„Die Chance auf das neue Forum haben wir jetzt“
Ein Interview mit 1. Bürgermeister Franz Feigl
- Mit der Bürgermedaille in Gold ehrte 1. Bürgermeister Franz Feigl die 94-jährige Gisela Peters
- Foto: Anke Maresch
- hochgeladen von Joachim Meyer
myheimat: Herr Feigl, lassen Sie uns mit dem „Pionier-Projekt“ der Stadt Königsbrunn beginnen. Das neue Forum soll der Brunnenstadt ein neues Gesicht geben. Bis 2030 muss der moderne Gebäudekomplex als zentraler Bestandteil von Königsbrunns „Vision Zentrum 2030" im Wesentlichen stehen. Ein Veranstaltungssaal, ein Café und ein Foyer sind dort vorgesehen. Auch die Museen sollen dort untergebracht werden. Erst eine Innovationsklausel der Bund-Länder-Finanzhilfe macht dieses Projekt möglich. Das Bundesbauministerium hat seine Bereitschaft erklärt, das Projekt zusammen mit dem bayerischen Bauministerium zu fördern. Die eigentliche Förderzusage steht aber noch aus, trotzdem darf Königsbrunn schon mit Teilen des geförderten Projektes beginnen. Die Fördergelder fließen nur, wenn der ehrgeizige Zeitplan eingehalten werden kann. Ist das nicht ein Risiko?
Franz Feigl: Jedes große Bauvorhaben birgt zahlreiche Risiken. Das Risiko, dass das Bauvorhaben bis 2030 schlussabgerechnet sein muss, um die vollständige Förderung zu erhalten, ist insofern beherrschbar, als hier ständig während der ganzen Bauzeit immer wieder Fördergelder beantragt werden müssen. Dadurch bezieht sich das Risiko auf die Rechnungen, die erst nach Ablauf der Förderfrist eingehen. Dieses Risiko werden wir anteilig auch auf die beteiligten Firmen übertragen müssen.
myheimat: Die Gesamtkosten für das Projekt wurden im Jahr 2025 auf rund 46 Millionen Euro geschätzt. Wie viel davon kann durch Förderungen abgedeckt werden?
Feigl: Aktuell liegt uns bereits eine Förderzusage der KFW über 4 Mio. Euro vor. Daneben warten wir auf die Förderzusage der Regierung von Schwaben und hoffen auf eine Städtebauförderung in Höhe von 26 Mio. Euro. Damit könnten insgesamt 30 Mio. Euro Fördermittel nach Königsbrunn geholt werden – in einer Zeit, in der aufgrund der Baukosten sehr, sehr wenig gebaut wird.
myheimat: Was halten Sie Kritikern entgegen, die dieses Bauvorhaben als „Prestigeobjekt“ bezeichnen und auf die angespannte Haushaltslage verweisen?
"Das neue Forum ist ein echter Zweckbau
mit beachtlichen städtebaulichen Folgen"
Feigl: Die Chance, mit ca. 16 Mio. Euro Eigenanteil zu einem neuen Veranstaltungssaal mit Café, zu neuen Räumen für die Stadtbücherei, für die Musikschule, für die Museen, für das Kulturbüro, für das Stadtarchiv und für das BRK zu kommen, haben wir nur jetzt. Diese einmalige Möglichkeit ergibt sich aufgrund des innovativen Ansatzes, eine ehemalige Sauna und deren Technikräume in ein energetisch optimiertes Kulturzentrum umzubauen und dabei die graue Energie im Betonbestand zu nutzen. Auch wenn die Haushaltslage sehr angespannt ist, wäre es aus meiner Sicht fatal, eine solche wirklich einmalige Chance nicht zu nutzen. Vor allem geht es bei diesem Projekt um Energieeinsparung, um die Nutzung von personellen Synergien und insbesondere um Stadtentwicklung. Die derzeitigen Räume der Stadtbücherei sind von der Stadt angemietet und die Nebenkosten sind infolge des bestehenden Energiestandards fast so hoch wie die Mietkosten. Das Grundstück der Mittelschule (ca. 16.000 m² in zentraler Lage) wird nach deren Zusammenführung an der Römerallee und Unterbringung der Musikschule wie des Lechfeldmuseums im Forum vollständig für eine Entwicklung zu Wohnzwecken frei. Die derzeitigen Räumlichkeiten des BRK werden für eine dringend benötigte Entwicklung der Stadtwerke frei, die Museen können zusammengeführt und damit völlig erneuert auch effektiver und effizienter betrieben werden, alle städtischen kulturellen Nutzungen werden an einem Standort vereint usw. Daher ist es für mich ein echter Zweckbau mit beachtlichen städtebaulichen Folgen.
myheimat: Zum Abschluss der Neugestaltung des zentralen Bereichs der Bürgermeister-Wohlfarth-Straße wurde erstmalig ein großes Straßenfest, die „Königsmeile“, gefeiert. Mit welchen Baumaßnahmen an Königsbrunns Hauptverkehrsachse geht es nun weiter?
Feigl: Die Stadt Königsbrunn ist mit der Neugestaltung der Bürgermeister-Wohlfarth-Straße im zentralen Bereich in Vorleistung getreten. Nun sind die privaten Investoren aufgerufen, hier neue Akzente zu setzen. Die Familie Dreisbach und Mitzel ist mit dem neuen „Cervus“ bereits aktiv geworden. Die GWG plant gegenüber der St.-Ulrich-Kirche ein Gebäude für bezahlbaren Wohnraum für Senioren. Hinter dem Best Western Hotel Zeller bis zum Laubenweg soll ein Wohnquartier entstehen. Das zunächst angedachte Gebäude am Europaplatz wird aufgrund der Baukosten und der damit nicht mehr darzustellenden Mietpreise samt Finanzierbarkeit momentan zurückgestellt.
"Die Pharmpur EISARENA ist ein
Aushängeschild für unsere Stadt"
myheimat: Die Stadt Königsbrunn muss auch viel Geld in Sanierungs- und Ertüchtigungsmaßnahmen investieren. In diesem Zusammenhang wird auch immer wieder kontrovers über die Pharmpur EISARENA diskutiert. Allein drei Millionen Euro wird es beispielsweise kosten, um den Brandschutz auf den aktuellen Stand zu bringen. Auch Technik und Sanitäranlagen müssen modernisiert werden. Eine dauerhafte Schließung der Sportstätte kommt für Sie aber nicht infrage?
Feigl: Die Pharmpur EISARENA ist ein Aushängeschild für unsere Stadt und die einzige Eishalle im Landkreis Augsburg. Der Eissport hat außerdem eine lange Tradition in Königsbrunn. Jede Saison besuchen über 30.000 Menschen diesen Ort, um Schlittschuh zu laufen. Der EHC Königsbrunn ist in den letzten Jahren zweimal Bayerischer Meister und einmal Vizemeister geworden. Zu einem Eishockeyspiel kommen zwischen 400 und 1.200 Besucher. Daher sind aus meiner Sicht die rund 6 Mio. Euro für Brandschutz, Technik und Sanitäranlagen hervorragend angelegt, weil eine solche Eishalle heute neu zweistellige Millionenbeträge kosten würde.
myheimat: Im Sportbereich stehen weitere Investitionen an. Was wird die Sanierung der Willi-Oppenländer-Halle kosten?
Feigl: In nächster Zeit wird als erstes eine sogenannte Machbarkeitsstudie veranlasst, um die notwendigen Maßnahmen und die wirtschaftlichsten Lösungen zu ermitteln. Bei der über 40 Jahre alten Willi-Oppenländer-Halle sind Dach, Fenster, Außenhülle, Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektrik, Innenwände und Boden zu betrachten. Erst danach können Kosten beziffert werden.
myheimat: Die Stadt Königsbrunn investiert seit vielen Jahren in bessere Rahmenbedingungen für Schule und Unterricht. Dazu zählen vor allem die Sanierungen und der Ausbau von Schulen. Wie schreiten die Planungen für die künftige Mittelschule an der Römerallee voran?
Feigl: Mit Allmann Wappner konnte ein renommiertes Büro für die Planung der Mittelschulerweiterung an der Römerallee gewonnen werden. Das Planungsgrundkonzept sieht vor, dass die Zweifachturnhalle um ein gutes Stück nach Westen zu einer Dreifachturnhalle erweitert und das Schulgebäude um einen quadratisch anmutenden Baukörper im Süden ergänzt werden soll. Dazu läuft aktuell die Vorplanung.
"Wir haben genügend Gruppenräume,
aber nicht so viele Fachkräfte,
dass in allen vorhandenen Gruppenräumen
Kinder betreut werden könnten"
(über das Thema Kinderbetreuung)
myheimat: Ein besonders herausforderndes Thema für alle Kommunen ist die Kinderbetreuung. Wie ist Königsbrunn in diesem Bereich aus Ihrer Sicht aufgestellt?
Feigl: Bei der Kinderbetreuung geht es um zwei Fragen: Gibt es genügend Gruppenräume? Gibt es genügend Fachkräfte? Nach momentanem Stand haben wir genügend Gruppenräume, aber nicht so viele Fachkräfte, dass in allen vorhandenen Gruppenräumen Kinder betreut werden könnten. Insgesamt konnte aber auch heuer der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen im Wesentlichen gedeckt werden.
myheimat: Die Grundwasser-Problematik beschäftigt die Bevölkerung und den Stadtrat seit den Starkregenereignissen der letzten Jahre besonders intensiv. Daher gab es auch bei der geplanten Stadtranderweiterung im Osten viele Sorgen und Bedenken. Wie wird sich die künftige Bebauung auf die Grundwassersituation in den bestehenden Nachbarschaften im Südosten auswirken?
Feigl: Wir haben die Auswirkungen der geplanten Bebauung auf die komplette bestehende Nachbarschaft im Hinblick auf den Grundwasserhochstand noch einmal konkret untersuchen lassen. Das Ergebnis war eindeutig, dass durch die geplante Aufschüttung und Anhebung des Geländes um ca. 1 m auch bei hohen Grundwasserständen keine Auswirkungen auf die Nachbarschaft zu erwarten sind.
myheimat: Lassen Sie uns noch ein wenig über die kommunale Wärmeplanung sprechen, die für die Zukunftsfähigkeit einer Stadt ja von großer Bedeutung ist. Wie sieht da der „Fahrplan“ Königsbrunns bis 2028 aus?
Feigl: Für Königsbrunn wurde die kommunale Wärmeplanung erstellt. Dieser Plan gibt unter anderem Anhaltspunkte dafür, in welchem Ortsbereich ein Wärmenetz nach erster Einschätzung sinnvoll sein kann. Nun untersuchen wir aktuell, in welchen der Bereiche aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen Rahmendaten ein Wärmenetz überhaupt wirtschaftlich darstellbar sein kann. Danach wird die Stadt Königsbrunn mit den Eigentümern Kontakt aufnehmen, um über etwaige Möglichkeiten und Notwendigkeiten zu beraten.
myheimat: Zwischen der Mindelheimer Straße und der Ammerseestraße können Anwohner nun etwas „aufatmen“, was den Straßenbahn-Lärm betrifft. Was genau wurde da an den Gleisen der Tramlinie 3 gemacht?
Feigl: Zur Reduzierung der Schall-emissionen und insbesondere des unangenehmen Quietschens wurden vor den Bögen bzw. leichten Kurven jeweils in Fahrtrichtung Schmieranlagen eingebaut. An der gesamten Strecke von der Haltestelle „Augsburger Straße“ bis zur Haltestelle „Königsbrunn Zentrum“ wurden entlang der Schienenkörper über 6.000 sog. Schienenstegdämpfer angebracht.
"Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum
ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe"
myheimat: Wie in vielen anderen Kommunen ist auch in Königsbrunn das Thema „bezahlbarer Wohnraum“ ein heißes Eisen. Es wird immer wieder Kritik laut, die Stadt tue hier zu wenig. Wie wollen Sie künftig sicherstellen, dass sich auch Menschen mit geringeren Einkommen das Wohnen in Ihrer Stadt noch leisten können?
Feigl: Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum war immer schon und ist immer noch eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, d.h. neben den kommunalen Wohnungsbaugesellschaften sind auch private Bauherren in der Pflicht. Allerdings sind die Baukosten derzeit so hoch, dass ohne Wohnbaufördermittel kein bezahlbarer Wohnraum finanziert und gebaut werden kann. Das trifft alle gleich. In Königsbrunn haben wir aktuell vier große Bauvorhaben, die in größerer Zahl bezahlbare Wohnungen anbieten wollen, aber mangels Wohnbaufördermittel nicht vorankommen. Dazu gehören das Vorhaben der GWG an der Kirche St. Ulrich und die geplanten Bauvorhaben an der Haunstetter Straße und der Bürgermeister-Wohlfarth-Straße. Es könnten also in Königsbrunn schon zahlreiche Wohnungen geschaffen worden sein, wenn es ausreichend staatliche Wohnbaufördermittel gegeben hätte und geben würde.
myheimat: Herr Feigl, vielen Dank für dieses Gespräch.
myheimat-Team:Joachim Meyer aus Friedberg |
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