AWO-Ortsverein Aichach
Geburtshilfe darf kein Sparmodell sein - AWO OV Aichach und Hebammen fordern faire Vergütung und sichere Versorgung
- hochgeladen von Kristina Kolb-Djoka
Mit einem Informationsstand hat der AWO-Ortsverein Aichach gemeinsam mit freiberuflichen Hebammen aus der Region auf die drohenden Folgen der neuen Gebührenordnung für Hebammen hingewiesen. Die Regelung, die zum 1. November 2025 bundesweit in Kraft treten soll, stellt eine ernsthafte Bedrohung für die freiberufliche Geburtshilfe dar – insbesondere für kleinere Kliniken im ländlichen Raum. Die geplante neue Vereinbarung zwischen dem GKV-Spitzenverband und den Hebammenverbänden sieht vor:
80 Prozent für die erste und nur 30 Prozent für die zweite und für weitere Gebärende nichts mehr bei voller Haftung. Für ambulante Fälle im Krankenhaus wie z.B. unklare Schmerzen oder Verdacht auf Blasensprung ist derzeit gar keine Vergütung mehr vorgesehen. Viele geburtshilflich tätigen Hebammen im Umkreis rechnen mit 30-50 Prozent weniger Verdienst, bei gleichbleibender Arbeitsbelastung und vollem Haftungsrisiko. Bayern ist besonders stark betroffen, da dort 80 Prozent der Kreißsäle mit Belegsystem arbeiten.
„Diese Kürzungen sind existenzbedrohend. Wir tragen Verantwortung für zwei Leben – Mutter und Kind – und sollen gleichzeitig mit massiven Einbußen leben. Das ist weder gerecht noch tragbar“, erklärte eine der beteiligten Hebammen. Kleinere Krankenhäuser besonders gefährdet. Beleghebammen sind tragende Säulen vieler kleiner Geburtsstationen, gerade in ländlichen Regionen. Bricht dieses Modell durch die neuen Vergütungsregeln weg, drohen Schließungen von Kreißsälen – mit spürbaren Folgen für Schwangere und Familien vor Ort.
Der AWO-Ortsverein Aichach warnt vor möglichen Versorgungslücken in ländlichen Regionen durch die drohenden Schließungen von Kreißsälen. Die Vorsitzende des AWO-Ortsvereins Aichach, Kristina Kolb-Djoka, betonte: „Als sozialer Wohlfahrtsverband stellen wir uns entschieden hinter die Hebammen. Ihre Arbeit ist unersetzlich – und muss fair bezahlt werden. Andernfalls könnte es insbesondere in ländlichen Gebieten wie unserer Region zu spürbaren Einschränkungen in der Versorgung kommen.“
Daher ruft der AWO-Ortsverein Aichach zur gesellschaftlichen und politischen Unterstützung auf: Faire Bedingungen in der Geburtshilfe sind keine Selbstverständlichkeit – sondern eine gemeinsame Verantwortung.
„Die Geburtshilfe im Geburtshaus Aichach ist weiterhin gesichert – dort wird eine individuelle 1:1-Betreuung gewährleistet. Auch die häusliche Versorgung durch Hebammen im Landkreis läuft stabil weiter, da ausreichend Kolleginnen für Schwangerschafts- und Wochenbettbegleitung sowie Kursangebote zur Verfügung stehen. Es gibt lediglich kleinere finanzielle Anpassungen“, erklärt Hebamme Pia Petrovic. „Unser aller Wunsch ist es, Frauen unter der Geburt individuell zu begleiten. Es stellt jedoch eine Herausforderung dar, wenn bestehende Strukturen – etwa durch die Schließung kleiner geburtshilflicher Abteilungen – wegfallen und gleichzeitig die Rahmenbedingungen für Hebammen erschwert werden. Angestellte Hebammen werden auch künftig ihr Bestes geben, um jeder Gebärenden die notwendige Unterstützung zu bieten.“
QR-Code für Unterstützung siehe Bilder
Bürgerreporter:in:Kristina Kolb-Djoka aus Aichach |
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