Pilze
Im Reich der Pilze – verborgene Wunder des Waldes
- Pilze sind seltsame Wesen. Sie leben meist im Verborgenen, in einer eigenen und besonderen Welt.
- Foto: Kurt Wolter
- hochgeladen von Kurt Wolter
Wenn es Hebst geworden ist und man einen Waldspaziergang macht, dann sieht man sie, wenn man genau hinschaut, überall. Am Waldboden, an absterbenden Bäumen und natürlich am Totholz. Dieses außergewöhnliche Reich ist eine faszinierende Welt, von der allerdings nur der kleinste Teil zu sehen ist, der Fruchtkörper. Manchmal auch, wenn man das Laub zur Seite schiebt, aber auch auf Totholz, die Myzelien, die sich wie ein riesiges Netz unter dem Waldboden ausbreiten. Und damit brechen sie sämtliche Rekorde und sind in einzelnen Exemplaren, die man per Genanalyse bestimmt hat, die größten Lebewesen auf unserem Planeten. Der größte bisher entdeckte Pilz in Oregon in den USA, ein Dunkler Hallimasch, bedeckt eine Fläche von fast 10 Quadratkilometern und hat ein Gewicht, je nach Berechnungsart – was auch immer das heißen mag – zwischen 600 und 35.000 Tonnen. Man mag es kaum glauben. Zum Vergleich: Die größte Pflanze, ein Riesenmammutbaum, bis über 2000 Tonnen. Ein Blauwal, das größte Tier das jemals auf der Erde gelebt hat, kann bis zu 180 Tonnen wiegen.
Und noch etwas lässt manchen vielleicht staunen. Wurden Pilze bis vor einem halben Jahrhundert, weil sie am Boden wachsen, den Pflanzen zugeordnet, so hat sich das seitdem geändert. Da sie nicht auf Licht angewiesen sind und keine Photosynthese wie Pflanzen betreiben, bilden sie deswegen neben diesen und den Tieren eine eigene Lebensart. Sie stehen genetisch den Tieren sogar näher als den Pflanzen. Wie diese sind sie auf Nahrung angewiesen. Und davon gibt es im Waldboden reichlich.
Die einen sind auf lebendes Material, aber meist totes angewiesen. Wie zum Beispiel Totholz oder Blätter. Würden sie diese nicht verdauen und beseitigen, würden unsere Wälder schnell von meterhohen Laubschichten bedeckt sein.
Die anderen breiten unter dem Waldboden ihre Myzelien aus, die den Erdboden wie feine und feinste Adern durchziehen. Ein riesiges Netzwerk, wie beim Dunklen Hallimasch schon angesprochen, das mit den Wurzeln der Bäume in Verbindung steht. Sie bilden eine Symbiose mit ihnen. Der Baum stellt durch Photosynthese Kohlehydrate her, von denen er den Pilzen einen größeren Teil abgibt. Und deren großes Myzel dehnt sich unter dem gesamten Waldboden aus und vergrößert damit das Wurzelsystem der Bäume, indem es dieses mit Wasser und Traubenzucker versorgt. Beide könnten ohne einander nicht leben.
Wenn man sich dieses alles vor Augen führt, dann sieht man den Wald bei einem Spaziergang oder einer Wanderung darin vielleicht mit etwas anderen Augen. Und man freut sich darüber, wenn man Pilze entdeckt und darum weiß, wie wichtig und unverzichtbar sie für ein gesundes Waldleben und für die Natur insgesamt sind. Und der eine oder andere ist zu dieser herbstlichen Jahreszeit nicht nur zum Entspannen und Bewundern der bunt werdenden Blätter unterwegs, sondern auch zum Pilze pflücken. Jeder weiß natürlich, dass man dabei vorsichtig sein muss und dass man den Apps nicht immer vertrauen kann. Ein einziges Foto dazu reicht oft nicht aus, um sicherzugehen.
Pilze sind, irgendwo angesiedelt zwischen Tieren und Pflanzen, faszinierende Lebewesen. Sie sind nützlich. Ohne sie würde unsere Welt nicht funktionieren. Und außerdem schmecken die richtigen bei einem Pilzgericht äußerst gut. Was wäre die Welt ohne sie.
Bürgerreporter:in:Kurt Wolter aus Hannover-Bemerode-Kirchrode-Wülferode |
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