Gaswerksfreunde Eidechse
20 Jahre Verein Gaswerksfreunde und eine gerettete „Eidechse“
- hochgeladen von Oliver Frühschütz
Als vor 20 Jahren der Verein Gaswerksfreunde Augsburg e.V. gegründet wurde, war das Gaswerk noch im Dornröschenschlaf und kaum ein Augsburger kannte das Gaswerk mit seinen denkmalgeschützten Gebäuden.
Auch war ein Besuch im Gaswerk kaum möglich und es gab nur sehr selten die Möglichkeit für Besucher, einmal einen kurzen Blick hinter die Mauern des Gaswerks oder gar in die Gebäude zu werfen.
Seit Mai 2009 bieten die Gaswerksfreunde Augsburg feste Termine für die Führungen durch das Gaswerk und auch immer mehr Sonderführungen für Gruppen an.
Kaum jemand wusste vor 20 Jahren auch, das hier früher bis zu 250 Mitarbeiter unter teilweise schwierigsten Bedingungen schwer gearbeitet haben um das ganze Stadtgas für Augsburg und später auch Ferngas für das Umland (sogar bis nach Kaufbeuren) aus Steinkohle herzustellen und gerade im 2. Weltkrieg ihr Leben dafür riskiert haben. Daher beschloss der heutige 1. Vorstand Oliver Frühschütz, der von 1993-2001 als Elektriker selber im Gaswerk gearbeitet hatte, im Jahre 2002 die inzwischen ehemaligen Mitarbeiter zum Gaswerk und dessen Funktion und dem ganzen „drumherum“ zu befragen und das ganze aufzuschreiben und dann auf einer Webseite zu veröffentlichen. Vor allem auch die Geschichten, die eben nirgends in einem Geschichtsbuch zu finden sind und so einen Einblick in den früheren Alltag der Gaswerks Arbeit gewähren. An dieser Stelle ganz herzlichen Dank an alle ehemaligen „Gaswerkler“ für die Mithilfe.
Als dann das Gaswerk „leergeräumt“ wurde, haben drei ehemalige Mitarbeiter angefangen, viele Dinge zu retten, bevor diese im Müll für immer verschwunden wären. Das Gästebuch von 1915 mit all den Original Unterschriften der Erbauer, Abzüge von etwa 300 Baufotos von 1913-1915 – alles bis dahin gehütet wie ein Goldschatz - aber auch Exponate wie der Elektrowagen „Eidechse“ Baujahr 1967, der Original Bauplan von 1913, alte Original Augsburg Gaslaternen und vieles mehr wurden „versteckt“. Auch das Stadtarchiv und das tim hatten ihren Beitrag geleistet und viele Unterlagen und Exponate gerettet. Unter anderem auch über 150 Jahre alte Bücher, welche die Gasgeschichte von Deutschland und teilweise Europa widerspiegeln. Zahlreiche Baupläne und auch die Einrichtung vom Direktorenbüro wurden so gerettet.
Die Heizung wurde im Gaswerk abgestellt, Wasser abgedreht und auch die Turmuhr und alle Nebenuhren im Werk wurden stillgelegt und teilweise abgebaut und entsorgt. Doch wie durch „Zauberhand“ waren die Uhren plötzlich wieder aus den Müllcontainern verschwunden, aufgehängt und auch wieder funktionsfähig.
Da hatte sicher unser „Sankt Gasius“ - der Schutzengel des Augsburger Gaswerks – seine Finger mal wieder im Spiel.
Vieles Gerettet – und nun?
Und nun? Sollen diese Dinge nun für immer in privaten Kellern verschwinden und irgendwann doch im Müll landen? So trafen sich am 15. Februar 2005 insgesamt 12 Personen um im Architekturmuseum den Verein Gaswerksfreunde Augsburg zu gründen.
Im September 2007 gab es die ersten Führungen für die Besucher durch das Gaswerk, in denen wir die ehemalige Funktion des Gaswerks und der Gebäude den Besuchern erklärt haben. Am 1. Oktober 2007 haben wir den Mietvertrag für das Gaswerksmuseum unterschrieben und seit dem haben wir in der alten Elektrozentrale bei den alten großen Dieselmotoren von 1918 und 1958 unser Museum eingerichtet.
Dank der Initiative von Prof. Karl Ganser wurde von den Stadtwerken auch das Dach des 84m hohen Scheiben-Gasbehälters als Aussichtsplattform umgebaut.
Die letzten 20 Jahre hat der Verein die Webseite ausgebaut, unzählige Besucher durchs Gaswerk und auf das Dach des Scheiben-Gasbehälters geführt, unzählige Bilder gescannt und digitalisiert und zahlreiche neue Exponate für das Museum beschafft, saniert und gebaut. Mitglieder besuchen in Europa viele andere noch erhalten Gasbehälter und Gaslaternen und knüpfen weltweit Kontakte zu anderen Interessierten zu diesem Thema und erweitern damit die Webseite. Auch Vereinsausflüge und Feiern stehen immer wieder auf dem Programm.
Ebenso entstand die App „Gaswerk Augsburg“ mit deren Hilfe man auch einige Gebäude virtuell besuchen kann und in Zusammenarbeit mit der swa entstand auch ein Audioguide um das Gaswerk rund um die Uhr erleben zu können.
Das inzwischen auch einige junge Leute im Verein sehr aktiv sind und sich für die Geschichte der Gasversorgung interessieren und auch Führungen machen, ist ein ganz großer Gewinn für den Verein.
Helfer und Unterstützer gesucht
Zum Geburtstag wünscht sich der Verein mehr Helfer und Unterstützer. Vor allem für die zahlreichen Führungen bräuchte es dringend noch Helfer, die Lust haben, spannende historische Themen anschaulich zu vermitteln und Besucher durch das europaweit einzigartige Industriedenkmal Gaswerk oder auf das Dach des Gasbehälters zu führen. Aber auch über jedes weitere neue Mitglied, das unsere Vereinsarbeit mit dem Mitgliedsbeitrag von 24 Euro im Jahr unterstützt, sind wir sehr dankbar. Aktuell hat der Verein etwa 50 Mitglieder.
Ebenso suchen wir Exponate zum Thema Gasversorgung, Gasbeleuchtung oder zum Gaswerk und freuen uns über alles, was uns angeboten wird.
Die öffentlichen Führungen sind von März bis Oktober jeden 3. Sonntag im Monat. Um 10.30 und 13 Uhr findet je eine geschichtliche Führung durch das Gaswerk statt (Dauer 2h) . Um 11, 12 13 und 14 Uhr werden bei gutem Wetter auch Aufstiege auf das Dach des Scheiben-Gasbehälters angeboten (Dauer 1h). Die geschichtliche Führung ist kostenlos, die Aufstiege kosten 10 Euro pro Person, Kinder zwischen 6 und 14 Jahren dürfen in Begleitung Erwachsener gratis aufsteigen. Eine Anmeldung ist unter www.swa.to/erleben möglich, Restplätze gibt es dann vor Ort. Sonderführungen können auch auf Anfrage gegen Gebühr stattfinden.
Kontakt zum Verein unter www.gaswerk-augsburg.de, unter mail@gaswerk-augsburg.de oder unter Telefon 0821/585041.
Bürgerreporter:in:Oliver Frühschütz aus Augsburg |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.