Kultur NRW Musik
LOVE PARADE - von Duisburg nach Dnipro - über Heimat

Foto: Didi van Frits mit ChatGPT Thinking 5.5
  • Foto: Didi van Frits mit ChatGPT Thinking 5.5
  • hochgeladen von Didi van Frits

Eigentlich habe ich Andrey Shilov (Ukraine, Dnipro) mein Leben zu verdanken. Ich wollte nämlich am Samstag, dem 24. Juli 2010, mit meiner Fotoausrüstung nach Duisburg (NRW) fahren, um die dort stattfindende LOVE PARADE für meinen Wordpress-Blog zu dokumentieren. Obwohl Anwohner schon Tage vorher warnten, das Gelände anzusteuern, weil es für einströmende große Menschenmassen keineswegs geeignet sei. Mein Entschluss stand dennoch fest.

Meine Fahrt an jenem Samstagmorgen wurde aber verhindert durch den spontan bei uns eintreffenden Andrey Shilov, einen klassischen Solo-Gitarristen aus der Ukraine. Er bat mich, eine Foto- und Video-Serie für die Repräsentation seines gitarristischen Repertoires herzustellen. Meine Frau Barbara machte die Portraits und servierte ihren üblichen Cappuccino, ich machte die gewünschten Videoaufnahmen und verließ meinen engen Bluesmusik-Horizont. Es wurde so gemütlich, dass Andrey sogar bei uns übernachtete, und er am nächsten Morgen, noch vor dem Frühstück mit Rührei und Cappuccino auf meiner Chet-Atkins-Gitarre Dave Brubecks TAKE FIVE spielte, um zu zeigen, dass auch er Grenzen zu überschreiten imstande sei.

Aus dem Radio, dem Fernsehen und den Zeitungen erfuhren wir plötzlich von der Tragödie während der LOVE PARADE am Tag zuvor. In dem Gedränge starben 21 Menschen, 500 wurden schwer verletzt. Die Verhinderung meines Reportage-Wunsches hatte mir eventuell gerade das Leben gerettet. In diesen alles zerquetschenden Tunnel wäre ich auch hineingesogen worden.

Der zuständige Landesjustizminister der SPD, Jäger, drohte über den Rundfunk, es würden hohe Strafen verhängt, wenn Blogger in den “Sozialen Medien” hierüber mit Fotomaterial berichten würden.
Die zuständigen Behörden-Cliquen manipulierten Presse und Justiz über zehn Jahre, so lange, bis alles verjährt war und somit keiner der Verantwortlichen, Bürgermeister, Landräte, Polizei, Veranstalter, Sicherheitsgutachter etc. bestraft wurde.

-------------------------

Andrey Shilov kehrte mit einer Daten-CD und einem Stick voll mit Fotos und Musikstücken sowie einem neuen Hemd und einem wärmenden Jacket 2.300 km zurück in seine Ukraine, nach Dnipro am Fluss Dnepr. (Dort erträgt er derzeit die täglichen Bombardierungen durch Putins Armee.)

Kontinuierlich hörte ich seine auf YouTube und Facebook veröffentlichte Musik an, besonders die meines brasilianischen Lieblingskomponisten Luiz Bonfa. Andrey wiederum verfolgte die Entfaltung meines Blues Repertoires. Er entdeckte, dass seit 20 Jahren meine Katze treu neben mir ein Plätzchen sucht, wenn ich Gitarre spiele. Andrey kommentierte: Es scheint, dass deine Katze nun nur noch etwas zu trinken benötigt, was auch zur Blues-Musik gut passt. Ich antwortete: Whiskey oder Vodka, das ist doch hier die Frage. Er: Warum versuchst du es nicht zuerst mit billigerem Bier? Ich: Oder du schickst uns eine Flasche mit frischem Wasser aus deinem Fluss Dnepr. Er: Du weißt, dass unser Fluss Dnipro nur noch vergiftetes Wasser führt! Ich: Ich weiß, taugt nur noch für die Schifffahrt. Aber ist es nicht möglich, dass du dich mit deinem Luiz-Bonfa-Répertoire auf solch einem weißen Dampfer für eine abendliche Flusskreuzfahrt buchen lässt? Die zahlenden Gäste könnten sich bei deiner Musik da hineinträumen, dass sie gerade eine Amazonas-Kreuzfahrt gebucht haben. Er: Theoretisch wäre das möglich. Aber musikalisch praktizierbar wäre das nur für eine Gruppe trompetender Elefanten. Denn die Leute, die so eine Kreuzfahrt zu buchen pflegen, sind sehr ignorant und mit Musik fast gar nicht ansprechbar. Sie sprechen ständig äußerst laut, sie schreien fast, ebenso so gellend und durchdringend wie ihre verrückten, krankhaften Kinder. Ab und zu brechen aus ihnen stupide, idiotische Lieder mit von jedem Sinn befreiten Texten heraus. Ich: Das klang gerade so, als ob du meine Nachbarschaft hier in Deutschland beschreibst. Er: Es scheint, dass sich diese Sorte Leute überall rumtreibt. Ich: Erinnerst du dich an den schönen Sommerabend auf dem Platz in meinem mittelalterlichen Hattingen, als wir das britische Lied sangen: “Those were the days my friend…” Er: Ja, das spiele ich immer noch gerne: Oberflächlich gesehen ein Lied von Mary Hopkin, 1968, Those were the days = Dorogoi dlinnoyu = Дорогой длинною, in Wirklichkeit aber komponiert von dem russischen Musiker Boris Fomin (1900–1948)

P.S.: Das Betrachten und Vergleichen der Musik-Szenen im deutschen Duisburg oder im ukrainischen Dnipro, im Bossa Nova-Südamerika oder im Blues-Nordamerika, in Teheran (wo J.S. Bach verboten ist) oder in Nordkorea (wo mein Gypsy-Swing-Repertoire sicherlich gänzlich unbekannt ist) zeigt auch, dass es leider nicht nur um die reine Musik in unseren Seelen geht, sondern viel zu oft um das Hereinbrechen politischer Unfähigkeiten.

Bürgerreporter:in:

Didi van Frits aus Hattingen

Webseite von Didi van Frits
Didi van Frits auf Facebook
Didi van Frits auf Instagram
Didi van Frits auf YouTube

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

19 folgen diesem Profil

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.