"Ich bleib' dann mal daheim" (Teil 103)
Friedberger Stadtteile kennenlernen: Rinnenthal

St. Laurentius in Rinnenthal | Foto: Dr. Hubert Raab
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  • St. Laurentius in Rinnenthal
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Rinnenthal, rund 6 Kilometer östlich von Friedberg, liegt im Tal des Eisenbachs (Bayerisches Vermessungsamt). Der Eisenbach entspringt in Ried, nimmt bei der Habermühl den aus dem Eurasburger Forst kommenden Eisbach auf und mündet nordöstlich der Griesbachmühle in die Paar. Der Siedlungsname Rinnenthal wird erklärt als „Siedlung in einem einer Rinne vergleichbaren Tal“ (Wolf-Armin Frhr. v. Reitzenstein).

Aus der Geschichte von Rinnenthal
Die erste urkundliche Nennung des Ortes findet sich um 1130 im Traditionskodex des Klosters St. Ulrich und Afra in Augsburg. Bei einer Besitzübertragung in Affing treten als Zeugen des Klosters mit Wichardus de Rinnentale, seinem Sohn Peringer und den Brüdern Heinricus und Agel Angehörige eines Dorfadels in Rinnenthal ins Blickfeld. Der Ort dürfte aber wesentlich älter sein. Vielleicht gehören zahlreiche Anwesen bereits zur welfischen Grundausstattung des Kloster Altomünster, das in der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts nach den Ungarnstürmen wiedergegründet worden ist. Denn nach den vorhandenen Klosterurbaren lässt sich in Rinnenthal kontinuierlicher Klosterbesitz bis zur Säkularisation 1803 nachweisen. Um 1260 zinsten 1 Hof, 5 Hufen und 3 Lehen nach Altomünster, im Jahre 1760 immerhin 22 von den 36 Anwesen im Ort. Auch das Kloster Ettal hatte mit dem Widdumgut Grundbesitz in Rinnenthal.
1420 gehörten die Dorfgerichte Rinnenthal und Harthausen zum Dorfgericht Dasing, dessen Besitzer Arnold Ebran von Wildenberg war. Auch unter den Frauenbergern war Rinnenthal noch bei Dasing, das inzwischen Hofmark geworden war, ebenso Ende des 15. Jahrhunderts unter Herzog Georg dem Reichen von Niederbayern-Landshut. Wenig später wurde Rinnenthal eine eigene Hofmark der Universität Ingolstadt. Um 1528 vertauschte sie der bayerische Kanzler Dr. Leonhard v. Eck zu Randeck gegen Kleinberghofen an Wolfgang v. Weichs zu Dasing. Nachdem Rinnenthal 1632 durch die Schweden verwüstet worden war, verkaufte Christoph Wolf v. Weichs „des schwedischen Landesruins halber“ die Dörfer Harthausen und Rinnenthal als künftige Hofmark Rinnenthal 1643 an den kurfürstlichen Hofkammerpräsidenten Baron Johann Mändl zu Deutenhofen. Der Ansitz lag auf dem Schlossberg zu Rinnenthal. 1820 veräußerte Freiherr Joseph Mändl den Besitz an Freiherrn v. Aretin zu Neuburg, der ihn 1823 an Johann Benedikt v. Paris zu Augsburg weiterverkaufte. 1835 wurde das Patrimonialgericht II. Klasse Rinnenthal an den bayerischen Staat veräußert, der Gutsbesitz zertrümmert und das Schlösschen abgerissen, nachdem ein Verkauf an die Gemeinde als Schulhaus wegen des hohen Kaufpreises von 17 000 Gulden gescheitert war.
Bei der Gebietsreform wurde Rinnenthal am 1. Januar 1972 nach Ottmaring eingegliedert und wurde im Zuge der Gemeindegebietsreform am 1. Mai 1978 ein Stadtteil von Friedberg.

Rinnenthal in Kriegszeiten
Rinnenthal erlitt im Laufe seiner Geschichte viele Kriegsschäden. Schon im Bayerischen Fürstenkrieg (1458–1463), in dem sich Herzog Ludwig IX. der Reiche von Bayern-Landshut durch überzogene Forderungen des Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach bedroht fühlte, war Rinnenthal schwer heimgesucht worden. Als nämlich zu Beginn des Jahres 1462 die schwäbischen Reichsstädte unter Führung von Ulm und Augsburg gegen den Wittelsbacher in den Krieg eintraten, verlagerte sich der Kriegsschauplatz auch in unsere Gegend. Der Lech trennte die beiden Kriegsparteien. „ an dem tag ze nacht inventionis crucis (Kreuzauffindung 3. Mai) ist man hie (von Augsburg) auszogen, 250 mann ze ross und bei 2000 ze fuoß, und hond verprant 16 dörfer umb Fridberg, Ottmaringen, Rynnetal, und prachten räub mit in (die Stadt Augsburg) herein.“ (Chronik des Hector Mülich) Der Krieg endete übrigens mit dem Sieg Herzog Ludwigs bei Giengen. Im Dreißigjährigen 1632 wurde Rinnenthal von den Schweden verwüstet. Davon erzählt auch die Sage „Vom untergegangenen Ulrichshof“, nachzulesen in myheimat „Ich bleib dann mal daheim “ (Teil 4). Im Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714) gab der Herzog von Marlborough am 30. Juli 1704 den Befehl „alles Land im Umkreis von Friedberg niederzubrennen und zu zerstören“. Daraufhin wurden in der Gegend 400 Siedlungen verwüstet. Im Spanischen Erbfolgekrieg (1789–1815) plünderten 1796 die Franzosen die umliegenden Dörfer von Friedberg. Im Zweiten Weltkrieg fielen beim Fliegerangriff auf Augsburg am 16. März 1944 Phosphorbomben auf Rinnenthal, Gott sei Dank wenige hundert Meter neben dem Ort. Nur die Stallungen beim Hofwirt wurden beschädigt.

Text: Gabriele und Dr. Hubert Raab
Fotos: Dr. Hubert Raab

St. Laurentius in Rinnenthal | Foto: Dr. Hubert Raab
Deckenfresko von Sigismund Reis | Foto: Dr. Hubert Raab
Innenraum von St. Laurentius | Foto: Dr. Hubert Raab
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Joachim Meyer aus Friedberg

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