Zur Jahreswende aus Herrgottsruh
Mit Konflikten leben ist normal – auch für Christen
- hochgeladen von P. Hans-Joachim Winkens SAC
Mit Konflikten leben ist normal – auch für Christen.
Wir wünschen uns an Weihnachten gerne eine friedvolle Weihnacht. Aber die Welt ist voller Krisen und Kriege. Wallfahrtsdirektor Pater Hans-Joachim Winkens blickt in seiner Kolumne zum Jahreswechsel auf die Konflikte in unserem Umfeld:
Als Christen und auch als katholische Pfarreien und Gemeinschaften erleben wir heute sehr oft, dass große Konflikte zwischen uns bestehen. Wir kennen das aus dem familiären und beruflichen Bereich, aber auch aus der Pfarrei und auf der Ebene des Bistums. Egal welches aktuelle Thema wir anschauen, sofort werden unterschiedliche Positionen formuliert und vorgetragen. Es gibt einen Konflikt, der nicht nur sachlich, sondern oft auch sehr emotional ausgetragen wird. Gerne wird ein Konflikt in die Öffentlichkeit gezogen und auch in den Medien heftig ausgetragen. Menschen beziehen eine Position und wollen sich durchsetzen.
Im Bistum erleben wir das zurzeit heftig bei der Frage der Priorisierung, Finanzierung oder sogar Schließung von Standorten. In den Pfarreiengemeinschaften erfahren wir das bei Diskussionen in den zuständigen Gremien über die pastoralen Schwerpunkte der Pfarrei, über die allgemeine Gottesdienstordnung, die Zeiten und die Gestaltung der Gottesdienste oder über die finanziellen Budgets der Gemeinden. Auch Fragen der Zuständigkeiten und der Veränderungen führen regelmäßig zu Konflikten.
Zunächst sind die vorhandenen Konflikte positiv. Es zeigt, die Gemeindemitglieder denken mit, engagieren sich und wollen sich einsetzen. Tröstlich mag sein, dass auch schon die frühe Kirche vielfältige Konfliktfelder hatte, die man in der Bibel an verschiedenen Stellen erspüren und wahrnehmen kann. Da gibt es z.B. den Rangstreit der Jünger mit der hitzigen Frage, wer von ihnen der Größte sei (vgl. Mk 9, 34) oder die herausfordernden Thesen, die Jesus in der Bergpredigt (bei Mt 5, 21-48) aufstellt: Gewaltverzicht, Vergebungsbereitschaft und sogar die Feindesliebe. Andere Konfliktfelder spiegeln die Paulusbriefe an seine Gemeinden wider. Z. B. Fragen der Liturgie, das Standesdünkel der Gemeindemitglieder, soziale Unterschiede oder die Zulassung der Heiden in die christlichen Gemeinden. Also Konflikte sind normal, sie dürfen sein, aber wir werden sie lösen müssen. Wie können wir aber Konflikte lösen, ohne uns zu verletzen, ohne dass es auf der einen Seite nur Verlierer und auf der anderen Seite nur Gewinner gibt? Wie finden wir in sachlicher Auseinandersetzung zielführende Lösungen? Dies scheint mir die besondere Herausforderung in unseren Tagen. Da sind wir auch als Christen besonders gefordert. Können wir auch in den politischen Konfliktfeldern unserer Zeit eine Hilfestellung geben oder sogar Vorbild sein? Ich meine als Christen müssen wir diesen Anspruch haben.
Wir können in Ruhe die unterschiedlichen Meinungen anhören. Damit erweisen wir unserem jeweiligen Gegenüber Respekt und Achtung. Wir begegnen uns als Brüder und Schwestern, nicht als Gegner oder Feinde, die unversöhnlich gegenüberstehen. Auch der Kompromiss ist da hilfreich. Eine Lösung, die am Ende miteinander getragen wird, verbindet die Menschen und ermöglicht gute Wege in die Zukunft. Da wir alle heute in unseren verschiedenen Berufen eine vielfältige Kompetenz mitbringen, wird es klug sein, diese Kompetenz auch in die Pfarreiengemeinschaften einbringen zu können. Entscheidungsfindung ist auch ein geistlicher Prozess. Wir dürfen um gute Entscheidungen beten und um den Beistand des Heiligen Geistes bitten.
Es zeigt sich, Konflikte sind nicht nur normal, sie bringen uns sogar weiter, sie führen uns ins Miteinander und in die gegenseitige Achtung. Konflikte gehören auch selbstverständlich in Veränderungsprozesse. Das wird sowohl im Bistum als auch in den Pfarreiengemeinschaften durch die Erneuerungsprozesse und die gewaltigen Strukturveränderungen deutlich. Konflikte bringen uns sogar weiter, sie können in der Lösung spannend sein und sogar Freude machen. Konfliktbewältigung hat auch mit Nächstenliebe zu tun. Und da gibt es den einen, der uns alle verbindet, Gottes menschgewordener Sohn Jesus Christus, der uns immer wieder seine Liebe und Barmherzigkeit zeigt. In seinem Sinne sollten wir Konflikte nicht scheuen, aber sie auch geschwisterlich lösen
meint Ihr Wallfahrtsdirektor P. Hans-Joachim Winkens SAC
Bürgerreporter:in:P. Hans-Joachim Winkens SAC aus Friedberg |
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