichsstadt Augsburg dazu verlockt, noch einmal viel Geld in die Gestaltung eines weiteren Monumentalbrunnens unweit des Fuggerstadtpalasts zu stecken. Dort sollte die Herkulesfigur an prominenter Stelle dem Kaiser in Wien huldigen. Heute sind diese Brunnen in der Maximilianstraße – der „Kaisermeile“ – zwei Highlights des Augsburger UNESCO-Welterbes.
Auf dem Brunnenpfeiler des Herkulesbrunnens erschlägt der mehr als drei Meter hohe namensgebende Halbgott mit seiner Flammenkeule die Wasserschlange Hydra. Den Marmorpfeiler zieren drei Najaden über großen Muschelschalen, Löwenmasken und drei gänsewürgende Eroten. Der im Stil des Manierismus gestaltete Brunnen sollte wohl den Habsburgerkaiser in Wien zur Abhaltung weiterer Reichstage in Augsburg werben: das aber nicht nur durch kostbare Kunst, sondern auch mit politischer Schmeichelei. Denn dass die Augsburger Hydra nur sieben – statt wie in der griechischen Mythologie neun – Köpfe hat, wird so interpretiert, dass der starke Halbgott den Kaiser verkörpert. Und die von Herkules gebändigte siebenköpfige Hydra stand stellvertretend für die sieben deutschen Kurfürsten, die der Kaiser mit der „Keule des Krieges“ zur Räson gebracht hatte. Der Herkulesbrunnen sollte wohl an den Schmalkaldischen Krieg von 1546/47 erinnern, bei dem Kaiser Karl V. einen Aufstand des protestantischen Schmalkaldischen Bundes niedergeschlagen hatte. Dieses Verteidigungsbündnis der protestantischen Fürsten und Reichsstädte war 1531 geschlossen worden – für den katholischen Habsburgerkaiser ein nicht hinnehmbarer Affront. Sogar der Platz, an dem der Monumentalbrunnen steht, war eine Anspielung auf die Politik: Kaiser Karl V. hatte 1547/48 – während des „Geharnischten Reichstags“ – im benachbarten Fuggerstadtpalast residiert. Ebenso symbolträchtig ist der Platz des Herkulesbrunnens. Denn genau dort belehnte der Kaiser im Jahr 1548 Moritz von Sachsen mit jener Kurfürstenwürde, die er zuvor Johann Friedrich I. von Sachsen abgenommen hatte: Der gewesene Kurfürst hatte aufseiten der aufständischen Protestanten gegen ihn gekämpft. Das Augsburger Brunnenkunstwerk steht nicht eben zufällig vor dem Stadtpalast der reichen Fugger: Denn die Fugger hatten den Feldzug des Habsburgerkaisers gegen den Schmalkaldischen Bund maßgeblich finanziert.
Der Brunnen darf also wohl auch als Liebedienerei des Augsburger Rats gegenüber dem Kaiser in Wien gesehen werden. Gewonnen hat die Stadt am Lech durch den Sieg des Kaisers über den Schmalkaldischen Bund letztendlich gar nichts: Denn dieser Konflikt führte später geradewegs in den Dreißigjährigen Krieg, der für das während seines Verlaufs weitgehend entvölkerte Augsburg zur größten Katastrophe in der Stadtgeschichte werden sollte.
Die Regio Augsburg Tourismus GmbH bietet anlässlich des Gedenkjahrs um den 400. Todestag von Adriaen de Vries Führungen an: Am 27.11.2026, 04.12.2026 und 06.01.2027 um jeweils 15 Uhr sowie am 12.12.2026 um 10:30 Uhr leitet der rund 90-minütige Stadtspaziergang „Adriaen de Vries (1545 – 1626) und Augsburg – Glanz und Ruhm“ zum Merkur- und zum Herkulesbrunnen sowie zu den Originalbronzen der Brunnenfiguren und zum sogenannten Brunnenjüngling ins Maximilianmuseum. Treffpunkt ist die Tourist-Info am Augsburger Rathausplatz.
• Infos zur Führung online unter www.augsburg-tourismus.de und telefonisch unter 0821 50207-30
• Anmeldung zur Führung unter folgendem Link: https://www.augsburg-tourismus.de/de/Tickets#/
• Infos erhält man auch am Counter in der Tourist-Information am Augsburger Rathausplatz.
(Text: Regio Augsburg Tourismus)
Bürgerreporter:in:myheimat Redaktionsteam aus Augsburg |
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