„Sounds of Europe"
Ausgebuchtes Konzert in Friedberg macht Europa dreieinhalb Stunden lang hörbar
- Bild mit den Künstlern v.l.n.r: Daniel Pircher (Trio Fado), Maria Carvalho Trio Fado), Anita Obwegs, Philipp Schörhuber (verdeckt), Corinne, Anne, Katia, Lucile (alle Cartouche), Felipe Sauvageon, Michel Grosjean (Cartouche), Fehlen: Colm Egan, Alessandro Lazzarini, Wolfgang Krämer (für Alessandro am Flügel)
- Foto: Thorsten Frank
- hochgeladen von Joachim Meyer
Bis auf den letzten Platz besetzt, 320 Gäste und frenetischer Beifall nach jedem Auftritt: Das Konzert „Sounds of Europe" am 16. Oktober 2026 im Wittelsbacher Schloss Friedberg war ein voller Erfolg. Musikerinnen und Musiker aus Deutschland, Italien, Frankreich, Portugal, Spanien, Irland und Südtirol zeigten, wie vielstimmig Europa klingt und wie leicht Musik Grenzen überwindet. Veranstalter war die Europa-Union Aichach-Friedberg, die Schirmherrschaft hatte Landrat Dr. Marc Sturm übernommen, der den Abend auch persönlich besuchte.
Durch diese musikalische Reise zu den Perlen Europas führte Joachim Pehlke, der mit seinen Überleitungen jeden Stilwechsel vorbereitete. So konnten sich die Gäste immer wieder neu auf die Besonderheiten der jeweiligen Musik einstellen und die Vielfalt der Darbietungen ganz genießen.
Den Auftakt machte der Münchner Liedermacher Stefan Noelle, und er hatte das Publikum schnell auf seiner Seite. Mit feinem Humor besang er eine süße Praline, die Kinderherzen verzaubert, obwohl sie Alkohol enthält. Kurz darauf richtete er den Blick nach unten, unter den Münchner Olympiaberg und auf das, was dort verborgen liegt. Noelles Lieder entstehen oft dort, wo andere längst weitergegangen wären: in den Zwischentönen, in offenen Fragen, in Momenten, die ihre Kraft erst beim zweiten Hören entfalten.
Mit Alessandro Lazzarini wechselte der Abend in die Welt der italienischen Gesangstradition. Bei „'O sole mio" und anderen bekannten Melodien summte der Saal mit, manche Gäste sangen sogar mit. Im Italienischen reicht manchmal schon eine Melodie, um zu verstehen, worum es geht.
Vor der Pause entführte die Augsburger Formation Cartouche nach Frankreich. Mit Chansons wie „Amsterdam" zeigte sie, was dieses Genre ausmacht: musikalisch elegant, sprachlich verspielt, immer mit Charme und meist mit einem Augenzwinkern. Zugleich war das ein passender Gruß an Friedbergs französische Partnerstadt Bressuire.
Nach der Pause eröffnete die hinreißende Maria Carvalho den zweiten Teil. Gemeinsam mit Daniel Pircher an der Gitarre interpretierte sie den portugiesischen Fado ohne große Gesten. Bei den beiden klingt die Musik wie die Erinnerung an etwas, das vielleicht nie ganz greifbar war, aber tief im Inneren weiterlebt. Der Fado ist vielleicht eine der ehrlichsten Musikformen Europas: Emotion pur.
Einen größeren Kontrast hätte es kaum geben können, denn mit Felipe Sauvageon hielt der spanische Flamenco Einzug. Spanische Musik ist Bewegung: rhythmisch, körperlich, manchmal fordernd, aber immer voller Leben. Der Gitarrist, der im Umfeld der späteren Gipsy Kings aufgewachsen ist, riss die Menschen mit seinen Rhythmen förmlich von den Sitzen. Spätestens bei „Bamboléo" als Schlusslied war diese Verbindung unüberhörbar.
Danach fesselte der Ire Colm Egan die Zuhörer mit der Musik seiner Heimat. Sie gehört zu einer großen europäischen Erzähltradition, die von Aufbruch, Verlust und Hoffnung spricht, oft von allem zugleich. Mit seinen Liedern vom Leben auf der grünen Insel bereitete er den Boden für den krönenden Abschluss.
Der gehörte der Südtirolerin Anita Obwegs, die auf Ladinisch singt, einer der kleinsten Sprachen Europas. Gemeinsam mit ihrem Mann Philipp Schörghuber am Kontrabass legte sie ein Grand Finale auf die Bühne. Ihre fein gesungenen und zugleich rasant gespielten Weisen ließen den Gästen Schauer über den Rücken laufen, und mühelos versetzten die beiden den ganzen Saal in die bäuerliche Welt der Südtiroler Täler.
Der Applaus wollte kein Ende nehmen, als Joachim Pehlke alle Künstlerinnen und Künstler gemeinsam auf die Bühne holte, um sich vom Publikum zu verabschieden. Es war ein Abend mit einem klaren Ziel: Europa wieder erlebbar zu machen. Das ist eindrucksvoll gelungen. Viele Besucher traten noch am Abend mit dem Wunsch an die Veranstalter heran, das Format im nächsten Jahr unbedingt zu wiederholen.
myheimat-Team:Joachim Meyer aus Friedberg |
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