Mobilitätswende Autoverkehr Radverkehr ÖPNV
Der imaginäre Radverkehr
- hochgeladen von Tobias Glasder
Vieles deutet darauf hin, dass die aktuelle Verkehrs- und Stadtplanung die Bedürfnisse und Wünsche der Bürger nicht ausreichend berücksichtigt. Statistiken zum Mobilitätsverhalten der Bochumer zeigen deutlich, dass der Pkw nach wie vor das am häufigsten genutzte Verkehrsmittel ist.
Die Mobilitätsumfrage der Hochschule Bochum aus dem Jahr 2023 verdeutlicht, dass sich das Mobilitätsverhalten der Bochumer seit der letzten Erhebung (Mobilitätsstudie der Stadt Bochum, 2013) nicht verändert hat. Das Automobil bleibt die erste Wahl, dicht gefolgt vom öffentlichen Personennahverkehr.
Auffällig ist dabei, dass trotz eines gut ausgebauten Radwegenetzes, ein häufig vorgebrachtes Argument von Befürwortern des Radverkehrs, wonach mangelnde Radinfrastruktur und fehlende Verkehrssicherheit Grund für die geringe Nutzung seien, das Rad weiterhin nur eine untergeordnete Rolle im alltäglichen Verkehrsverhalten der Bürger spielt.
Laut der Mobilitätsumfrage der Hochschule Bochum (2023) nutzen 58 % der Hochschulangehörigen das Auto für den Weg zur Hochschule. Etwa ein Drittel greift auf die Bahn zurück, während lediglich rund 3 % der Studenten trotz gut ausgebauter Radwege mit dem Fahrrad fahren. Hier spiegeln sich die Ergebnisse der Mobilitätsstudie der Stadt Bochum aus dem Jahr 2013 auf die Studenten in 2023 wieder.
Auch die Untersuchung zum Radverkehr in Deutschland des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur („Radverkehr in Deutschland Zahlen, Daten, Fakten“) spricht eine deutliche Sprache. Gerade einmal 9,6 % der Menschen in Nordrhein-Westfalen nutzen im Jahresschnitt das Fahrrad, obwohl sich das Radnetz insgesamt erheblich verbessert hat.
Man sucht vergeblich nach aussagekräftigen Zahlen, die die Notwendigkeit des massiven Radwegebaus in Bochum bekräftigen.
Der Bedarf nach neuen Radwegen scheint vielmehr in den Köpfen der Befürworter zu existieren, die Realität sieht anders aus. Wer den Radverkehr in Bochum mit eigenen Augen beobachtet, kommt zu dem Schluss, dass Selbst die bereits geringen 9,6 % für NRW auf Bochum viel zu hoch angesetzt sind.
Fragt man Bürger aus Kreisen, die viel auf Bochums Straßen unterwegs sind (Polizisten, Feuerwehrleute und Personen aus dem ÖPVN) So werden die täglichen Radfahrer auf lediglich 20 bis 40 geschätzt.
Die Folgen dieses Irrwegs werden zunehmend spürbar: Parkplätze und Fahrspuren müssen dem Radverkehr weichen, der Gesamtverkehr wird dadurch erheblich verlangsamt. Der ÖPNV muss sich durch einen noch engeren Verkehrsraum drängen, die daraus resultierenden Verspätungen werden wiederum dem Pkw-Verkehr angelastet und dient als Rechtfertigung, das Auto aus den Städten weiter zu verbannen.
Die Realität ist ernüchternd. Die Bochumer steigen nicht für die Verkehrswende aufs Rad! Hier muss endlich Realpolitik gemacht werden, orientiert an den Wünschen und Bedürfnissen der Bochumer. Und dazu zählt nicht das Fahrrad.
Laut Erhebungen nutzen bereits heute 48 % der Bochumer täglich den ÖPNV. Damit noch mehr Bürger umsteigen, müssen die Klagen und Unzufriedenheiten ernst genommen werden, obwohl die BOGESTRA diese alle paar Jahre erfragt, auswertet und dokumentiert, bleibt eine tatsächliche Verbesserung bislang aus. Die Kunden beklagen vor allem Unpünktlichkeit, mangelnde Sauberkeit, fehlende Sicherheit und unzureichende Verbindungen. Um diese Mängel zu beseitigen, muss ernsthaft investiert werden, es braucht spürbare Verbesserungen statt Lippenbekenntnisse.
Klimakrise hin oder her, das Automobil ist nicht wegzudenken. Um die Infrastruktur dennoch zu entlasten, sollte man an den richtigen Stellschrauben drehen. Eine Erhöhung der Parkgebühren und möglicherweise sogar eine Innenstadtmaut sollten dabei ernsthaft in Betracht gezogen werden.
Bürgerreporter:in:Tobias Glasder aus Bochum |
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