Der gläserne Nachwuchs
Warum Sharenting die Zukunft unserer Kinder bedroht
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Ein harmloses Foto vom Strand, das breite Lächeln beim Töpfchentraining oder der stolze Post zum Schulanfang. Eltern teilen die Meilensteine ihres Nachwuchses gern im Netz. Oft herrscht dabei der naive Glaube vor, dass auf Bildern, auf denen das Kind angezogen ist, nichts passieren kann. Doch das Phänomen des sogenannten Sharenting, das systematische Teilen von Kinderfotos durch die eigenen Eltern, birgt existenzielle Gefahren, die weit über den Schutz der Privatsphäre hinausgehen und sowohl die Sicherheit als auch die Psyche und die finanzielle Zukunft der Kinder bedrohen.
Die unsichtbaren Augen im Netz
Kriminalbehörden weltweit warnen seit Jahren eindringlich vor der unbedachten digitalen Sichtbarkeit. Das Bundeskriminalamt sowie die Internet Watch Foundation betonen, dass ein riesiger Prozentsatz des Materials auf pädokriminellen Darknet-Plattformen aus völlig harmlosen, alltäglichen Social-Media-Posts von Eltern stammt. Pädokriminelle Netzwerke nutzen vollautomatische KI-Crawler, die Instagram, Facebook und TikTok nach scheinbar unschuldigen Hashtags wie Badetag, Lebenmitkindern oder Toddlerlife durchforsten, um die Bilder für ihre Foren herunterzuladen. Durch KI-Technologien reichen heute bereits wenige normale Urlaubsfotos und eine kurze Sprachsequenz aus, um täuschend echte Deepfakes in Form von missbräuchlichen Nacktbild-Manipulationen oder Stimm-Klonings für Enkeltricks zu erstellen.
Zwischen Vertrauensbruch und digitaler Entführung
Laut Studienergebnissen der Universität Antwerpen empfindet die Mehrheit der Teenager es als massiven Vertrauensbruch, wenn Eltern ungefragt ihre Kindheitsfotos ins Netz gestellt haben. Was Eltern süß finden, ist Teenagern vor ihrer Peergroup oft unendlich peinlich und bietet eine Steilvorlage für Cyberbullying in der Schule. Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert hier ein Umdenken in den Familien und betont, dass Kinder keine Statisten für die Selbstdarstellung ihrer Eltern in den sozialen Medien sind. Jedes Kind hat ein Recht auf Privatsphäre und das Recht am eigenen Bild. Der Kinderschutzbund ergänzt, dass Eltern die Pflicht haben, den Schutzraum ihrer Kinder auch im digitalen Raum zu wahren.
Neben dem Mobbingrisiko droht den Kindern langfristig ein massiver Identitätsbetrug. Da beim Teilen von Fotos oft auch der volle Name, der Wohnort oder das Geburtsdatum im Netz landen, füttern Eltern unbewusst einen gefährlichen digitalen Fußabdruck. Kriminelle können diese gesammelten Daten Jahre später nutzen, um im Namen der herangewachsenen Kinder Konten zu eröffnen oder Kredite aufzunehmen. Wie real diese finanzielle Gefahr ist, zeigt eine Prognose der Großbank Barclays, nach der Sharenting bis zum Jahr 2030 für jährlich rund 7,4 Millionen Fälle von Online-Identitätsbetrug verantwortlich sein wird.
Die rechtliche Grauzone
Rechtlich gesehen gehört das Bildrecht den Kindern selbst, während Eltern lediglich als Beschützer und Verwalter agieren. Das deutsche Kunsturhebergesetz besagt eindeutig, dass Fotos nur mit Erlaubnis der gezeigten Person veröffentlicht werden dürfen. Weil kleinere Kinder die Folgen noch nicht absehen können, entscheiden zwar zunächst die Eltern, aber ab etwa 12 bis 14 Jahren redet der Nachwuchs offiziell mit. Wer Bilder gegen den ausdrücklichen Willen seines Teenagers postet, verletzt dessen Persönlichkeitsrecht. Ein solches Verhalten widerspricht zudem direkt der UN-Kinderrechtskonvention, die jedem Kind ein Grundrecht auf Schutz der Privatsphäre zusichert.
Bürgerreporter:in:myheimat Redaktionsteam aus Augsburg |
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