Geschichten in Stein und Silber
Warum die Koalas schwarze Nasen haben
- Ein Koala , der sich um eine Türkiskugel aus Nordostchina wickelt. Die Steinkugeln aus Australien waren da gerade in einer anderen Ausstellung
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Ein Fall für die große Regenbogenschlange:
Frei und völlig losgelöst von jedem einschränkenden Takt schnarrt, röchelt, und quäkt das Dideridoo, nähert sich den Lauten des Regenwaldes und verliert sich in kosmischem Dunkel. Es erzählt Geschichten aus der Traumzeit als es nur die rotbraunen Ahnen, die Tier-clans und die weiß bemalten sonst durchscheinenden Wondjinas gegeben hatte….und eben die große Mutter, die Regenbogenschlange.
Meist war sie tief versteckt in der roten Erde der Wüsten und nur an den wenigen abgeschliffenen Rundkuppen konnte man erkennen, wo sich ihr Körper gegen den Druck des darüberliegenden Gesteins nach oben wölbte, so wie in den dicht gestreuten Bungle-bungles des Westens. Oft konnte man auch ihre Kräfte in den verwundenen Schluchten und Meeresarmen der Kimberleys im Norden wieder erkennen. Und wenn im Osten der Wind durch die Baumwipfel der Carpentaria-Regenwälder strich, dann schien es , als schlängle sich ein riesiges Tier quer durch den atmenden Dschungel.
Das wahre Wesen der Regenbogenschlange konnte man aber nur beim Blick in den Süden erkennen. Das geschah, wenn im Herbst vom Meer her schwer mit Nässe beladene Wolkenungetüme weit hinein in die verzehrende Trockenheit des zentralen Landes geblasen wurden, während dort noch immer gleißend hell am Himmel die Sonne stand. Geisterhaft wie auch die alten Wondjinas stand dann farbflimmernd der Regenbogenleib der großen Urmutter als weitgespannter Bogen über der Wüste.
Nun war es aber zu einer Zeit, als die Tiere noch in der Sprache der Menschen redeten und jeder der Clans ein ihm zugewiesenes Gebiet im friedlichen Nebeneinander besiedelten. Alle konnten sich vom übereichlichen Angebot an wohlschmeckenden Pflanzen, Wurzeln und Früchten gut ernähren. Statt der trockenen Wüste gab es ja ausgedehnte Weiden für die Känguruhs und Wollabies. Fische und Krokodile lebten in den langen Flüssen, die Vögel und Fledermäuse in der Luft . Die Menschen und Koalas teilten sich den dichten Regenwald.
Wald- und Steppenbrände durch Blitzschlag gab es nur selten, denn die große Regenbogenschlange lebte noch zwischen ihren Kindern und jede Glut erstickte sie mit ihrem massigen Körper. So starb nur sehr selten jemand und Tiere wie Menschen wurden immer mehr, bis schließlich doch allmählich nicht mehr genug pflanzliche Nahrung für alle da war und vor Allem in den Lebensgemeinschaften unterschiedlicher Arten wie bei Krokodilen und Fischen, Menschen und Koalas Streit um s Essen untereinander entstand, den die Regenbogenschlange nicht mehr schlichten konnte.
So machten sich die Menschen nun auch gelegentlich heimlich daran, vom Feuer getötete Tiere auf zu essen und siehe da, das schmeckte ganz vorzüglich. Ohne Wissen der Regenbogenschlange fingen sie daraufhin immer wieder ihre Mitbewohner im Regenwald, die Koalas. So wie sie es gesehen hatten, machten sie ein Feuer versteckt in einer Grube, legten die Körper in die Asche und schichteten glühend heiße Steine darauf. Eine Weile noch blieb dieses verbrecherische Tun vor der großen Schöpferin verborgen.
Als es jedoch ans Licht kam, war die Strafe für die Menschen eine ganz Schreckliche: Die Schlange verbannte sie in die ganz wüsten Bereiche des Kontinents, wo es außer Sand nichts zu essen gab und in denen keine anderen guten Tiere leben wollten. Nur bissige Schlangen und Echsen gab es dort, die sich gegen die neuen mörderischen Mitbewohner schon zur Wehr setzen konnten. Sie nahm den Menschen auch die Fähigkeit, die Tiere zu verstehen und auch zwischen den Menschenclans untereinander verwirrte sie die Sprachen, so dass auch hier kaum mehr Verständigung dafür aber umso viel mehr Streit herrschte.
Den friedlichen Koalas aber gab sie den ganzen Regenwald. Weil aber alle an dieses Verbrechen auch in Zukunft nicht vergessen sollten, machte sie das Fell der Koalas so grau wie die Asche, in der man sie gebraten hatte und Augen und Nase so schwarz wie Kohlestückchen.
Wie immer habe ich dazu aus den mitgebrachten grauen und schwarz-weißen gestreiften Calcedonkügelchen und den so herrlich in allen Erdfarben der Wüste geschichteten Sandsteinknollen wieder Schmuck gebastelt, bei dem sich ein silberner Koala um den rollenden Stein wickelt. Vielleicht habt Ihr ja auch Lust, damit zu spielen.
Bürgerreporter:in:Haus der Kulturen michael stöhr aus Diedorf |
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