Den Weg in die Normalität zurückfinden
Meitinger Neujahrsempfang: Biberbacher Markus Kratzer über seinen Weg nach einem Unfall und Bürgermeister Michael Higl stellt neue Herausforderungen in den Fokus seiner Neujahrsansprache

Die Heiligen drei Könige aus dem Ortsteil Langenreichen stimmten die Besucher mit einem Gedicht auf den Neujahrsempfang in der örtlichen Dr. Max Josef Metzger Halle ein | Foto: Peter Heider
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Meitingen. Zum traditionellen Neujahrsempfang hatte der Markt Meitingen in die Dr.-Max-Josef-Metzger-Halle an der Werner-von-Siemens-Straße eingeladen. Da Sturm Elli in den vergangenen Tagen heftige winterliche Spuren hinterlassen hatte, war man gespannt, ob trotz der Glätte und Schneefälle die traditionelle Veranstaltung besucht würde. Wie auf Bestellung hatte sich die eisige Kälte zurückgezogen, die Sonne strahlte vom Himmel, und somit kamen über 300 Besucher und Gäste in die Dr.-Max-Josef-Metzger-Halle, um mit der Marktgemeinde das neue Jahr zu begrüßen.

Auf Einladung von Bürgermeister Michael Higl referierte dabei Ehrengast Markus Kratzer über Einblicke in eine Lebensphase, die er nach einem schweren Fahrradunfall durch positive Gesinnung meisterte und erfolgreich bewältigte. Im Jahr 2006 erfasste den damaligen Unternehmensberater und begeisterten Ausdauer-Sportler während einer Trainingseinheit auf seinem Fahrrad ein Auto und verletzte ihn dabei sehr schwer, als er sich für den Ironman Austria vorbereitete. „Wie ein U-Boot-Torpedo hat sich das Auto in meinen Rücken gebohrt“, schildert Kratzer. Die Diagnose nach dem Unfall lautete, dass er sich mehrere Wirbelbrüche zuzog, ein schweres Polytrauma erlitt, einen inkompletten Querschnitt sowie einen Invaliditätsgrad von 70 % hatte. Aber der schwerverletzte Verunglückte kämpfte sich trotz der „traurigen“ Diagnosen ins normale Leben zurück und schaffte es nur drei Jahre später, im Jahr 2009, einen Ironman über 226 Kilometer Roth (3800 Meter Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen) zu absolvieren. „Schneller als vor meinem Unfall schaffte ich erstaunlicherweise diesen Ironman.“ In seinem Rückblick unterstrich Markus Kratzer mit erhobenem Finger, wie durch mentale Stärke und Zielorientierung selbst größte Herausforderungen überwunden werden können und man mit Lebensmut, eisernem Willen und zukunftsorientiert auch solche unvorhergesehenen Lebensphasen überwinden kann. Dieses Erfolgserlebnis spornte den Ausdauersportler derart an, dass er nach der Teilnahme in Roth sogar eine Alpenüberquerung mit dem Rennrad von Meitingen an den Gardasee bewältigte. „Mit positiv verrückten Ideen habe ich langsam den Weg in die Normalität zurückgefunden und den Genesungsprozess vorangetrieben“, schildert Kratzer.

Der in Meitingen geborene und der Liebe wegen nach Biberbach „ausgewanderte“ Markus Kratzer, der in früheren Jahren beruflich als Unternehmensberater in der Finanzbranche war, wurde bei einer Radtour auf einer Landstraße plötzlich von einem Pkw weggeräumt und dabei schwerstens verletzt. Er wurde nach dem tragischen Unfall monatelang im Augsburger Zentralklinikum behandelt, verbrachte eine monatelange Reha in Bad Wiessee und befand sich anschließend 13 Monate im Krankenstand. „Ich gab nie auf, blickte trotz Schmerzen immer zuversichtlich voraus und konnte durch seinen optimistischen Antrieb und seine enorme Willenskraft drei Jahre später in Roth wieder am Ironman-Triathlon starten – schneller als zuvor“, schmunzelte Kratzer. Auf seinem Genesungsweg lernte er, wie er sagt, drei wertvolle Diamanten kennen: radikale Akzeptanz in Krisensituationen, die Boxengasse, wie es sie im Rennsport gibt, und bewusste Wahrnehmung.

Kratzer erzählt, dass er auf einer Reha auch einen Vortrag mit dem Thema „Die Blumen vom Gardasee“ besucht habe. Der Referent des Vortrags berichtete mit großer Leidenschaft, wann und wo die schönsten Blumen am italienischen Gardasee wachsen. „Ich war schon sehr oft vorher am Gardasee und hab keine einzige Blume wahrgenommen, was mir die Erkenntnis gab: Ich werde alles wieder daran setzen, wieder laufen zu lernen, und falls das doch nicht funktionieren sollte, werde ich mir ein anderes Hobby suchen, das mich mit einer solchen Begeisterung wie der Betrachtung der Blumen erfüllt“, schmunzelte Kratzer. Wenn man ein größeres Problem hat, muss man in eine Boxengasse einbiegen, um den Genesungsprozess zu fördern; man muss die Boxengasse so aufstellen, um die Krise zu bewältigen. Wichtig ist jedoch auch, dass man Menschen findet, die einen auch gerne liebevoll in schwierigen Lebenssituationen unterstützen, forderte Kratzer.

Mit dem Zitat des tschechischen Politikers Václav Havel, Dramatiker und ehemaliger Präsident der Tschechischen Republik (1936 bis 2011), „Hoffnung ist nicht die Gewissheit, dass etwas gut ausgeht, sondern die Hoffnung ist die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht“, beendet der Denker, Optimist, Motivator, Sportler und Stehaufmännchen Markus Kratzer unter großem Applaus des Publikums seinen Vortrag.

Was erwartet Meitingen in diesem Jahr?

In seiner Neujahrsansprache ging Bürgermeister Michael Higl auf die Herausforderungen, die in diesem Jahr auf den Markt Meitingen zukommen, ein. Dabei steht der Erhalt der Substanz, der Infrastruktur sowie der Gebäude im Mittelpunkt. In den Vordergrund stellte Higl dabei die Rathaussanierung, die Technikerneuerung im Bürgersaal, Straßenerneuerungen im Weidenweg und im Triebweg, Kanalsanierungen, Wasserwerkpumpen, Feuerwehrautos oder das Meitinger Feuerwehrhaus. Weiter im Fokus stehen über der Substanzerhaltung die Stärkung der Gemeinschaft und Reaktionen auf gesellschaftliche Entwicklungen wie den Neubau des Kindergartens im Ortsteil Erlingen, das Jugendzentrum sowie „Meitingen Miteinander“. In den Bereich Ortsplanung fallen das Feuerwehrhaus Erlingen, das Schlossmarktgelände, das Bahnhofsumfeld sowie die Ortsmitte Erlingens. „Wir nehmen ständig neue Herausforderungen wahr, sind mit Planungen für die Zukunft beschäftigt und sehen den laufenden Betrieb oft als Selbstverständliches – aber gerade diese Qualität ist ein starkes Fundament, auf dem wir stehen“, betonte der Meitinger Rathauschef.

In Zeiten, in denen die Leistungsfähigkeit des Staates als abstraktes an die Grenzen kommt, müssen wir uns an diese Werte besinnen und uns dabei auch bewusst sein, dass wir alle Teile dieses Staates sind, mit Rechten, aber auch Verantwortung und Zusammenleben. Unsere Bürgerinnen und Bürger sind damit ein Vorbild für unser Zusammenleben. „Gemeinsam, Respekt voneinander und Bereitschaft, sich auch unentgeltlich einzubringen, zeichnet unsere Bürgerinnen und Bürger aus, aber auch privatwirtschaftliches Engagement in Handel, Gewerbe, Industrie und sozialen Bereichen wie in Heimen, Behinderteneinrichtungen und bei freien Trägern“, lobte Higl.

Der Meitinger Bürgermeister erinnerte an die erste freie Wahl in Deutschland, die vor 80 Jahren am 27. Januar 1946 über die Bühne ging. „Es ist heute nicht mehr selbstverständlich, das Wahlrecht und damit die Aufgabe, das Recht mit Verantwortung zu erfüllen; bei der Kommunalwahl am 8. März brauchen wir jedoch wieder Menschen, die bereit sind, sich zu engagieren, um in den nächsten sechs Jahren Verantwortung zu übernehmen. Die Kandidatinnen und Kandidaten müssen Entscheidungen auch direkt im Gespräch mit den Mitbürgern vertreten, sind meist sehr aktive Mitglieder in der Gemeinschaft und bringen diesen Erfahrungsschatz gerne mit ein. „Wir brauchen Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“, sagte Higl abschließend zu den applaudierenden Gästen, zu denen sich auch der Augsburger Landrat Martin Sailer gesellte.

Text: Peter Heider

Bürgerreporter:in:

myheimat Redaktionsteam aus Augsburg

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