Ferien Tourismus-Kosten Zuhause
Gedanken zum billigeren Urlaub-Machen

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Ferienbeginn in vielen Bundesländern. Nun setzt sich der begüterte Teil der Deutschen in Bewegung, als sei das Zuhause plötzlich ein Katastrophengebiet, das nur mithilfe von Autobahn, Flughafen oder Kreuzfahrtdampfer rechtzeitig verlassen werden könne.

Mit Auto und Bahn, mit Wohnmobil und Flugzeug düst man hinein in die weite Welt. Stoßstange an Stoßstange Richtung Freiheit. Am Flughafen steht man drei Stunden in der Schlange, um anschließend in einem Sitz Platz zu nehmen, in dem selbst eine Sardine Platzangst bekäme. Auf dem Kreuzfahrtschiff teilt man sich die ersehnte Einsamkeit mit fünftausend anderen Erholungssuchenden und einem Animateur, der bereits am Vormittag gute Laune befiehlt.

Wer mehr auf sein Geld achten muss, sortiert unterdessen die Möglichkeiten innerhalb Deutschlands. Ostsee oder Sauerland? Harz oder heimischer Baggersee? Eine Ferienwohnung mit „Panoramablick“ kann bekanntlich auch bedeuten, dass man vom Badezimmerfenster aus einen halben Berghang sieht, sofern man sich auf die Waschmaschine stellt.

Urlaub ist die Zeit, in der Menschen große Strapazen auf sich nehmen, um sich von den Strapazen des Alltags zu erholen.

Meine 3 Enkel aus Berlin sind gerade im Zug Richtung Dolomiten unterwegs. Meinen Enkel in Hattingen zieht es, wenn er hier ein paar musikalische Auftritte absolviert hat, nach Frankreich. Ich glaube, meine Frau hat allen 4 Enkeln etwas Geld zur Unterstützung geschickt.

In meinem Leben bin ich nach Holland und ans Mittelmeer gereist, in die USA und nach Skandinavien. Ich habe in engen Flugzeugsitzen, gequetscht hinter meiner Gitarre, 8 Stunden tapfer durchgehalten, ich habe auf zugigen, öden Bahnhöfen gewartet, rappelnde Koffer über Venedigs hundert Treppen gezogen, mich durch fremde Speisekarten gekämpft (einmal unwissentlich Stierhoden bestellt) und in Hotelbetten gelegen, deren Matratzen offenbar noch aus der Zeit Karls des Großen stammten.

Und was habe ich am Ende überall gesucht?

Einen bequemen Sessel.

Vielleicht unter einem schönen Kirschbaum. Ein wenig Schatten, ein leichter Wind, ein Buch auf den Knien und in erreichbarer Nähe eine Tasse Kaffee. Keine Bordkarte. Kein Zimmerausweis. Kein Mensch, der „All inclusive!“ ruft.

Die Tourismusindustrie lebt von der kühnen Behauptung, Erholung befinde sich grundsätzlich woanders. Möglichst weit entfernt. Am besten dort, wo man erst nach einer zwölfstündigen Reise feststellt, dass die Aussicht zwar spektakulär, der einzige brauchbare Stuhl aber bereits von einem anderen Deutschen mit einem Handtuch reserviert worden ist.

Vielleicht besteht die höchste Form des Reisens deshalb darin, endlich dort anzukommen, wo man schon war.

Im eigenen Garten.

Unter dem Kirschbaum.

Im Sessel.

Und während auf den Autobahnen die Urlauber im Stau stehen, könnte ich ihnen freundlich zuwinken. Vorausgesetzt, ich stehe dafür nicht extra auf.

Bürgerreporter:in:

Didi van Frits aus Hattingen

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