Meinung
Kollisionskurs mit der Verkehrssicherheit

Foto: Symbolbild by KI

Man reibt sich fassungslos die Augen, wenn man liest, was das Bundeskabinett da unter dem Deckmantel einer „Führerschein-Reform“ auf den Weg bringen will. Ja, der Führerschein ist teuer geworden, in vielen Regionen ist er für junge Menschen kaum noch bezahlbar. Aber die Antwort der Politik auf dieses Problem ist kein Geniestreich des Bürokratieabbaus, sondern ein brandgefährlicher Kniefall vor dem Populismus. Um den Bürgern kostengünstigen „Stimmenfang“ zu präsentieren, schrauben unsere Politiker die Anforderungen für das Führen von tonnenschweren Kraftfahrzeugen so weit herunter, dass man sich ernsthaft fragen muss: Steht die Sicherheit auf unseren Straßen überhaupt noch an erster Stelle?

Schauen wir uns die Pläne im Detail an. Der Präsenzunterricht in den Fahrschulen soll komplett abgeschafft werden. Künftig reicht es also, wenn man sich vor dem Smartphone durch eine App klickt. Jeder, der Kinder im schulpflichtigen Alter hat, weiß, wie „nachhaltig“ reines Online-Lernen funktioniert: Es wird stumpf auswendig gelernt, bis das Häkchen grün leuchtet. Das tiefere Verständnis für Gefahrensituationen, der direkte und pädagogisch wertvolle Austausch mit einem erfahrenen Fahrlehrer im Unterrichtsraum – all das wird wegrationalisiert. Und als wäre das nicht genug, wird auch gleich noch der Fragenkatalog um ein Drittel gekürzt und das Punktesystem aufgeweicht. Warum? Damit auch der Letzte, der sich nicht mehr anstrengen möchte, irgendwie durch die Theorie rutscht, um die unschönen Durchfallquoten künstlich zu schönen.

Noch abenteuerlicher wird es bei der Praxis. Die Prüfungszeit für Pkw-Fahrer soll auf magere 25 Minuten verkürzt werden. Wie bitteschön will ein Prüfer in weniger als einer halben Stunde feststellen, ob ein Fahranfänger den Stress einer Autobahnauffahrt, das komplexe Verhalten in der Innenstadt und schwierige Überlandfahrten sicher beherrscht? Dass Teile der praktischen Ausbildung im Vorfeld auch noch auf Laien – sprich die Eltern – verlagert werden können, setzt dem Ganzen die Krone auf. Autofahren lernt man durch professionelle Ausbildung, nicht durch das Abschauen von Alltagsmarotten der Verwandtschaft.

Diese systematische Niveau-Senkung ist leider kein Einzelfall, sondern fügt sich nahtlos in einen erschreckenden gesellschaftlichen Trend ein. Wir sehen es doch längst an unseren Schulen: Anstatt Kinder zu fordern und zu fördern, werden lieber die Anforderungen an Schulnoten nach unten korrigiert und Standards aufgeweicht, damit auch ohne Anstrengung der Übergang auf weiterführende Schulen klappt. Das Ergebnis sehen wir in den PISA-Studien.

Aber während ein sinkendes Bildungsniveau „nur“ der Wirtschaft schadet, spielen die Politiker beim Führerschein mit Menschenleben. Man stelle sich vor, man würde die Anforderungen an Piloten senken, weil die Ausbildung zu teuer ist und es an Nachwuchs fehlt. Würde sich noch jemand beruhigt in ein Flugzeug setzen, wenn die Piloten ihre Lizenz nach einem verkürzten Online-Kurs erhalten hätten? Was ist mit Busfahrern, Fahrern von Spezial- oder Gefahrguttransporten? Dort gelten aus gutem Grund strengste psychologische und praktische Hürden. Warum also meint die Politik, dass beim normalen Pkw-Verkehr, wo täglich Millionen Menschen aufeinandertreffen, plötzlich jeder „Doofmann“ ohne echte Anstrengung durchgewinkt werden muss?

Wenn diese Reform so durchgeht, werden schlecht ausgebildete, am Smartphone konditionierte Fahranfänger auf den öffentlichen Straßenverkehr losgelassen. Eine Entlastung der Bürger darf niemals über die Hintertür der Sicherheitsreduzierung stattfinden. Wenn die Politik einen guten Job machen will, muss sie Fahrschulen steuerlich entlasten oder finanzschwache Jugendliche direkt bezuschussen. Aber die Messlatte für die Sicherheit so weit in den Dreck zu legen, nur um billigen Applaus zu ernten, ist unverantwortlich.

Bürgerreporter:in:

Wolfgang Weiss aus Untermeitingen

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