Bär Puma Ziege Hase Rabe
Demenztest - online-Gesundheitsbescheinigung

Foto: Didi van Frits mit ChatGPT-6.1 Astra
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Neulich wollte ich auf der Internetseite des Berliner „Tagesspiegels“ nachsehen, was in Sachsen-Anhalt vorgeht. Ob sich die CDU gerade in der Mitte durchreißt wie einst Rumpelstilzchen. Oder ob sie ihre Zerrissenheit dadurch zusammenhält, dass sie bei der anstehenden Ministerpräsidentenwahl geschlossen den Saal verlässt. Geschlossenheit durch Abwesenheit. Darauf muss man erst einmal kommen. Früher suchte eine Volkspartei die Mitte. Heute findet sie den Flur.

Da ploppte eine Grafik auf. Ich wollte mich über den Zustand der Demokratie informieren; die Anzeige wollte erst einmal meinen Zustand klären. Ein Demenztest. Fünf Tiere standen zur Auswahl:

A: Bär.
B: schwarzer Panther.
C: Alpen-Ziegenbock.
D: Mümmel-Hase.
E: Krähe.

Die entscheidende Frage lautete: „Welches Tier hat Federn?“ Ich war erleichtert. Die Aufgabe erschien mir schaffbar. Keine Prozentrechnung, keine Koalitionsarithmetik, keine Frage danach, wer vorgestern noch mit wem auf gar keinen Fall zusammenarbeiten wollte. Die Krähe, dachte ich. Eindeutig die Krähe. Darunter das Versprechen: „Wenn Sie alle Fragen richtig beantworten, haben Sie keine Demenz.“ Und der unterstrichene Aufruf: „Jetzt starten!“

So unkompliziert konnte Gesundheitsvorsorge sein. Während andere Menschen auf Untersuchungstermine warteten, musste ich lediglich ausschließen, dass ein Alpen-Ziegenbock Federn hat. Ich sah einer glänzenden Zukunft entgegen. Jedenfalls, solange niemand nach dem Unterschied zwischen einer Krähe und einem Raben fragte.

Später las ich auch noch, geistige Aktivität könne helfen, das Gehirn fit zu halten. Wieder war ich erleichtert. Ich hatte gelesen und eine Krähe erkannt. Für einen gewöhnlichen Vormittag hielt ich das für eine beachtliche Bilanz.

Leider machte ich dann den Fehler, eine künstliche Intelligenz nach der Aussagekraft meines gerade bestandenen Tests zu fragen.

Sie nahm mir umgehend mein Gesundheitszeugnis weg.

Eine Tierfrage könne eine Demenz weder feststellen noch ausschließen. Selbst richtige medizinische Kurztests seien nur ein Baustein einer umfassenderen Diagnostik. Das mit der Krähe sei vor allem ein Köder für den nächsten Klick.

Ich war gekränkt. Gerade hatte ich mich noch für geistig leistungsfähig gehalten. Nun sollte ich lediglich werblich ansprechbar sein.

Die Maschine referierte außerdem über Online-Spiele, Datensammler und mögliche Abofallen. Wobei auch sie gar nicht wusste, wer hinter genau dieser Anzeige steckte. Eine künstliche Intelligenz kann aus einer Krähe offenbar mühelos einen ganzen Kriminalfall machen.

So saß ich zwischen zwei digitalen Autoritäten. Die eine stellte mir nach einem Tierquiz Gesundheit in Aussicht. Die andere kannte den Anzeigenkunden nicht, hatte aber schon seine möglichen Geschäftsmodelle aufgezählt.

Immerhin begriff ich allmählich den Charme der Sache: Erst stellt man mir eine beängstigende Krankheit in Aussicht, dann reicht man mir eine Aufgabe, an der ich glänzen darf. Angst hinein, Erfolgserlebnis hinterher. Dazwischen ein Link.

„Sie wissen noch, dass eine Krähe Federn hat? Hervorragend! Dann zeigen Sie uns jetzt bitte, dass Sie auch eine Maustaste bedienen können.“

Das stand natürlich nicht da. Es hätte aber das Versprechen der Anzeige auf eine überprüfbare Leistung reduziert.

Besonders hübsch fand ich den Ort dieser Begegnung. Eine Zeitung möchte mich zum kritischen Leser erziehen. Die Werbung daneben hofft offenbar, dass ich währenddessen eine kleine Pause vom kritischen Lesen einlege.

Oben soll ich politische Täuschungsmanöver durchschauen. Unten soll ich mich von einer Krähe zur nächsten Seite führen lassen.

Dabei war ich doch wegen Sachsen-Anhalt gekommen. Ich wollte wissen, warum eine Partei lieber den Saal verlässt, als sich auf ihre eigenen Abgeordneten zu verlassen. Stattdessen beschäftigte ich mich mit meinem Kopf und dem Gefieder eines Vogels.

Vielleicht hatte die Anzeige damit tatsächlich etwas getestet: wie leicht ich mich von dem abbringen lasse, was ich eigentlich wissen wollte.

Die Krähe hat Federn.

Der Leser soll welche lassen.

Bürgerreporter:in:

Didi van Frits aus Hattingen

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