Handwerk im Fokus neuer Bedrohungslagen
HWK Schwaben informiert über Krisenvorsorge und Resilienz
- Sönke Marahrens (Mitte), Oberst im Generalstabsdienst und Experte für hybride Bedrohungen, mit HWK-Präsident Hans-Peter Rauch (rechts) und HWK-Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner.
- Foto: Sascha Schneider, HWK Schwaben
- hochgeladen von Florian Handl
Cyberangriffe, Stromausfälle, Lieferengpässe oder gezielte Desinformation sind längst keine abstrakten Szenarien mehr. Vor zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern aus dem Handwerk hat die Handwerkskammer (HWK) für Schwaben gestern Abend bei einer Informationsveranstaltung die Auswirkungen der veränderten Sicherheitslage auf kleine und mittlere Unternehmen beleuchtet. Unter dem Titel „Die neue Bedrohungslage – was jetzt auch auf das Handwerk zukommt“ sprach Sönke Marahrens, Oberst im Generalstabsdienst und Experte für hybride Bedrohungen, über Risiken für Betriebe und notwendige Maßnahmen zur Stärkung ihrer Widerstandsfähigkeit.
Cyberangriffe, Desinformation und Angriffe auf kritische Infrastrukturen
Marahrens machte deutlich, dass sich moderne Konflikte nicht mehr ausschließlich auf militärische Auseinandersetzungen beschränken. Cyberangriffe, Desinformation und Angriffe auf kritische Infrastrukturen zielten darauf ab, Gesellschaft und Wirtschaft zu destabilisieren. Dabei seien auch Handwerksbetriebe betroffen. „Wer den Trick kennt, erkennt ihn“, zitierte Marahrens einen zentralen Ansatz im Umgang mit Desinformation. Ziel sei es, Menschen und Unternehmen widerstandsfähiger zu machen und Manipulationsversuche frühzeitig zu erkennen.
Anhand konkreter Beispiele zeigte der Experte auf, wie digitale Angriffe und hybride Bedrohungen die betriebliche Handlungsfähigkeit beeinträchtigen können. Besonders kleine und mittlere Unternehmen gerieten zunehmend ins Visier von Kriminellen. Marahrens verwies darauf, dass rund 80 Prozent der angezeigten Ransomware-Angriffe kleine und mittlere Unternehmen treffen. Gleichzeitig warnte er vor unsicheren Fernwartungszugängen, KI-gestützten Phishing-Angriffen und dem Verlust sensibler Betriebsdaten.
Trotz der Risiken betonte Marahrens auch die Bedeutung des Handwerks als Teil der Lösung. „Ihr Zugang macht Sie zum Ziel. Ihr Können macht Kunden krisenfester“, lautete eine seiner Kernbotschaften. Handwerksbetriebe seien unverzichtbar, wenn es darum gehe, Infrastruktur instand zu halten, Energieversorgung sicherzustellen oder Schäden nach Ausfällen rasch zu beheben. In seiner Zusammenfassung hob Marahrens hervor: „Die Abwehr hybrider Bedrohungen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ und „Ihr Handeln ist unverzichtbar für die Sicherheit Europas.“
Neben einer Einordnung der aktuellen Lage gab Marahrens den Betrieben konkrete Handlungsempfehlungen mit auf den Weg. Dazu zählen regelmäßige Datensicherungen, die Absicherung von Zugängen durch Zwei-Faktor-Authentifizierung, Notfallpläne für Stromausfälle sowie klare Vertretungs- und Kommunikationsregelungen für Krisensituationen.
Vorbereitung auf Krisensituationen
HWK-Präsident Hans-Peter Rauch betonte bei der Veranstaltung die wachsende Bedeutung des Themas für das Handwerk: „Angriffe auf die IT-Infrastruktur oder Stromausfälle können jeden einzelnen Betrieb treffen und machen auch vor dem Handwerk nicht Halt.“ Gleichzeitig warnte Rauch vor Alarmismus. „Wir sollten die Lage weder dramatisieren noch einfach zur Seite schieben. Aber man sollte wissen, wo die eigenen Schwachstellen liegen und wo man Unterstützung bekommt.“ Entscheidend sei die Vorbereitung auf mögliche Krisensituationen. „Die Frage ist: Wie gut sind wir vorbereitet, wenn etwas passiert?“
Rauch verwies zudem auf die besondere Rolle des Handwerks für die Versorgungssicherheit. „Unsere Betriebe halten die Region am Laufen. Sie sorgen dafür, dass Heizungen funktionieren, Strom fließt und Menschen vor Ort mit regionalen Produkten versorgt werden.“ Deshalb gehe es nicht nur darum, sich selbst zu schützen, sondern auch darum, in Krisen handlungsfähig zu bleiben und Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen.
Zum Abschluss der Veranstaltung unterstrich Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner, dass Resilienz und Sicherheitsvorsorge künftig zu den zentralen Zukunftsthemen für das Handwerk gehören werden. Hybride Bedrohungen richteten sich gegen Unternehmen ebenso wie gegen Energieversorger, Verwaltungen oder Krankenhäuser. „Cyber-Security ist daher ein Thema, das alle Bereiche umfasst: den Staat, die Politik, die Gesellschaft und nicht zuletzt die Wirtschaft und damit jedes einzelne Unternehmen“, sagte Wagner.
Zugleich verwies er auf neue wirtschaftliche Chancen im Umfeld von Infrastruktur, Sicherheit und Verteidigung. „Die Frage ist nicht, ob das Handwerk daran beteiligt wird, sondern die Frage ist: Wie kann das Handwerk bestmöglich beteiligt werden?“ Gerade bei Bau, Sanierung, Energieversorgung, Wartung und Digitalisierung könnten sich für Handwerksbetriebe neue Märkte eröffnen. Voraussetzung sei jedoch stets eine sorgfältige Abwägung von Chancen, Anforderungen und vorhandenen Kapazitäten.
Weitere Formate geplant
Die HWK Schwaben will ihre Mitgliedsbetriebe bei diesen Herausforderungen weiterhin unterstützen und verweist auf ihre kostenfreien Beratungsangebote zu betrieblicher Resilienz, Krisenvorsorge, IT-Sicherheit sowie unternehmerischer Entwicklung. Zudem will es im kommenden Jahr weitere Formate zu diesem Themenkomplex anbieten.
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