Ein Balanceakt im Displaylicht
Kinder im digitalen Dschungel

Symbolbild | Foto: Running opossum - adobe.stock.com

Während das leise Tippen und Wischen längst zum festen Hintergrundgeräusch unseres Alltags geworden ist, stehen Familien vor einer neuen Realität. Mittlerweile besitzt jedes fünfte Kleinkind ein eigenes Tablet, was eine Steigerung um 50 Prozent im Vergleich zu 2020 bedeutet. Bei den Vier- bis Fünfjährigen liegt der Anteil sogar schon bei 28 Prozent (miniKIM-Studie 2023). Digitale Medien gehören unbestreitbar zu unserem Leben. Und doch gibt es eine beruhigende Nachricht für alle Eltern. Die Lieblingsbeschäftigungen der Kinder sind nach wie vor völlig analog. Draußen spielen, malen, basteln, drinnen spielen und sich mit Freunden treffen belegen unangefochten die ersten vier Plätze. Erst danach folgt die erste digitale Aktivität.

Dennoch stehen Väter und Mütter vor einer echten Herausforderung. Sie sind die erste Elterngeneration, die Digital Natives erziehen muss, obwohl sie selbst keine waren. Elisabeth Koblitz stellt sich in ihrem Buch „Aber alle haben ein Smartphone!“ die wichtige Frage, wie es ein Kind verkraften soll, dass es mit nur wenigen Klicks auf dem Handy gleich mit der ganzen Welt konfrontiert wird. Früher flimmerten die Tücken der digitalen Scheinwelt noch als spannendes Fernseh-Entertainment wie in der MTV-Serie Catfish über die Bildschirme, was immerhin früh die Aufmerksamkeit für Fake-Profile erhöht hat. Heute ist die Konfrontation mit den realen Gefahren für Jugendliche längst bitterer Alltag geworden.

Die täglichen Streitthemen am Esstisch sind vielschichtig. Es geht um die Bildschirmzeit, wobei wir Erwachsenen uns da ruhig mal an die eigene Nase fassen sollten, um Dynamiken in WhatsApp-Gruppen und um gefährliche TikTok-Trends. Auch Cybermobbing, Cybergrooming oder das unbemerkte Abdriften in toxische Online-Communitys und radikalisierende Hass-Foren zeigen die Schattenseiten des Netzes.

Ein Leben komplett ohne Internet ist heute jedoch kaum noch möglich und auch in der Schule nicht mehr vorgesehen. Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus hat die Medienkompetenz fest als überfachliche Kompetenz in den LehrplanPLUS integriert. Kinder müssen lernen, Informationen gezielt zu beschaffen, aber auch Fake News zu erkennen. Sie müssen lernen, kritisch zu denken und zu verstehen, wie man beispielsweise Künstliche Intelligenz sinnvoll als Hilfe nutzt, anstatt ihr blind zu vertrauen.

Ein striktes Verbot bringt deshalb nichts. Es verhindert den Zugang meistens nicht, sorgt aber im schlimmsten Fall dafür, dass das Kind aus Angst vor Konsequenzen schweigt, wenn online wirklich mal etwas Schlimmes passiert ist. Der beste Weg führt immer über das persönliche Gespräch und ein gemeinsames Informieren. Während in den ersten Lebensjahren technische Schutzmaßnahmen wie das Blockieren ungeeigneter Inhalte greifen, spielen auch zeitliche Grenzen eine große Rolle. So wird für Kinder bis zu vier Jahren eine tägliche Bildschirmzeit von maximal 20 Minuten empfohlen. Später muss über die Mechanismen der Plattformen aufgeklärt werden, etwa wie Algorithmen durch personalisierte Feeds das Suchtpotenzial erhöhen. Wer versteht, dass das Internet nichts vergisst und dass man genau prüfen muss, wer sich hinter einem anonymen Icon oder einer Nachrichtsanfrage versteckt, kann sich effektiv schützen. Richtig begleitet bleibt das Netz dann das, was es auch sein kann, nämlich eine tolle Möglichkeit zur Entfaltung der eigenen Kreativität.

Bürgerreporter:in:

myheimat Redaktionsteam aus Augsburg

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