Ratgeber Bauen
Die Renaissance des Terrazzo
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Terrazzo erlebt seit einigen Jahren eine bemerkenswerte Renaissance. Was lange als „klassischer“ Boden in Treppenhäusern, öffentlichen Gebäuden oder Altbauten galt, wird heute wieder als hochwertige, gestalterisch flexible und zugleich robuste Oberfläche für Wohn- und Objektbau entdeckt. Gründe dafür sind nicht nur seine ikonische Optik, sondern auch technologische Fortschritte bei Bindemitteln, Verarbeitung und Sanierung – sowie sein Potenzial für langlebige, reparierbare und im Idealfall ressourcenschonende Konstruktionen.
Schon der Name verweist auf die Wirkung des Materials: Er stammt vom italienischen „terrazza“ („Terrasse“) – und genauso erscheint Terrazzo in der Fläche. Im Kern ist Terrazzo ein mineralischer, geschliffener Werkstoff. Gesteinskörnungen (z. B. Marmor, Kalkstein, Granit, Glas oder auch Recyclingzuschläge) werden in ein Bindemittel eingebettet und mit Wasser sowie – je nach gewünschter Farbigkeit – Pigmenten vermischt. Bindemittel sind klassisch Kalk oder Zement; die Masse wird ähnlich wie Estrich eingebracht, härtet aus und wird anschließend in mehreren Schritten geschliffen und bei Bedarf poliert bzw. verdichtet und geschützt. So entsteht eine glatte, dichte und ausgesprochen robuste Nutzoberfläche mit typischer „Körnung“.
Terrazzo ist nicht gleich Terrazzo
Terrazzo gibt es in unterschiedlichen Systemen. Ortsterrazzo wird auf der Baustelle eingebracht und geschliffen: Er wirkt besonders fugenarm und monolithisch, ist aber in Ausführung und Planung anspruchsvoll (Untergrund, Klima, Aushärtezeiten, Fugen/Rissmanagement). Terrazzo-Fliesen bzw. -Platten werden industriell gefertigt und wie Naturstein verlegt: Das ist meist planbarer und oft günstiger, hat aber ein stärkeres Fugenbild, wodurch Verlegemuster und Fugenoptik wichtiger werden. Zusätzlich unterscheidet man zementgebundene Terrazzi (klassisch, mineralisch, schutzbedürftiger gegen Flecken/Feuchte) und kunstharzgebundene Systeme (dünner, dichter, farbstabil und chemisch robust). Welche Variante passt, hängt vor allem von Nutzung, Untergrund, Budget und gewünschter Optik ab.
Wer die Anmutung von Terrazzo wünscht, aber Kosten oder Bauzeit im Blick behalten muss, kann die Optik auch budgetschonend über Terrazzo-Fliesen oder vorgefertigte Platten erzielen – nicht nur am Boden, sondern auch als Wandverkleidung. Zwar entsteht dabei ein anderes Fugenbild als bei fugenarmen Terrazzo-Flächen, gestalterisch lässt sich der Look dennoch sehr überzeugend umsetzen.
Bei Terrazzosystemen der neuen Generation wird wieder stärker auf Qualität und edle Optik gesetzt – zugleich sind viele Systeme verarbeitungsfreundlicher als traditioneller Ortsterrazzo. Neue Bindemittel (z. B. Epoxidharz) können schneller abbinden und eröffnen zusätzliche Anwendungsfelder. Je nach System lassen sich Terrazzoschichten heute teils direkt auf Dämmung oder Fußbodenheizung aufbauen; eine klassische Betonunterschicht ist dann nicht zwingend erforderlich.
Terrazzo als Architekturwerkzeug
Terrazzo ist längst mehr als „nur“ Bodenbelag – er wird heute gezielt als flächenbildendes Architekturmaterial eingesetzt. Das liegt vor allem an seiner enormen gestalterischen Bandbreite: Im Grunde ist fast alles möglich. Nahezu jeder Farbton lässt sich realisieren, kombiniert mit unterschiedlichsten Körnungen und Zuschlägen. Genau diese Freiheit macht Terrazzo für Innenarchitekt:innen wieder besonders attraktiv.
In der Raumgestaltung wirkt Terrazzo vor allem dann stark, wenn er nicht als einzelnes „Element“, sondern als durchgängige Fläche gedacht wird: etwa in Küche–Essen–Wohnen, um Grundrisse optisch zu strecken und Räume zu verbinden. Auch Treppen und Podeste werden zunehmend als skulpturale Bauteile aus Terrazzo ausgeführt. Im Bad reicht das Spektrum – abhängig vom gewählten System – bis zu monolithisch wirkenden Waschtischen oder Wand- und Bodenflächen, die wie aus einem Guss erscheinen.
Aktuell besonders gefragt sind feinere Mischungen mit „ruhigem“ Korn, die an Naturstein erinnern, sowie warme, erdige Farbtöne (Beige, Sand, warme Graus). Der klassische „Konfetti-Look“ bleibt zwar ein prägnanter Akzent, wird heute aber meist gezielter eingesetzt – als Eyecatcher statt als All-over-Muster. Dazu kommt ein Oberflächen-Trend: Neben den lange typischen matten Schliffen ist bei hochwertigen Ausführungen zunehmend auch Hochglanz gefragt, der Tiefe und Farbigkeit stärker betont.
Vielfältige Einsatzmöglichkeiten
Terrazzo bietet eine außergewöhnlich vielseitige Gestaltungsfläche: Seine lebendige Optik wirkt hochwertig, und in Kombination mit anderen Materialien lassen sich sehr präzise, architektonisch durchdachte Lösungen umsetzen.
Im Bad sorgt Terrazzo schnell für einen besonderen Eindruck, da er dort noch vergleichsweise selten eingesetzt wird. Je nach Farb- und Kornwahl wirkt er entweder ruhig und minimalistisch (z. B. mit sanften Grautönen) oder bewusst lebendig – etwa mit unterschiedlich großen, bunten Kieseln, was sich auch für Kinderbäder anbietet.
In der Küche ist Terrazzo vor allem als Arbeitsplatte ein starkes Statement, besonders zu einfarbigen Fronten. Solche Platten gelten als robust; bei passender Imprägnierung sind sie zudem gut gegen Wasser und Flecken geschützt. Gestalterisch und praktisch interessant ist die Option, Arbeitsplatte und Spülbecken fugenlos aus einem Stück zu fertigen.
Auch farblich lässt sich Terrazzo gezielt auf den Einrichtungsstil abstimmen: Grün pigmentierte Varianten wirken sehr präsent und harmonieren oft am besten mit neutralen Begleitfarben. Ein klassischer, heller Terrazzo bringt Struktur in den Raum, ohne unruhig zu werden. Warme Beige- und Sandtöne machen Räume wohnlicher und passen gut zu Naturmaterialien. Dunkle Grauvarianten wirken modern und markant, können aber mit Holzflächen optisch „aufgewärmt“ werden. Wer es besonders reduziert mag, setzt auf gleichmäßige, zurückhaltende Grautöne und nutzt Terrazzo nur punktuell, um die Textur nicht zu dominant werden zu lassen.
myheimat-Team:Sandra Kost aus Augsburg |
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