Ein knallharter Essensbericht
Iglo Hühnerfrikassee (425g) – Ein Offenbarungseid am Klassiker
- hochgeladen von Wolfgang Decius
Das klassische Hühnerfrikassee ist ein Sinnbild für deutsche Hausmannskost: zartes Fleisch, eine samtige, reichhaltige Soße und ausgewogenes Gemüse. Was Iglo hier jedoch unter dem Deckmantel dieses Traditionsgerichts in die Tiefkühltruhen und anschließend in unsere Pfannen schleust, grenzt an eine kulinarische Beleidigung. Es ist ein Lehrstück darüber, wie die Lebensmittelindustrie ein Wohlfühlessen in traurige, industrielle Pampe verwandelt.
Hier ist meine detaillierte Abrechnung:
1. Der Hühnchen-Schwindel: Fleisch in homöopathischen Dosen. Warum es weder nach Huhn riecht noch schmeckt? Ein Blick auf die Zutatenliste liefert den erschütternden Beweis: 10 % Hähnchenfleisch. Ich rechne kurz nach: Bei einer 425-g-Packung sind das exakt 42,5 Gramm Fleisch. Das ist weniger als der Aufschnitt auf einem halben Brötchen! Wenn man den Reis (29 %) und das Wasser abzieht, isst man hier im Grunde ein vegetarisches Reisgericht mit Fleischgarnitur. Dass bei dieser homöopathischen Dosierung kein Hühnchen-Aroma aufkommen kann, ist reine Physik.
2. Die saure Katastrophe: Chemiebaukasten statt Samtigkeit. Woher kommt die seltsam säuerliche Note des Frikassees? Auch hier liefert das Kleingedruckte den Täter: Zitronensaftkonzentrat, gepaart mit Milch, Butter und Sahne. Anstatt die Soße durch eine klassische Velouté (helle Grundsoße aus echter Brühe) frisch abzuschmecken, wird hier künstliche Säure in ein Gemisch aus Milchprodukten und Wasser gekippt. Das Ergebnis ist kein frischer Akzent, sondern der irritierende Geschmack von Milch, die wirklich kurz vor dem Kippen steht. Die Brühe selbst besteht laut Liste vor allem aus Wasser und Knochen – Aroma muss also künstlich herbeigeführt werden.
3. Das Gemüse-Trauerspiel: Kieselsteine und Papierschnipsel. Ein gutes Frikassee lebt von Harmonie. Iglo liefert stattdessen Dissonanz. Die Karotten: Dass die Karotten nach 13 Minuten Kochen in der Pfanne immer noch "knackig klein" sind, spricht Bände über die industrielle Verarbeitung. Sie wirken weniger wie Gemüse und mehr wie orangefarbene Störfaktoren. Die Champignons: Mit 11 % sind tatsächlich mehr Pilze als Hühnchen im Gericht! Allerdings in Form von "hauchdünnen Scheiben", die beim Kochen jede Textur verlieren und nur als billiger Füllstoff dienen, um Volumen zu schinden.
4. Die Textur: Pampe durch Stärke Damit dieses Gemisch aus Wasser, Milch und 42 Gramm Fleisch überhaupt als "cremig" durchgeht, wird es mit Weizenmehl und Stärke abgebunden. Nach 13 Minuten in der Pfanne (plus 5–6 Esslöffel extra Wasser!) erhält man genau das, was man erwartet: einen industriellen, klebrigen Tapetenkleister, der im Mund ein pelziges Gefühl hinterlässt.
Mein Fazit: Das Iglo-Hühnerfrikassee ist eine Mogelpackung, die den Namen des Klassikers in den Schmutz zieht. Es ist ein überteuertes Reisgericht, bei dem an der teuersten Zutat (dem Huhn) gnadenlos gespart wurde, während der fehlende Geschmack durch Säurekonzentrate und Stärke maskiert werden soll.
Bewertung: ⭐☆☆☆☆ (1/5 Sterne) Den einen Stern gibt es nur, da null Sterne nicht vergeben werden können. Für den Gaumen ist dieses Gericht ein absoluter Offenbarungseid. Bofrost, Frosta etc. haben längst bewiesen, dass es auch ganz anders geht!
Bürgerreporter:in:Wolfgang Decius aus Springe |
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