"Ich bleib' dann mal daheim" (Teil 103)
Friedberger Stadtteile kennenlernen: Rinnenthal

Ehemaliges Schloss in Rinnenthal: Das heute dort stehende Gebäude war zwischen 1811 und 1820 wohl als Pferdestall hinter dem Schloss erbaut worden und später nach dem Abriss des Schlösschens zu dem heute noch bestehenden Wohnhaus des Schlossbauern umgestaltet worden. | Foto: Dr. Hubert Raab
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  • Ehemaliges Schloss in Rinnenthal: Das heute dort stehende Gebäude war zwischen 1811 und 1820 wohl als Pferdestall hinter dem Schloss erbaut worden und später nach dem Abriss des Schlösschens zu dem heute noch bestehenden Wohnhaus des Schlossbauern umgestaltet worden.
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Die heutige Dorfgemeinschaft
Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Einwohner durch den Zuzug von Flüchtlingen von 280 auf fast 400 an. Der Ort entwickelte sich im Laufe der folgenden Jahre zu einem attraktiven und lebendigen Wohnort. Im Januar 2025 zählte Rinnenthal 854 Einwohner. Laut Ortsteilentwicklungskonzept der Stadt Friedberg sind 80 unterschiedliche Gewerbebetriebe angemeldet. Waren es bis vor 50 Jahren hauptsächlich kleinere Landwirtschaften, die den Ort prägten, so bestimmen heute Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe das gewerbliche Leben, wie z. B. Sedlmeyr Spezialtüren, der Steinmetz- und Steinbildhauerbetrieb Franz Seidl, die Schreinerei Andreas Steinhardt, Fliesen Treffler, Autohaus Steinhard, Sailers Biomilch, Hofladen Lärchenhof. Viele Vereine stärken die Dorfgemeinschaft. Ein vielfältiges Angebot und ehrenamtliche Betätigung bieten der BC Rinnenthal, die Freiwillige Feuerwehr, der Schützenverein, die Garten- und Blumenfreunde, der Veteranenverein, die kath. Landjugend, der Kirchenchor und der Ortsverband der CSU.

Sehens- und Wissenswertes
Filialkirche St. Laurentius

Von der ehemaligen romanischen Kirche St. Vitus stehen nur noch das Turmuntergeschoß und der Kern des Langhauses. In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts erfolgten ein Neubau des Chors und eine Erhöhung des Turms. Mit der Umgestaltung des Langhauses am Anfang des 18. Jahrhunderts bekam die Kirche auch einen neuen Pa¬tron, den hl. Laurentius. 1934 wurde die Kirche nach Westen verlängert. Die barocken Altäre von 1724 zeigen Gemälde von Benedikt Derth. Am Hochaltar ist das Martyrium des hl. Laurentius dargestellt, am rechten Seitenaltar der Heilige Wandel und am linken sieht man die 14 Nothelfer. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfolgte eine Umgestaltung im Rokoko¬stil, bei der der Friedberger Maler Sigismund Reis 1760 die Deckenfresken gestaltete. Sie stellen Szenen aus dem Leben, dem Martyrium und der Glorie des hl. Laurentius dar. Die figürliche Ausstattung stammt im Wesentlichen von Johann Kaspar Öberl aus der Zeit zwischen 1730 und 1740.

Schloss Rinnenthal
„Wichardus de Rinnentale et filius eius Peringerus et fratres eius Heinricus et Agel“ (Wichard von Rinnenthal, sein Sohn Beringar und seine Brüder Heinrich und Agel) waren vermutlich Ministerialen des wittelsbachischen Pfalzgrafen. Ihr Ansitz lag wahrscheinlich auf dem Schlossberg, wo später das Schloss Rinnenthal entstand. Beim Anwesen Nr. 39 (heute: Am Schlossberg 1) stieß man auf „geringe Reste einer mittelalterlichen Burganlage: stark verschliffener Wall und Graben.“ Die Mändl waren vermutlich um 1688 oder 1699 die Erbauer des Schlosses der vereinigten Hofmarken Rinnenthal-Harthausen auf dem Schlossberg in Rinnenthal. Michael Wening beschreibt 1701 das Schloss und die Hofmark folgendermaßen: „… Gleichwoll hat dermahliger Hofmarchs=Herr zu Harthausen das völlige Eygenthumb/ hat auch erst vor zwey Jahren das allhiesige Schloß gantz neu erbauet/ darinn er doch nit stätts wohnet. In Schwedischen Kriegs=Zeiten wurde dieser Orth sehr beschädiget vnd verwüstet/ mittler Zeit seynd der Underthanen Häuser vnnd Städl widerumb erhebt/ vnnd auffgericht worden.“ Aus dem Jahr 1820 gibt es eine Zeichnung des Schlösschens. Sie zeigt es als einen zweigeschossigen Bau mit übergiebeltem, einachsigen Mittelrisalit und Schopfwalmdach. Das heute dort stehende Gebäude war zwischen 1811 und 1820 wohl als Pferdestall hinter dem Schloss erbaut worden und später nach dem Abriss des Schlösschens zu dem heute noch bestehenden Wohnhaus des Schlossbauern umgestaltet worden.

Kriegerdenkmal
Der Veteranen- und Soldatenverein Rinnenthal-Rehrosbach ließ 1921/22 für „unsere gefallenen Helden aus der Pfarrei ein Denkmal“ errichten. Dargestellt ist der Patron der Soldaten St. Georg als Ritter mit Harnisch und Umhang auf dem Pferd. Sein unbehelmtes Haupt schaut nach unten und er stößt mit beiden Händen in den Drachen, um das Böse zu besiegen. Das Denkmal wurde vom Bildhauer Josef Müller (1886–1951) entworfen und von der Steinmetzfirma Clemens Mayr aus Friedberg ausgestaltet. Die alten Namenstafeln wurden bei den Renovierungen 1988 und 2009 neu angefertigt.

Kapellenbildstock Schutzmantelmadonna
Am 16. März 1944 fielen im Zuge eines Großangriffs feindlicher Flieger auf Augsburg einige Dutzend Phosphorbomben aufs freie Feld am Ortsrand von Rinnenthal, wobei Gott sei Dank keine Menschenopfer zu beklagen waren. Der Kapellenbildstock erinnert an das Ereignis. Der Friedberger Künstler Karl Müller-Liedeck hat in seiner ihm eigenen Bildsprache eine Muttergottes dargestellt, die mit ihrem Mantel Rehrosbach und Rinnenthal mit ihrer Bevölkerung unter ihren Schutz nimmt.

Wanderung in und um Rinnenthal
Wir beginnen unsere Wanderung bei der Kirche St. Laurentius. Von der Aretinstraße in Richtung Hügelshart biegen wir nach ca. 150 m in die Oberfeldstraße ab. Bei der Gabelung bleiben wir auf der Oberfeldstraße, verlassen den Ort und sehen nach ca. 900 m wenig rechter Hand den Aussiedlerhof. Dort suchen wir das Europakreuz und die von Josef und Helene Holzmüller und Wendelin Röhrle erbauten und 2008 geweihten Josefs-und Muttergottes-Kapellen auf. Der Weiterweg verläuft nun nach Osten, immer mit Blick auf Rinnenthal. Nach etwa 800 m kommen wir an einem Feldkreuz und einem Ruhebänkchen vorbei und biegen gleich darauf nach links in den Feldweg ab, der wieder ins Tal hinunter führt. Bei den ersten Häusern verlassen wir diesen Weg, biegen nach rechts und 175 m weiter nach links in den Rehrosbacher Weg ab. Dort steht nach wenigen Metern der Marienbildstock, der an die 1944 am Ortsrand von Rinnenthal gefallenen Phosphorbomben erinnert. Nun ist es nicht mehr weit zum Ausgangspunkt zurück, wobei wir den schmalen Fußweg nützen..
Wegstrecke: ca. 3,5 km
Kartengrundlage: Geodaten@Bayerische Vermessungsverwaltung
Text: Gabriele und Dr. Hubert Raab
Fotos und Grafik: Dr. Hubert Raab

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Joachim Meyer aus Friedberg

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