Mahnwache in Kissing
Tierschützer erinnern an die Kaninchen
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Die Kaninchen sind nicht vergessen. Das war die Botschaft der Mahnwache, die am 13. Mai 2026 vor dem Kissinger Rathaus stattgefunden hat. Knapp 100 Personen nahmen daran teil – sie kamen aus Kissing, aber auch aus Augsburg, vom Lechfeld und vereinzelt sogar aus dem Stuttgarter Raum. Mit Schildern, Kostümen und einer szenischen Darstellung machten sie auf das Schicksal der Kaninchen aufmerksam, die am Ortsrand von Kissing in Käfigbatterien gehalten und für Antikörper-Produkte der Pharmaindustrie „buchstäblich verbraucht werden“, wie eine Teilnehmerin es ausdrückte.
Konkret werden die Tiere durch regelmäßige Injektionen in die Ohren immunisiert, Wochen später wird ihnen ihr Blut entzogen, wodurch sie getötet werden. Das Blut wird an den Pharma-Konzern Siemens Healthineers verkauft. Das ZDF hatte im Herbst 2025 ein Video der SOKO Tierschutz aus dem Kissinger Betrieb veröffentlicht: „Zu sehen sind lange Käfigreihen, in denen Kaninchen – teilweise fehlgebildet, teilweise verletzt – auf engstem Raum auf Gittern und Rosten eingesperrt sind.“ SOKO Tierschutz berichtete damals auch von Misshandlungen.
Seither finden Mahnwachen vor dem Betriebsgelände und an anderen Orten in Kissing statt. Auch in Augsburg haben die Tierschützer schon auf die Kaninchen aufmerksam gemacht. Bei der jüngsten Mahnwache vor dem Kissinger Rathaus stellten sie das Ausbluten eines Tieres jetzt szenisch dar.
Für ihr Anliegen verweisen die Tierschützer auf den Verein „Ärzte gegen Tierversuche“. Der hat in einer Petition erklärt: „Es ist gesetzlich vorgeschrieben, dass Tierversuche nur gemacht werden dürfen, wenn sie unter anderem ,unerlässlich‘ sind und diese Unerlässlichkeit streng geprüft wurde.“ Das sei im Fall der Kaninchen nicht gegeben, denn es existierten heutzutage andere, tierfreie Verfahren. Tatsächlich hat Siemens Healthineers, der Abnehmer des Kissinger Kaninchenbluts, selbst ein Patent für tierversuchsfreie Antikörper eingereicht. Weshalb der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre zusammen mit „Ärzte gegen Tierversuche“ den Konzern vor einiger Zeit aufgefordert hat, „einen konkreten Zeitplan für den vollständigen Ausstieg aus Kaninchen-Antikörpern vorzulegen“.
Für die Kissinger Tierschützerinnen und Tierschützer steht jedenfalls fest: Sie wollen weitermachen, bis dieses Ziel erreicht ist. Die hohe Teilnehmerzahl bei der jüngsten Mahnwache zeige, dass nach wie vor ein öffentliches Interesse an diesem Thema bestehe, zeigte sich eine der Organisatorinnen zufrieden.
Bürgerreporter:in:Christiane Schlüter aus Augsburg |
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