Heute mal ein Märchen für die Enkelkinder
Lumi Grauso Mähni Teil 2

Foto: Symbolbild by KI

Lumi und das Leuchten der unsichtbaren Schmetterlinge

Es war einer dieser ganz stillen Vormittage. Die Menschen waren aus dem Haus, und selbst die Wanduhr schien heute besonders leise zu ticken: Zeit – für – Träume... Zeit – für – Träume...

Lumi saß ganz am Rand des Sofas, dort, wo der Stoff einen kleinen Knick machte. Sie starrte so angestrengt in die Luft, dass ihre kleine Nase zitterte.

„Was machst du da eigentlich?“, platzte Grauso dazwischen. Er hatte gerade versucht, einen Weitsprung von der Armlehne auf ein weiches Kissen zu machen, und war dabei kopfüber in einer Ritze gelandet. „Suchst du Krümel? Wenn ja, ich hab zuerst das Vorrecht auf alles, was nach Schokolade aussieht!“

Lumi lächelte, ohne den Blick abzuwenden. „Nein, Grauso. Ich beobachte die Glitzergedanken. Siehst du sie nicht?“

Mähni hob schwerfällig den Kopf und blinzelte. „Erzähl uns davon, kleine weiße Seele. Was siehst du, was wir nicht sehen?“

Lumi breitete ihre kleinen Pfoten aus. „Immer wenn die Menschen hier auf unserem Sofa sitzen und sich gegenseitig Geschichten erzählen, oder wenn sie sich einfach nur aneinanderlehnen, entstehen diese Gedanken. Sie sehen aus wie winzige, weiße Schmetterlinge aus Licht. Sie fliegen nicht einfach weg – sie setzen sich in den Vorhängen fest oder verstecken sich im Teppich.“

„Und was bringen die? Kann man die essen?“, fragte Grauso und kletterte neugierig aus seiner Ritze hervor.

„Man kann sie fühlen“, erklärte Lumi leise. „Mein größter Traum ist es, dass ich nachts, wenn alle schlafen, diese Lichtschmetterlinge einsammeln kann. Ich möchte sie in meine Ohren stecken und sie dann dorthin bringen, wo jemand gerade traurig ist. Ich möchte eine 'Gedanken-Brücke' bauen.“

Lumi erzählte weiter von ihrer Hoffnung: Sie wünschte sich, dass ihre weiße Wolle eines Tages so hell leuchten würde, dass sie selbst in der dunkelsten Gewitternacht das Zimmer erhellen könnte. Sie wollte der Leuchtturm des Wohnzimmers sein.

„Ich glaube“, sagte sie verträumt, „dass wir Plüschtiere dafür da sind, die Sorgen aufzusaugen wie ein Schwamm das Wasser, und dafür die guten Gedanken wieder auszustrahlen.“

Grauso kratzte sich hinter dem Ohr. Er verstand das mit den Schmetterlingen nicht ganz, aber er mochte es nicht, wenn Lumi so sehnsüchtig aussah.
„Pass auf“, rief er, „wenn du ein Leuchtturm sein willst, dann brauchst du Training!“

Er flitzte los, wirbelte den Staub auf und schubste mit aller Kraft eine kleine Glasmurmel, die ein Kind unter dem Sofa verloren hatte, genau in einen Sonnenstrahl. Das Glas fing das Licht ein und warf einen hellen, tanzenden Punkt direkt auf Lumis weißes Bäuchlein.

„Guck mal!“, rief Grauso stolz. „Du leuchtest schon!“

Lumi lachte so herzlich, dass ihr ganzer kleiner Körper bebte. „Danke, Grauso. Du hast gerade selbst einen Glitzergedanken gemacht, ganz ohne es zu merken.“

Selbst Mähni schien ein wenig heller zu strahlen. Er legte seine große Pfote schützend über die beiden kleinen Mäuse.
„Lumi hat recht“, brummte er. „Die Welt ist viel schöner, wenn man das Unsichtbare sieht. Aber jetzt sollten wir uns wieder ordentlich hinsetzen. Ich höre den Schlüssel im Schloss – die Riesen kommen heim.“

Lumi kuschelte sich tief in das braune Polster. Sie schloss die Augen und fühlte sich ganz warm. Ihr Traum war vielleicht groß, aber heute fühlte sie sich schon ein kleines Stückchen mehr wie eine mutige, leuchtende Schutzmaus.

Bürgerreporter:in:

Wolfgang Weiss aus Untermeitingen

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