Älterwerden auf dem Lechfeld
Wenn die Zukunft schon anklopft
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Ein Bürgerblick auf den demografischen Wandel, unsere lokalen Seniorenangebote und die Verantwortung unserer Kommunalpolitik von Untermeitingen bis Klosterlechfeld.
Wer in den letzten Jahren mit offenen Augen durch unsere Lechfeld-Gemeinden gegangen ist, spürt es: Unsere Region wächst und verändert sich rasant. Junge Familien ziehen zu, neue Baugebiete entstehen. Doch hinter der lebendigen Fassade vollzieht sich ein mindestens ebenso dramatischer Wandel, über den im Alltag viel zu selten gesprochen wird: Unsere Gesellschaft altert – und das mit einer Wucht, die uns alle herausfordert.
Ein Blick in aktuelle Landkreis-Daten, genauer gesagt in die jüngste Pflegebedarfsprognose und das seniorenpolitische Gesamtkonzept, offenbart Zahlen, die aufhorchen lassen müssen. Wer wissen will, wie wir hier auf dem Lechfeld in 10 oder 20 Jahren leben, der sollte jetzt genauer hinsehen.
Die demografische Welle rollt: Mehr als doppelt so viele ganz Alte
Dass die Menschen glücklicherweise immer älter werden, ist eine wunderbare Nachricht. Doch die Statistik zeigt für unsere Region (die im Landkreis zur Versorgungsregion 6 gezählt wird): Der demografische Wandel schlägt bei den ganz alten Mitmenschen voll ein. Während die Zahl der Menschen im Renteneinstiegsalter moderat wächst, explodiert die Gruppe der 85-Jahre-Alten und Älteren dramatisch. Bis zum Jahr 2042 wird hier ein Anstieg von über 100 Prozent prognostiziert. Das heißt im Klartext: Die Zahl der Seniorinnen und Senioren, die im Alltag auf intensive Hilfe, Unterstützung oder Pflege angewiesen sind, verdoppelt sich in den nächsten knapp zwei Jahrzehnten nahezu.
Dazu kommt ein weiteres Problem: Schätzungen gehen davon aus, dass die Zahl der Demenzerkrankten im Landkreis von rund 4.000 auf voraussichtlich 6.000 Betroffene ansteigen wird. Eine enorme Last, die aktuell zum größten Teil von pflegenden Angehörigen getragen wird – oft bis an die Grenze der physischen und psychischen Erschöpfung.
Schon jetzt am Limit: Die Situation auf dem Lechfeld
Wer glaubt, im Ernstfall gäbe es ja ausreichend stationäre Pflegeeinrichtungen vor Ort, der irrt. Die Fakten sprechen eine deutliche Sprache: Mit einer Belegungsquote von beachtlichen 98,7 Prozent in den vier Einrichtungen der gesamten Versorgungsregion sind die Heime im Grunde durchgehend voll besetzt. Es gibt schlichtweg keine nennenswerten Puffer mehr.
Das „Haus Lechfeld“ in Untermeitingen (getragener Teil der Johann-Müller-Altenheimstiftung) bietet zwar ein sehr schönes, familiäres Zuhause mit modernen Konzepten und einem tollen, barrierefreien Sinnesgarten. Doch angesichts des anhaltenden Fach- und Hilfskräftemangels ist klar: Der Ausbau neuer Heimplätze stößt an harte Grenzen. Das Prinzip „Ambulant vor Stationär“ ist für uns auf dem Lechfeld keine politische Floskel, sondern eine zwingende Realität. Schon jetzt stemmt der Landkreis den Löwenanteil der Pflege zu Hause (mit rund 84,6 Prozent an der Spitze in ganz Schwaben). Doch die Frage lautet: Wie lange geht das gut, wenn das familiäre Pflegepotenzial gleichzeitig sinkt?
Was das Lechfeld bereits zu bieten hat: Stark im Verbund
Zum Glück schlafen unsere Gemeinden nicht. Unter dem Zusammenschluss „Wir daheim auf dem Lechfeld“ arbeiten Graben, Klosterlechfeld, Obermeitingen und Untermeitingen eng zusammen, um das soziale Miteinander zu stärken:
• Nachbarschaftshilfen: Ob in Obermeitingen oder Untermeitingen – engagierte Bürgerinnen und Bürger organisieren Hand in Hand Fahr- und Begleitdienste, Einkaufsdienste, Unterstützung bei Behördengängen oder kleine Hilfen im Haus.
• Begegnung und Programm: Angebote wie das „café mittendrin“ in Untermeitingen oder das „café via claudia“ in Graben sind längst zu zentralen Anlaufpunkten geworden. Ob monatliches Seniorenkino, Kreativnachmittage, Letzte-Hilfe-Kurse oder die beliebten Bewegungskurse („Schwungvoll fit im Alter“ mit Musik und Trommeln im Rathaus Obermeitingen) – die Nachfrage ist riesig und zeigt, wie groß das Bedürfnis nach Gemeinschaft ist.
• Seniorenclubs: Auch traditionsreiche Treffpunkte wie der monatliche Seniorenclub in Klosterlechfeld (im Gasthof Lechfelder Garten) sorgen dafür, dass ältere Menschen im Ort eingebunden bleiben.
Was jetzt absehbar ist und worauf wir achten müssen
In den nächsten Jahren wird sich der Druck auf die Kommunen weiter erhöhen. Absehbar ist, dass wir auf dem Lechfeld noch stärker auf präventive Seniorenarbeit, flexible Tagespflege-Strukturen und den Ausbau barrierefreien Wohnraums in den Ortskernen setzen müssen. Ältere Menschen wollen in ihrer vertrauten Umgebung bleiben, brauchen aber altersgerechte Wohnformen und noch mehr verlässliche, niederschwellige Anlaufstellen vor Ort, bevor der Pflegefall eintritt.
All diese Entwicklungen machen eines überdeutlich: Seniorenpolitik ist keine „Senioren-Sache“ am Rande, sondern eine Querschnittsaufgabe für die gesamte Gemeindeentwicklung. Ob in Untermeitingen, Obermeitingen, Graben oder Klosterlechfeld – die Weichen für die nächsten 15 bis 20 Jahre müssen jetzt im jeweiligen Gemeinderat gestellt werden.
Und hier sind wir als Bürgerinnen und Bürger gefragt! Politik geschieht nicht im luftleeren Raum. Wer wissen möchte, wie sich unsere Gemeinden auf dem Lechfeld auf diese demografische Welle vorbereiten, der darf sich nicht scheuen, den direkten Weg zu wählen.
Sprechen Sie Ihre Gemeinderäte an, besuchen Sie Bürgerversammlungen oder schreiben Sie Ihren Bürgermeister an:
• „Welche konkreten Konzepte hat unsere Gemeinde für den Ausbau barrierefreien und bezahlbaren Wohnraums für Senioren?“
• „Wie stärken und unterstützen wir die ehrenamtlichen Nachbarschaftshilfen und sozialen Treffpunkte langfristig?“
• „Wie stellen wir sicher, dass ältere Menschen auf dem Lechfeld auch in Zukunft mitten im Leben bleiben können?“
Unsere Kommunalpolitiker sind da und gewillt, die Antworten auf diese Fragen zu geben – aber sie tun es erst recht, wenn wir als Bürgerinnen und Bürger das Thema laut und deutlich auf die Agenda setzen.
Packen wir es an, bevor der demografische Wandel uns überrollt!
Bürgerreporter:in:Wolfgang Weiss aus Untermeitingen |
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