Persönliche Erfahrungen aus dem Berufsleben
Warum ich mein Buch „Endstation 24. März“ geschrieben habe
- hochgeladen von Winfried Paltian
Vor einigen Tagen wurde wieder eine Arbeitgeberbewertung von mir auf Kununu freigegeben. Das brachte mich dazu, noch einmal über die Ereignisse nachzudenken, die schließlich das Ende meiner Berufslaufbahn einläuteten.
Mehr als vier Jahrzehnte war ich im Einzelhandel tätig. In dieser Zeit habe ich viele Veränderungen erlebt. Die Arbeitswelt wurde immer schneller, die Anforderungen stiegen ständig, und der Druck nahm aus meiner Sicht von Jahr zu Jahr zu. Oft hatte ich den Eindruck, dass die Erfahrungen langjähriger Mitarbeiter immer weniger gefragt waren.
Ein Datum werde ich niemals vergessen: den 24. Dezember 2019.
An diesem Heiligabend wurden mir zwei Abmahnungen vorgelegt, die ich bis heute für unberechtigt halte. Gleichzeitig lag ein Schreiben auf dem Tisch, das ich unterschreiben sollte und das letztlich auf meine eigene Kündigung hinausgelaufen wäre.
Dieser Tag hat sich tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Während andere Menschen Weihnachten mit ihrer Familie verbinden, denke ich seitdem unweigerlich an die Ereignisse dieses Tages zurück.
Nach dem Jahreswechsel kehrte keine Ruhe ein. Während ich noch versuchte, das Geschehene zu verarbeiten, wurden die Nachrichten über ein neuartiges Virus aus China immer beunruhigender. Die Berichte nahmen zu, die Unsicherheit wuchs, und auch ich machte mir Sorgen darüber, was auf uns zukommen würde.
Rückblickend trafen damals mehrere Belastungen aufeinander. Die Ereignisse am Arbeitsplatz hatten mich bereits stark beschäftigt, und die beginnende Corona-Krise verstärkte die ohnehin vorhandene Anspannung zusätzlich.
Am 24. März 2020 hatte ich meinen letzten Arbeitstag.
Damals wusste ich noch nicht, dass dies zugleich das Ende meiner gesamten Berufslaufbahn sein würde. Mein Gesundheitszustand ließ eine Rückkehr ins Arbeitsleben nicht mehr zu. Es folgten eine längere Krankheitsphase und zwei Rehabilitationsmaßnahmen. Im August 2022 wurde mir schließlich eine Erwerbsminderungsrente bis zum Eintritt in die reguläre Altersrente bewilligt.
Seit den Ereignissen vom Dezember 2019 habe ich jedes Jahr vor Weihnachten einen Brief an die Geschäftsführung geschrieben. Ich wollte meine Sicht der Dinge schildern und auf mein Schicksal aufmerksam machen. Eine Antwort habe ich nie erhalten.
Vielleicht war genau das einer der Gründe, warum ich irgendwann begann, meine Geschichte aufzuschreiben.
So entstand mein Buch „Endstation 24. März“.
Dieses Buch ist keine Abrechnung und kein Versuch, alte Konflikte neu auszutragen. Es ist vielmehr eine Dokumentation meiner Erinnerungen und meiner persönlichen Erfahrungen. Es beschreibt einen Abschnitt meines Lebens, der anders endete, als ich es mir jemals vorgestellt hatte.
Jeder Mensch erlebt seine Geschichte auf seine Weise. Dies ist meine Geschichte.
Heute betrachte ich vieles mit einem gewissen zeitlichen Abstand. Die Erinnerungen sind geblieben, und manche Fragen werden vermutlich unbeantwortet bleiben. Doch die Ereignisse gehören zu meinem Lebensweg, und deshalb war es mir wichtig, sie festzuhalten.
Vielleicht erkennen sich manche Leser in einzelnen Gedanken oder Erfahrungen wieder. Vielleicht regt dieser Beitrag auch dazu an, über die Veränderungen in unserer Arbeitswelt nachzudenken.
Für mich bleibt „Endstation 24. März“ vor allem eines: die Dokumentation eines Lebensabschnitts, den ich niemals vergessen werde.
Winfried Paltian
Bürgerreporter:in:Winfried Paltian aus Dortmund |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.