Feiertag in Bayern
Tag der Großeltern sollte es in allen Ländern geben

Foto: Didi van Frits mit ChatGPT-6.1 Astra
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Meine Tochter in Berlin hat drei Kinder, einen Ehemann, einen Job an einer Uni und in einem Büro. Bisschen viel. Schon beim Aufzählen möchte man ihr einen Stuhl anbieten. Da ruft man schon mal die Oma an. Meine Frau kommt dann mit dem Zug aus Nordrhein-Westfalen nach Berlin. Mit ihr reist etwas an, das sich in keinem Terminkalender unterbringen lässt: Zeit füreinander.

Wenig später sitzt sie mit anderen Omas auf einem Spielplatz und versucht zu verhindern, dass sich ein Enkel am Klettergerüst das Genick bricht, auf der Rutsche die Zähne ausschlägt oder einem Hund zu tief in den Rachen greift. Kinder erforschen die Welt mit einem Vertrauen, bei dem Großmütter gelegentlich die Luft anhalten. Man möchte ihnen den Mut erhalten und sie trotzdem heil nach Hause bringen. Eine anspruchsvolle Kunst.

Meine Tochter erzählt, in Ostberlin erlebe sie Mütter und Großmütter als solidarischer als im Westen. Im Osten habe man ein freundliches Auge auf alle Kinder, während im Westen häufiger nur das eigene verteidigt werde. Ich denke über dieses freundliche Auge nach. Wie viel leichter wird ein Nachmittag, wenn mehrere Menschen aufpassen. Wenn eine fremde Hand zur Stelle ist, bevor ein Kind fällt. Vielleicht beginnt gesellschaftlicher Zusammenhalt manchmal auf einer Bank neben dem Sandkasten.

Wie es auf bayerischen Spielplätzen zugeht, weiß ich nicht. Dort hat man jedenfalls eine schöne Idee in den Kalender aufgenommen: Seit 2019 wird am zweiten Sonntag im Oktober der „Tag der Großeltern“ begangen. In diesem Jahr fällt er auf den heutigen 11. Oktober.

Das würde auch Nordrhein-Westfalen gut stehen. Und Berlin. Und den anderen Bundesländern. Ein gemeinsamer Tag, an dem man einmal genauer hinschaut, wer da mit dem Zug anreist, am Herd steht, Geschichten erzählt und auf dem Spielplatz die Luft anhält. Für ein Dankeschön braucht man keinen großen Etat.

Meine Frau hat unseren Enkeln beim Kochenlernen zur Seite gestanden. Dabei wird nebenbei so vieles weitergegeben: Geduld, Aufmerksamkeit, die Freude daran, für andere etwas zuzubereiten. Eine Küche kann ein schöner Ort sein, um groß zu werden. Man darf helfen. Man wird gebraucht. Und am Ende sitzen alle zusammen und essen.

An Abenden, an denen die Eltern außer Haus waren, hat sie Geschichten erzählt. Eine vertraute Stimme macht einen Raum gemütlicher. Sie kann die Zeit bis zur Rückkehr der Eltern mit Menschen, Tieren und Abenteuern bevölkern. Aus Warten wird Zuhören.

Ich selbst habe versucht, Fahrradfahren und Weihnachtsbaumkaufen, Musikmachen und Malen als wichtige Lebenskunst weiterzugeben. Beim Fahrradfahren lässt sich Vertrauen üben. Beim Weihnachtsbaumkaufen die Vorfreude. Beim Musikmachen erlebt man, wie schön es ist, aufeinander zu hören. Und beim Malen darf die Welt noch einmal anders aussehen.

Es gibt für diese kleinen Lehrstunden kein Zeugnis. Man weiß auch nicht, was davon bleiben wird. Vielleicht erinnert sich ein Enkel später an eine Melodie. Vielleicht kocht eine Enkelin nach vielen Jahren etwas und hört dabei im Kopf noch einmal die Stimme ihrer Oma. Und plötzlich steht mit ihr ein Stück Kindheit in der Küche.

Inzwischen werde ich selbst immer älter. Da bekommt das Wort „Weitergeben“ einen besonderen Klang. Ich möchte, dass etwas von unserer Freude am Leben bei den Enkeln bleibt. Dass sie sich etwas zutrauen. Dass sie neugierig bleiben. Und dass sie wissen, wie wohltuend es sein kann, wenn jemand Zeit für sie hat.

Dabei schenken sie uns selbst so viel davon zurück. Ihre Einfälle, ihre Fragen, ihr Lachen. Man sitzt als alter Mensch neben ihnen und merkt, dass die Welt immer noch voller Anfänge ist.

Diese Lebensfreude zu behüten, scheint mir einen kleinen Ehrentag wert. Vielleicht setzt sich dann einmal jemand zu Oma und Opa, schenkt ihnen Kaffee ein und lässt sie erzählen.

Mariä Himmelfahrt in Ehren. Auch eine Oma, die mit dem Zug aus Nordrhein-Westfalen anreist, bringt manchmal ein kleines Stück Himmel mit.

Bürgerreporter:in:

Didi van Frits aus Hattingen

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