Ich bin Josefine Weber, 52 Lenze. Aus Salzburg stamme ich, und dort ist, ich sag's euch, alles wie aus dem Prospekt: glattpoliert, hübsch und so süß, dass einem fast schlecht wird. Ich bin abgehauen, sobald mir klar war: Unter dieser alpinen Glasglocke mag ich nicht versauern.
Weitergerollt bin ich nach Deutschland: erst Dortmund, dann hat's mich nach Augsburg verschlagen, in Köln war ich auch kurz, und dann wieder zurück nach Augsburg – Köln ist einfach nicht meins, so gar nicht. Ins Casino bin ich nicht aus Traumverwirklichung, sondern damit ich mir diese blöden Bewerbungsgespräche sparen kann, bei denen sie ständig fragen, wo man sich in fünf Jahren sieht. Ich hab mich gesehen mit Kaffee und einem Haufen Chips vor mir. Und, was soll ich sagen: Es ist aufgegangen.
Die erste Schicht war in der Spielbank Hohensyburg. Ich als Croupiere, Abenddienst, Uniform schon halb zerknittert, einer gewinnt drei Riesen, ein anderer steht kurz vorm Kreislaufkollaps. Und ich stehe da wie aus Stein. Nach einer Woche hab ich nicht mal mehr gezuckt, wenn einer seine ganze Hypothek auf Zero geknallt hat. Dieser Laden bringt dir Gelassenheit besser bei als jedes Kloster.
Zwanzig Jahre an den Tischen. Roulette, Blackjack, Automaten. An manchen Nächten siehst du mehr Drama, als in einer Krankenhausserie in sieben Staffeln vorkommt.
Jetzt arbeite ich bei Star Gambling. Ich schreibe über Crash-Games, Slots, Roulette. Ohne Schleimspur, ohne "atemberaubende Abenteuer". Wer mich liest, sitzt entweder gedanklich selbst am Tisch. Oder fühlt sich, als hätte er gerade das ganze Abendessen verzockt.
Dortmund lässt mich immer noch nicht los. Augsburg ist mittlerweile wie meine zweite Küche, da fahre ich zur Arbeit hin. So lebe ich zwischen diesen zwei Städten, zwischen Zügen, zwischen Google Docs und Entwürfen, die kreuz und quer hingeklatscht sind.
Wenn ich über Slots schreibe, sehe ich immer noch die Leute vor mir, die auf die Automaten eingedroschen haben, als würde das was ändern. Und wenn ich über Roulette schreibe, höre ich den Klang der Kugel im Kopf, als würdest du gerade jemandes Schicksal anstoßen.
Ein Pseudonym habe ich nicht. Ich habe nichts zu verstecken. Und ich werde auch nicht behaupten, iGaming sei nur Spaß und Unterhaltung. Das ist ein System, Geld, Risiko. Ich war mittendrin. Lest keine Texte von Leuten, die nie in ihrem Leben Chips in der Hand hatten.
Manchmal denke ich: Vielleicht hätte ich in die Gastro gehen sollen? Aber dann mache ich irgendeinen Slot auf, der 98 % Auszahlung hat, und weiß: Ich bin daheim.