Mitten im Herzen von Neusäß
Die Hauptstraße ist ein Spiegel für die ganze Stadt
- Einweihung des Platz der Städtepartnerschaften.
- Foto: Florian Handl
- hochgeladen von Florian Handl
Die Neusässer Hauptstraße war schon immer mehr als nur eine Straße – und das gilt 2026 vielleicht sogar stärker denn je. Auf rund 1,5 Kilometern bündelt sie viele Funktionen, die für eine Stadtmitte typisch sind: Verkehr und Begegnung, Alltag und Erledigungen, Rathauswege und Cafébesuche. Wer vom Bereich Stereoton in Richtung Bahnhof unterwegs ist, kommt an zentralen Punkten vorbei – am Rathaus mit Stadthalle ebenso wie an Läden, Praxen und Dienstleistern, die für viele Neusässerinnen und Neusässer ganz selbstverständlich zum Tagesablauf gehören.
Ein kurzer Blick zurück zeigt, wie früh die Hauptstraße eine besondere Rolle bekam: Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie zur ersten asphaltierten Straße im Stadtgebiet. Und auch die Diskussionen um Ausbau und Gestaltung laufen nicht erst seit gestern. Schon 1950 wurde über eine umfassende Erneuerung gesprochen, umgesetzt wurde ein großer Schritt dann 1986/87: Gehwege auf beiden Seiten, mehr Beleuchtung, Baumpflanzungen und die Bahnunterführung für Fußgänger und Radfahrer – Maßnahmen, die nicht nur den Verkehr ordneten, sondern erstmals spürbar an Aufenthaltsqualität dachten.
Heute präsentiert sich die Hauptstraße als dichtes Band der Versorgung: Apotheken, Optiker, Banken, Fitnessangebote und Gastronomie prägen das Bild. Besonders sichtbar ist, wie sehr kleine „Ankerpunkte“ die Straße beleben können – etwa die Eisdiele Tutti Frutti, die nach der Renovierung wieder ein beliebter Treffpunkt ist. Gleichzeitig hat die Stadtmitte in den letzten Jahren neue Bausteine bekommen: Mit dem Stadthaus, der Bäckerei Wolf samt Café und dem neugestalteten Stadtplatz entstand ein Bereich, der nicht nur „funktioniert“, sondern zum Verweilen einlädt. Solche Orte sind wichtig, weil sie aus einer Durchfahrtsstraße Schritt für Schritt einen Stadtraum machen.
Die Hauptstraße entlang des Rathauses gilt als Spiegel der „ganzen Stadt“ – mit ihren Stärken, aber auch mit Aufgaben, die noch vor Neusäß liegen. Auch bei der Stadtentwicklung insgesamt hat Neusäß in den vergangenen Jahren an mehreren Stellen nachgelegt. Der Ideenwettbewerb von 2009 mit Prof. Ulrich Holzscheiter war dabei ein wichtiger Impulsgeber. Vieles, was damals als Konzept begann, ist inzwischen Realität: neue Wohnangebote, zusätzliche Grünanteile und eine bessere Einkaufsqualität – etwa durch die Umgestaltung des Sailer-Areals und das Fachmarktzentrum auf dem ehemaligen Glogger-Areal mit REWE, Sportausstatter und IHLE-Kaffee. Auf der anderen Seite sorgen das Jugend-Kulturhaus und das „Haus der Musik“ dafür, dass die Hauptstraße nicht nur Einkaufsmeile, sondern auch ein Stück Alltagskultur bleibt.
Der nächste große Schritt wird politisch und planerisch entschieden: Die Stadt verfolgt weiterhin das Ziel, die Hauptstraße langfristig von der Staatsstraße zur Gemeindestraße umzuwidmen. Dahinter steckt ein klarer Gedanke: Wenn Neusäß mehr Gestaltungshoheit bekommt, lassen sich Maßnahmen für Sicherheit, Begrünung, Querungen, Tempo und Aufenthaltsqualität passgenauer nach den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger umsetzen. Voraussetzung ist, dass der überregionale Verkehr sinnvoll verlagert wird – hier spielt die Entlastungsstraße (künftig Staatsstraße) eine zentrale Rolle. Im Zusammenhang damit wurde der Tunnel 2024 sicherheitstechnisch ertüchtigt; weitere Sanierungsschritte müssen mit dem Freistaat Bayern sowie Zeit- und Förderfragen verlässlich geklärt werden.
Nicht zu unterschätzen ist daneben das, was „still“ passiert: Private Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer, Einzelhändler und Dienstleister investieren sichtbar in Fassaden, Eingänge und Ladenflächen. Gerade diese vielen kleinen Verbesserungen entscheiden am Ende mit, ob eine Straße freundlich wirkt – und ob man sich dort gern aufhält.
Die Hauptstraße bleibt damit ein Ort des Wandels. Ziel muss sein, dass sie nicht nur das Rückgrat des Verkehrs ist, sondern zunehmend zur grünen, lebendigen Lebensader wird: mit sicheren Wegen, attraktiven Plätzen, alltagstauglicher Mobilität und einer Stadtmitte, die man nicht nur durchquert, sondern gern nutzt.
Bürgerreporter:in:Florian Handl aus Augsburg |
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