Unendlichkeit / Universum
Tickt die Uhr schon ewig, und wird sie bis in alle Zeiten ticken?
- Die Zeit läuft. Und wir sind dazu gezwungen, mitzulaufen.
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„Eins, zwei, drei im Sauseschritt, saust die Zeit, wir sausen mit.“ Diese Worte hat einst Wilhelm Busch geschrieben. Aber richtig groß wird er dabei nicht gedacht haben. An dieser Stelle wollen wir es zumindest mal versuchen, auch wenn ein Gelingen unmöglich ist.
Nach Albert Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie setzte das Ticken einer gedachten Uhr vor 13,8 Milliarden Jahren mit dem Urknall ein. Mit diesem weltbewegenden Ereignis, das aus einer Singularität, einem unendlich kleinen Punkt, entstanden sein soll, begann die Zeit zu laufen und damit auch die Entstehung eines Raumes, unseres Universums. Ohne einen Raum kann es keine Zeit geben, und einen Raum nicht ohne eine Zeit. So ist beides untrennbar miteinander verwoben. Und deswegen wird es Raumzeit genannt. Alles klar?
Aber schon an dieser Stelle des Themas versagt unser Gehirn vollkommen. Kann sich irgendjemand vorstellen, dass es keinen Raum gibt, und auch keine Zeit? Dann bitte melden. Ein Einstein kann es vielleicht. Aber der hatte auch den entsprechenden IQ. Wie hoch der war, ist nicht bekannt. Geschätzt wird er von der Öffentlichkeit auf 160. Als Vergleich: Wer die 130 überschreitet, gilt als hochbegabt.
Doch war es nun wirklich so? Oder ist das Universum vielleicht nicht aus einem unendlich kleinen Punkt entstanden, sondern aus einem kleinen, der vielleicht aus einem anderen Universum hervorgegangen sein könnte? Und wenn ja, wie könnte dieses ausgesehen haben, und welche Naturgesetze haben darin für Ordnung und Unordnung gesorgt? Oder war doch alles ganz anders und es war ein Vorgang, von dem wir nicht den blassesten Schimmer haben, der weit außerhalb unserer Vorstellungskraft liegt? Fragezeichen über Fragezeichen. Und wir werden es nie erfahren können, da wir bei der Beobachtung des Urknalls auf die Strahlung angewiesen sind, die von ihm ausgegangen ist, die uns jetzt erreicht und die nur eine Richtung kennt: nämlich die in die Zukunft. Das ist also ein Dilemma, das weder Astronomen, noch Mathematiker, noch Physiker, noch Philosophen lösen können.
Doch damit nicht genug. Es gibt noch ein zweites Problem. Wie weit und wie lange wird sich der Weltraum ausdehnen, und wie lange wird die Uhr ticken? Ist vielleicht irgendwann Schluss mit Lustig, weil alles wieder in sich zusammenstürzen wird, in die uns nun bekannte Singularität, den Big Crunch? Das ist nach heutigem Wissensstand aber eher nicht der Fall, auch wenn nichts unmöglich ist. Denn die sichtbare und unsichtbare Masse, die der Galaxien und der dunklen Materie, reichen wohl nicht zu einem solchen Umkehrprozess aus. Das liegt an der dunklen Energie, die alles auseinandertreibt. Und das umso schneller, je weiter es von uns entfernt ist. Mit ungeheuren Geschwindigkeiten, die weit schneller als das Licht sind - den bekannten 300.000 Kilometern pro Sekunde. Man kann sich das wie einen Hefeteig mit Rosinen drin vorstellen. Je mehr er aufgeht, desto weiter und schneller entfernen sich die Rosinen voneinander. Oder wie bei einem Luftballon, auf den man in kleinem Zustand Punkte malt, die sich beim Aufblasen dann immer weiter voneinander entfernen.
So kommt es, dass sich die Galaxien, die aus unserer Sicht ihren Platz am Rande des Universums haben, so nach und nach aus unserem beobachtbaren Blickfeld verabschieden, da uns deren Licht nicht mehr erreichen kann. Das wiederum bedeutet nun, dass das Universum in Wirklichkeit viel größer ist als das für uns Beobachtbare. Zurzeit beträgt dieses schon über 90 Milliarden Lichtjahre im Durchmesser. Es ist also unvorstellbar groß. Besonders dann, wenn man bedenkt, wie viele Sekunden diese 90 Milliarden Jahre haben. Und jede einzelne davon muss mit den 300.000 multipliziert werden, um auf eine Kilometerzahl zu kommen. Wow! Das ist gigantisch.
Nun kommen wir zum dritten und letzten Problem. Wenn es doch irgendetwas vor dem Urknall gab, war es dann unendlich? Und wie lange wird sich das Universum ausdehnen? Vielleicht bis in alle Ewigkeit? Und was heißt eigentlich Unendlichkeit? Ganz einfach ausgedrückt: Im Gegensatz zur Wurst hat sie weder einen Anfang noch ein Ende. Aber wir wollen zumindest mal einen Versuch starten, uns das anders vorzustellen. Dazu nur ein einziges Beispiel, was in einer Unendlichkeit im Gedankenspiel möglich sein könnte.
Einen Sechser mit Zusatzzahl im Lotto zu haben, kommt selten vor. Die Chance beträgt rund 1 : 140 Millionen. Bei der nächsten Ziehung wiederum einen zu haben, wäre wohl, so würde man denken, so gut wie unmöglich. Aber theoretische könnte es zumindest sein. In einer Unendlichkeit hingegen wären eine Billion Sechser hintereinander möglich. Und nicht nur das. Diese eine Billion wäre unendlich oft möglich. Puh! Das ist starker Tobak. Könnt ihr euch das vorstellen? Vermutlich nur schwer. Das soll nun jedenfalls reichen. Aber es macht vielleicht ein wenig deutlich, was Unendlichkeit bedeuten kann.
Damit sind wir am Ende dieser Betrachtungen der Welt, über die die meisten Menschen vermutlich nicht nachdenken. Sie zeigen uns, wie wenig wir über das Große und Ganze wirklich wissen. Immerhin haben wir so viel Fantasie, um uns alles Mögliche ausmalen zu können. Und das ist, finde ich, äußerst spannend und hochinteressant. Eine Unendlichkeit oder auch nicht. Eine ewig tickende Uhr, ja oder nein. Wir werden es nicht und nie erfahren. Unsere Welt ist ein Wunderland. Und das wusste schon Alice.
Bürgerreporter:in:Kurt Wolter aus Hannover-Bemerode-Kirchrode-Wülferode |
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