Retten – Löschen – Bergen – Schützen
Ein Blick auf die Geschichte der Erlinger Floriansjünger
- Vorsitzender Patrick Gerblinger (links) und Kommandant Andreas Sladetzek stehen an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr Erlingen.
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Floriansjünger betreiben vorbeugenden Brandschutz, kontrollieren Gebäude und führen Übungen durch, um Schäden im Ernstfall zu verhindern.
Von Peter Heider
Feuerwehren retten Leben, bewahren Menschen vor Schäden und sind auch bei Katastrophen unermüdlich im Einsatz. Ihre Arbeit lässt sich mit vier Hauptaufgaben beschreiben: Retten, Löschen, Bergen und Schützen. Neben ihren Einsätzen betreiben die Feuerwehren vor allem vorbeugenden Brandschutz, kontrollieren Gebäude, beraten Firmen und führen Übungen durch, um Schäden im Ernstfall zu vermeiden.
Dazu gehört in der Marktgemeinde Meitingen auch die Freiwillige Feuerwehr im Ortsteil Erlingen, die derzeit 246 Mitglieder zählt. Darunter sind 49 aktive Mitglieder sowie 14 Jugendliche. Vorsitzender der Wehr ist Patrick Gerblinger, Kommandant Andreas Sladetzek. Als Leiterin der Kinderfeuerwehr ist Bianca Kraus tätig.
Die Freiwillige Feuerwehr Erlingen
Gegründet wurde die Freiwillige Feuerwehr Erlingen am 7. September 1884. Im Dienstbuch des „Kreisfeuerwehrverbandes für Schwaben und Neuburg“ ist dazu Folgendes vermerkt: Die Gründung erfolgte durch Georg Eberle, Bürgermeister in Erlingen. Er wurde am 7. September 1884 zum Vorstand gewählt, Georg Steinle zum Hauptmann und Anton Meister zum Adjutanten.
Geht man davon aus, dass bei dieser Wahl alle aktiven Feuerwehrmitglieder anwesend waren, betrug ihre Zahl damals 24. Zu dieser Zeit wurden im gesamten damaligen Königreich auf höchste Weisung Freiwillige Feuerwehren auf örtlicher Ebene gegründet. Dabei baute man auf bestehenden Strukturen auf und entwickelte diese stetig weiter.
Für den 25. August 1885 verzeichnet das Dienstbuch umfangreiche Anschaffungen. Im Jahr 1889 wurde Vorstand Georg Eberle bei einer „Chargenwahl“ erneut bestätigt. Zum Hauptmann wählte man jedoch Johann Deller, Ökonom in Erlingen, vor allem deshalb, weil er das Kommando bereits längere Zeit geführt hatte. Bei der ersten Inspektion der neu gegründeten Wehr hatte er sich als besonders tüchtig erwiesen.
Das erste Urteil über eine Inspektion, die am 18. Mai 1890 stattfand, lautete: „Die gemeinsame Aufstellung, die Schulleitung sowie auch die persönliche Übung an einem Gebäude, endlich Vorbeimarsch und die Kreisschließung wurden fachgemäß und zur Zufriedenheit durchgeführt.“
Zum ersten größeren Einsatz rückte die junge Ortsfeuerwehr am 14. August 1885 um 15.45 Uhr mit 30 Mann aus. Es handelte sich um ein größeres Ereignis: Der Eintrag verzeichnet neun Wehren, die zum Einsatz kamen. Insgesamt leisteten 428 Mann Hilfe. Der letzte Eintrag aus dem Jahr 1890 weist außerdem zehn Hilfeleistende der Pflichtfeuerwehr aus. Auf die Frage im Brandbericht „War ihr Mitwirken ein ersprießliches?“ findet sich die knappe Antwort: „Ja“.
Das erste größere Fest feierte die Wehr am 5. Juli 1910 mit ihrem 25-jährigen Gründungsfest, „welches in feierlicher Weise unter der Leitung des Kommandanten Riedel abgehalten wurde“. Wie bescheiden ein solches Fest damals begangen wurde, zeigt die Zahl der Teilnehmer: Neben der Erlinger Wehr feierten lediglich acht weitere Wehren mit.
Kriegszeiten machten den Wehren schwer zu schaffen
Kriegszeiten rissen immer wieder Lücken in die Reihen der Wehr. Von der Inspektion in Herbertshofen kurz vor Kriegsausbruch am 7. Juni 1914 ist vermerkt, dass sie mit 42 Mann „in allen Teilen zur Zufriedenheit ausgefallen“ sei. Im Jahr 1916 standen nur noch 20 Mann zur Verfügung, 1917 waren es immerhin wieder 26.
Ähnlich erging es der Wehr während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Am 1. Januar 1939 vermerkte Kommandant Deller einen Stand von 40 Mann in der Freiwilligen Feuerwehr sowie neun Gesamtübungen. Kommandant Schimpfle hielt zum 1. Januar 1951 fest: „Stand der Feuerwehr 28 Mann.“
Nach den Kriegen besserte sich die Lage jeweils wieder. So verzeichnete Kommandant Riedel zum 1. Januar 1919: „40 Mann, abgehalten vier Übungen. Vermögensstand 7 Mark 60 Pfennig.“ Auch nach dem Zweiten Weltkrieg erholte sich die Wehr allmählich. Noch Jahre nach Kriegsende lagen die Zahlen der aktiven Mitglieder jedoch kaum über denen der ersten Kriegsjahre.
Ein Ereignis, das die Wehr mit Stolz verzeichnen konnte, war die Inspektion am 3. Mai 1953 in Meitingen. Mit 30 Mann war Erlingen die stärkste Wehr vor Meitingen und Herbertshofen mit jeweils 20 Mann. Der Kreisbrandinspektor bescheinigte: „Erlingen konnte allgemein als beste Wehr angesprochen werden. Kommandant Johann Bissinger gebührt hierfür besonderer Dank!“
1959 feierte die Wehr gemeinsam mit den Nachbarvereinen aus Meitingen und Herbertshofen ihr 75-jähriges Bestehen. Besonders verbunden fühlt sich die Wehr ihrer alten Spritze von 1914, die noch heute funktionstüchtig ist und bei besonderen Anlässen präsentiert wird.
Moderne Feuerwehrtechnik verkörpert das Staffellöschfahrzeug, das dritte selbstfahrende Einsatzfahrzeug der Wehr. Es wurde im Juni 2012 geweiht und löste das alte Tragkraftspritzenfahrzeug ab. Das erste selbstfahrende Fahrzeug erhielt die Wehr 1969: einen gebrauchten Ford-Kombi, der im ersten Kommandantenjahr von Josef Schey mit Unterstützung der Gemeinde beschafft und unter seiner Leitung feuerwehrtauglich umgebaut wurde.
Höhepunkt in der Amtszeit von Josef Schey war nach dem 90-jährigen Jubiläum im Jahr 1974 sicherlich das 100-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Erlingen vom 1. bis 3. Juli 1983. In Absprache mit den Kameraden aus Meitingen und Herbertshofen wurde das Fest ein Jahr früher gefeiert, um eine Häufung von Jubiläen im Jahr 1984 zu vermeiden. Nach 20 Jahren als Kommandant trat Schey 1989 zurück. Für seine Verdienste ernannte ihn die Wehr zum Ehrenkommandanten.
Unter Kommandant Hermann Schilling feierte die Wehr 1994 ihr 110-jähriges und 2004 ihr 120-jähriges Bestehen. Beide Jubiläen wurden am kurz zuvor umgebauten Gerätehaus in der Zollhausstraße begangen. Dieses war 1964 von der Gemeinde Erlingen für 37.000 DM errichtet und am 20. Dezember desselben Jahres zum 80-jährigen Bestehen der Wehr eingeweiht worden.
Durch den am 24. März 2000 begonnenen grundlegenden Umbau unter Kommandant Hermann Schilling und dem Ersten Vorsitzenden Wolfgang Schwarz erhielt die Wehr eine größere Fahrzeughalle, Nebenräume und einen Schulungsraum im Dachgeschoss. Am 7. und 8. Juli 2001 wurde das Haus mit einer feierlichen Weihe und einem Tag der offenen Tür wieder seiner Bestimmung übergeben. Der Markt Meitingen unterstützte die Materialbeschaffung und Inneneinrichtung mit 204.000 DM. Die Wehr steuerte 3.632 unentgeltliche Arbeitsstunden bei. Viele Hände halfen mit, nicht nur Vereinsmitglieder.
Das 125-jährige Jubiläum feierte die Wehr vom 23. bis 25. Juli 2010 gemeinsam mit den Erlinger „Unter Uns“-Schützen, die ihr 100-jähriges Bestehen begingen. Im Jubiläumsjahr leitete Jürgen Weber den Verein. Er hatte 2007 Wolfgang Schwarz abgelöst, der dieses Amt 30 Jahre lang ausgeübt hatte und für seine Verdienste zum Ehrenvorstand ernannt wurde. Erster Kommandant war damals Joachim Ziegler.
Die Zeichen der Zeit erkannte die Wehr 2023 mit der Gründung einer Kinderfeuerwehr. Um auf die zunehmende Schwierigkeit bei der Nachwuchsgewinnung zu reagieren, hatte die Vorstandschaft bereits in den Jahren zuvor daran gearbeitet, Kinder schon vor dem zwölften Lebensjahr an die Feuerwehr heranzuführen. Dafür war eine Satzungsänderung notwendig. Seither können Kinder ab sechs Jahren der Kinderfeuerwehr beitreten.
Erste Fahnenweihe im Jahr 1957
Am 7. Juli 1957 fand die Fahnenweihe der ersten Fahne der Freiwilligen Feuerwehr Erlingen statt. Bereits 1982 war sie restauriert und ausgebessert worden. Nach 65 Jahren war die Fahne an vielen Stellen stark in Mitleidenschaft gezogen und wies Schäden auf. Daher stellte sich die Frage, ob eine neue Fahne angefertigt oder die altehrwürdige Fahne erhalten werden sollte. Da ihre Gestaltung nach wie vor großen Zuspruch fand, entschied man sich nach reiflicher Überlegung für eine Restaurierung, um die Tradition zu bewahren.
Am 16. Juli wurde die Fahne in der St.-Clemens-Kirche in Herbertshofen neu geweiht. Anschließend verbrachten die Teilnehmer einige gesellige Stunden im Feuerwehrhaus. Für das leibliche Wohl war bestens gesorgt. Der Musikverein Erlingen bereicherte den Tag mit gemütlichen Liedern. Für die kleinen Gäste boten eine Tombola sowie Übungen der Jugendfeuerwehr abwechslungsreiche Unterhaltung.
Kommandanten und Vorsitzende der Erlinger Wehr
Kommandanten:
1884 – 1889 Georg Steinle
1889 – 1900 Johann Deller
1900 – 1904 Xaver Kapfer
1904 – 1939 Matthäus Riedel
1939 – 1943 Josef Deller
1943 – 1949 Karl Schimpfle
1949 – 1969 Johann Bissinger
1969 – 1989 Josef Schey
1989 – 1991 Klement Gerblinger
1991 – 2005 Hermann Schilling
2005 – 2013 Joachim Ziegler
Seit 2013 Andreas Sladetzek
Vorstände:
1884 – 1901 Georg Eberle
1901 – 1910 Johann Deller
1910 – 1939 Josef Wagner
1939 – 1943 Josef Deller
1943 – 1949 Karl Schimpfle
1949 – 1974 Johann Bissinger
1974 – 1977 Karl Justus
1977 – 2007 Wolfgang Schwarz
2007 – 2019 Jürgen Weber
Seit dem Jahr 2019 Patrick Gerblinger
Bürgerreporter:in:Florian Handl aus Augsburg |
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