Vom Federkiel zum Emoji
Zwei Zeiten, ein Kurort

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Früher nahm man sich Zeit für Worte. Ein Aufenthalt im Sanatorium bedeutete nicht nur Erholung für den Körper, sondern auch sorgfältig formulierte Briefe an die Familie - mit Bedacht geschrieben, wohlüberlegt und in einem Ton, der heute fast feierlich wirkt.

Heute dagegen läuft vieles schneller, direkter und deutlich lockerer ab. Statt Feder und Papier genügt ein Smartphone, und was einst in langen Sätzen beschrieben wurde, passt nun zwischen Emojis und spontane Gedanken.

Die folgenden beiden Texte zeigen genau diesen Wandel - denselben Ort, denselben Anlass, aber zwei völlig unterschiedliche Arten, davon zu erzählen.

Viel Spaß beim Lesen

Im Sanatorium Bad Hermannsborn, einem Ortsteil von Bad Driburg im Teutoburger Wald

Sehr geehrte Familie

ich erlaube mir, Euch aus meinem hiesigen Aufenthalt einige Zeilen zu übersenden. Die Tage verlaufen in wohltuender Regelmäßigkeit und die verordnete Kur, bestehend aus Bädern, ruhigen Spaziergängen und längeren Zeiten der Erholung, beginnt ihre heilsame Wirkung zu entfalten. Die klare Waldluft  und die stille Abgeschiedenheit dieses Ortes tragen in besonderer Weise dazu bei, Körper und Geist zu stärken.
Auch wird hier dem Genuss des hiesigen Brunnenwassers große Bedeutung beigemessen, welches in wohlabgemessenen Mengen gereicht wird und dem Vernehmen nach eine belebende Wirkung auf das gesamte Befinden ausübt. Anfangs ungewohnt im Geschmack, gewinnt man ihm doch bald eine gewisse Wertschätzung ab. Zudem führt das Heilwasser sehr gut ab, das bringt meinen erkrankten Darm schonend auf Trab.
Die Mitkurgäste begegnen einander in angenehmer Zurückhaltung, von mir sowieso, ich muss ja ständig aufs Plumpsklo und obgleich jeder in seine eigene Genesung vertieft ist, entstehen bisweilen freundliche Gespräche auch während der Spaziergänge oder in den Ruhezeiten, die den Aufenthalt auf milde Weise bereichern. Das Fräulein, das ich hier bei der körperlichen Ertüchtigung kennengelernt habe, erfrischt meine Seele und mein Herz ist ohne Schmerz.
Auch die Verpflegung ist von erfreulicher Beschaffenheit und wird mit Sorgfalt gereicht, sie ist einfach, doch manchmal wohlschmeckend und dem Zwecke der Genesung dienlich.
Das Wetter zeigt sich bislang von seiner milden Seite und die sanfte Sonne, welche durch die Baumkronen fällt, verleiht den Tagen eine heitere Stimmung, die sich wohltuend auf Gemüt und Kräfte auswirkt.
Obgleich der Tagesablauf streng geordnet ist, empfinde ich darin eine angenehme Form der Ruhe, wie ich sie im gewöhnlichen Leben lange entbehrt habe. Die ärztliche Betreuung ist von großer Sorgfalt getragen und ich darf hoffen, dass sich mein Befinden weiterhin bessert.
Meine Lieben, meine Gedanken sind oft bei Euch daheim und ich hoffe von Herzen, dass es Euch allen wohl ergeht. Es wäre mir eine große Freude, bald wieder von Euch zu hören, da mir Eure Nachrichten die stillen Stunden sehr erhellen würden.

In aufrichtiger Verbundenheit

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Hey zusammen 👋

Bin gerade in Bad Hermannsborn im Teutoburger Wald und ich sag's euch … hätte nie gedacht, dass „Kur“ so abgehen kann 😄 Erst dachte ich - ruhig, relaxet spazieren, fertig.  😂
Die Massagen hier sind komplett next level. Du gehst rein wie ein normaler Mensch und kommst raus wie neu installiert. 😅 Die kneten dich so was von durch, dass du dich fragst, ob du überhaupt jemals vorher entspannt warst.
Und dieses Wasser-Massage-Ding (Hydrojet) … ich lag da drauf und war echt kurz weg vom Fenster. Warmes Wasser massiert dich von unten durch so eine Liege - klingt komisch, fühlt sich aber an wie Luxus pur. Ich hab ernsthaft überlegt, ob ich mich da einfach festhalte und nicht mehr gehe 😂
Der Tagesplan ist echt ganz schön voll, aber irgendwie genau das Richtige. Viel Ruhe, bisschen Bewegung, gutes Essen (wirklich kein Krankenhaus-Vibe!) und einfach mal runterkommen. Fühlt sich eher wie Wellnessurlaub an … nur mit „hey, du MUSST dich entspannen“ 😄Sport ist nicht so mein Ding, aber immer noch besser als sich von der Waage beleidigen zu lassen 😂
Ich denk oft an euch ❤️ Meldet euch mal, würde mich mega freuen

Bürgerreporter:in:

Hildegard Grygierek aus Essen

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