20. Juli Stauffenberg-Gedenken
Der AfD-Kranz, der sich selbst entlarvte
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Am 20. Juli legte, neben anderen Parteien, auch die AfD im Berliner Bendlerblock einen Kranz nieder. Das ist zunächst einmal ein hübscher Gedanke. Blumen sind schließlich geduldig. Sie können sich ihren Absender nicht aussuchen und verwelken meist, bevor sie dessen Parteiprogramm gelesen haben.
Der Kranz lag dort, wo an jene Männer und Frauen erinnert wird, die sich dem nationalsozialistischen Staat widersetzten – manche spät, manche zögernd, aber schließlich unter Einsatz ihres Lebens. Claus Schenk Graf von Stauffenberg wurde im Hof des Bendlerblocks erschossen. Dietrich Bonhoeffer wurde im Konzentrationslager Flossenbürg ermordet. Sie hinterließen keine Wahlplakate, sondern Abschiedsbriefe.
Dann kam Tobias Korenke, ein Großneffe Bonhoeffers. Er sah den AfD-Kranz und wollte ihn entfernen. Sicherheitsleute griffen ein, es kam zu einem Handgemenge, das Gebinde wurde beschädigt und Korenke des Geländes verwiesen. Die Blumen hatten ihren ersten politischen Nahkampf hinter sich.
Nun kann man sagen: Ein Kranz ist ein Kranz. Auch eine im Bundestag vertretene Partei darf ihn niederlegen. Karl Schenk Graf von Stauffenberg, ein Enkel des Attentäters, räumte ein, dass man der AfD diese Teilnahme rechtlich wohl nicht verwehren könne.
Das ist die Stärke der Demokratie: Aber das Recht, einen Kranz niederzulegen, ist noch lange kein Anspruch darauf, dass die Nachfahren der Ermordeten dazu ehrfürchtig die Köpfe senken. Man darf Blumen bringen. Man darf allerdings nicht verlangen, dass niemand den Geruch bemerkt.
Die Stiftung 20. Juli 1944 äußerte Verständnis für die Empörung der Angehörigen. Vieles von dem, wofür die AfD stehe, widerspreche den Überzeugungen der damaligen Widerstandskämpfer.
Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Eklat. Nicht darin, dass Korenke nach dem Kranz griff. Sondern darin, dass eine Partei nach dem Widerstand greift, als sei er ein herrenloses Requisit aus der deutschen Geschichte.
Stauffenberg wird dann rasch zum nachträglich eingemeindeten AfD-Ortsvorsitzenden, Bonhoeffer zum wertkonservativen Stichwortgeber und der 20. Juli zu einer patriotischen Kostümprobe. Man stellt sich neben die Toten und hofft, ein wenig von ihrem Mut werde auf das eigene Gruppenfoto abfärben.
Die AfD nannte Korenkes Eingreifen eine „unwürdige Störung des Gedenkens“ und bot ihm anschließend ein Gespräch über ihr Parteiprogramm an. Das ist großzügig. Als hätte der Großneffe Bonhoeffers lediglich das Kleingedruckte übersehen. Vielleicht hätte man ihm bei einer Tasse Kaffee erklärt, dass alles ganz anders gemeint sei und die historische Verantwortung Deutschlands selbstverständlich geachtet werde – sofern sie nicht gerade als „Schuldkult“ im Wege steht.
Korenke hätte den Kranz nicht beschädigen müssen. Er hätte ihn einfach liegen lassen können. Denn deutlicher als durch seine Anwesenheit konnte er sich kaum selbst entlarven.
Blumen verwelken. Fotografien bleiben.
Auf ihnen wird man einen Mann sehen, der aus der Veranstaltung geführt wird, weil er das Andenken seiner ermordeten Angehörigen vor politischer Vereinnahmung schützen wollte. Und man wird einen beschädigten Kranz sehen, dessen Schleife vermutlich noch vollkommen unversehrt behauptete, hier werde würdig gedacht.
Vielleicht war das kein Eklat bei einer Gedenkfeier.
Vielleicht war es für einen kurzen Augenblick eine wirkliche Gedenkfeier:
Ein Nachfahre des Widerstands widersetzte sich.
Sicherheitskräfte stellten die Ordnung wieder her.
Bürgerreporter:in:Didi van Frits aus Hattingen |
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