Virtuelle Tandem-Tour
Von Untermeitingen nach Kaufering
- hochgeladen von Wolfgang Weiss
Hallo an alle Damen und Herren, die hier fleißig mitlesen! Dieser Artikel ist für Euch, die heute leider nicht im schönen Untermeitingen oder auf dem Lechfeld sein können – oder die schlichtweg im Alltagstrubel keine Zeit für so einen Ausflug finden. Ich nenne es meine „Tandem-Tour“: Ich nehme Dich virtuell hinten auf dem Sattel mit, und schwupps – schon sind „wir“ gemeinsam unterwegs.
Heute starten wir in Untermeitingen. Über ruhige teilweise geteerte Feldwege radeln wir gemütlich Richtung Süden Richtung Kaufering.
Unser erster Stopp ist der Obermeitinger Badesee. Mit seiner wundervollen Farbe liegt er unter dem blauen Himmel und den grünen Bäumen da wie gemalt. Die ersten Badegäste genießen schon das Wasser, und auch die Volleyballer haben sichtlich ihren Spaß.
Ein kleiner Tipp für Nachfahrer: Der Kiosk ist leider nicht mehr bewirtschaftet. Pack dir also unbedingt eigene Getränke ein – und denk bitte daran, deinen Müll wieder mitzunehmen (was leider nicht jeder tut). Die Toilettenhäuschen sind geöffnet und sauber, also alles bestens! Auf dem Parkplatz fasziniert mich noch ein kleines Detail: Ein hartnäckiges Gras, das sich auf dem kargen Sand-Schotterboden behauptet.
Weiter geht es Richtung Süden, vorbei an der Sport- und Kulturhalle in Hurlach und an einem riesigen Heidelbeerfeld. An den unzähligen Sträuchern lässt sich die reiche Ernte schon an den noch grünen Beeren erahnen.
Wir wechseln die Straßenseite, und der Feldweg führt uns später praktisch unter der B17 hindurch. Viele Wiesen am Wegrand sind frisch gemäht, das Gras liegt schon zusammengerecht zum Trocknen in der Sonne. Dieser intensive, herrliche Duft in der Nase ist eine pure Freude! Schade, dass ich ihn weder in Text noch in Bildern an dich übertragen kann.
Wir erreichen den Bereich einer alten Kiesgrube. Hier befand sich früher ein KZ-Außenlager. Jetzt zeugt ein KZ Friedhof vom den Gräueltaten und dem Leid der Menschen. Wir halten an und lassen die Informationstafeln auf uns wirken, die an die Gräueltaten der NS-Zeit erinnern. Es waren Arbeitslager, in denen Menschen untergebracht waren, um ihre pure Arbeitskraft bis zum Letzten auszupressen oder sie schlicht dem Verderben zu überlassen.
Am letzten Tag vor der Befreiung soll sogar noch ein Benzinwagen in das Lager gefahren sein, um die verbleibenden Gefangenen in ihren Hütten bei lebendigem Leib zu verbrennen. Die Hütten wurden mit Benzin bespritzt und angezündet – eine unvorstellbar grausame Tat, wie alles, was in dieser finsteren Zeit stattgefunden hat.
Für alle, die das heute immer noch verharmlosen oder beschönigen wollen: Geht hin! Lest die Tafeln, seht euch die Bilder an und begreift, dass es niemals richtig ist, Menschen wegen ihrer Herkunft zu verdammen. Niemand sucht sich aus, wo und als was er geboren wird. Jeder startet unvoreingenommen und mit gleichen Rechten in ein Leben, von dem er vorher keine Ahnung hat.
Nach diesen tiefen Gedanken führt uns der Weg direkt nach Kaufering. Dort gibt es einen wunderbaren Vietnamesen namens Homekitchen, den ich wärmstens empfehlen kann. Für mich gab es eine traditionelle Pho-Suppe mit Rindfleisch – aus meiner Sicht eine echte Delikatesse! Serviert mit frischen Kräutern, einer feinen Sauce und einem speziellen, selbstgemachten Essig. Das Ganze ergibt eine so leckere Komposition, dass es mich immer wieder dorthin zieht.
Was hättest Du Dir dort bestellt? Und was meinst du – stimmt die Weisheit aus dem Glückskeks eigentlich immer?
Vom Restaurant aus geht es weiter Richtung Osten zum Kauferinger Bahnhof. Von hier aus kommt man prima nach München, Augsburg, Lindau oder Landsberg. Ich habe einen kleinen Abstecher zur Bahnhofsbrücke gemacht, um ein Foto von den verschiedenen Gleisen und Oberleitungen zu knipsen – das sah geometrisch einfach klasse aus.
Über die Landstraße radeln wir nun Richtung Westen, der untergehenden Sonne entgegen, und biegen schließlich wieder nach Norden ab. Auf dem Rückweg über die alte Römerstraße Via Claudia Augusta – vorbei an Hurlach und Obermeitingen zurück nach Untermeitingen – werde ich von unzähligen Vögeln begleitet.
Besonders auffällig: Kurz vor Obermeitingen (von Süden kommend) ist wohl eine riesige Rabenkolonie in den Bäumen am alten Lechufer eingezogen. Es müssen Hunderte, wenn nicht Tausende Tiere sein, die lautstark durcheinanderkrächzen. Wenn man kurz anhält und zuhört, klingt das absolut faszinierend. Man fragt sich allerdings, was die Anwohner jeden Abend darüber denken und ob die Begeisterung dort dieselbe ist.
Zum krönenden Abschluss gibt es noch einen kurzen Abstecher zum Obermeitinger Pfingstfest. Das bunt beleuchtete Festzelt bildet das perfekte, fröhliche Ende unserer Tour.
So, das war sie – unsere kleine, feine 27-Kilometer-Ausfahrt! Jetzt ist es Zeit, sich gemütlich die Bilder dazu anzuschauen. Es freut mich riesig, wenn ich dir mit diesem virtuellen Ausflug eine kleine Freude machen konnte.
Ich verspreche dir: Demnächst nehme ich dich wieder mit auf unser virtuelles Tandem, um die Gegend zu erkunden. Bis zum nächsten Mal!
Bürgerreporter:in:Wolfgang Weiss aus Untermeitingen |
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