Heute mal ein Märchen für die Enkelkinder
Der Plüsch-Grand-Prix im Schlummerzimmer
- Foto: Symbolbild by KI
- hochgeladen von Wolfgang Weiss
Die Nacht war lau, und im Schlummerzimmer knisterte die Luft vor Erwartung. Leo, der Gepard, konnte kaum stillsitzen. Sein Schwanz zuckte nervös hin und her. „Ich will wissen, wie sich echte Geschwindigkeit anfühlt!“, flüsterte er.
Wie aufs Stichwort erschien die gute Fee. Mit einem verschmitzten Lächeln schwang sie ihren Zauberstab. „Heute Nacht“, sagte sie, „wird das Schlummerzimmer zur schnellsten Rennstrecke der Welt!“
Das gemütliche Bett verwandelte sich in eine hochmoderne Boxengasse. In der Mitte stand der „Schlummer-Flitzer“: ein windschnittiger Rennwagen, der aussah, als wäre er aus buntem Carbon und weichstem Alcantara gefertigt.
Leo sprang auf den Fahrersitz – ein maßgefertigter Schalensitz, der genau für einen Geparden passte. Bernhard nahm auf dem Beifahrersitz Platz. Seine Aufgabe war es, mit seinem Gewicht für die nötige Bodenhaftung in den Kurven zu sorgen. Agnetha und Anton trugen nun Overalls mit der Aufschrift „Crew“ und hielten einen Schlagschrauber bereit, während Fipsi einen winzigen, leuchtend roten Rennhelm aufgesetzt hatte.
Drei... Zwei... Eins... LOS!
Die Zimmertür war die Startlinie. Ein Signal ertönte: Piep – Piep – PIIIEP! Leo trat das Gaspedal durch, und der Schlummer-Flitzer schoss mit einem tiefen Brüllen nach vorn.
Die Rennstrecke war spektakulär! Sie führte in einem gewaltigen Looping über den Schreibtisch, schlängelte sich in einer engen Haarnadelkurve um den Papierkorb und ging in eine lange Gerade unter dem Kleiderschrank über. Neonlichter an den Seiten der Strecke ließen das Zimmer wie eine futuristische Großstadt wirken.
Plötzlich schrillte Fipsis Stimme über den Funk: „Achtung, Leo! Trümmer auf der Fahrbahn! Ein vergessener blauer Bauklotz liegt direkt hinter der nächsten Kurve!“
Leo wurde blass unter seinem Fell. Bei dieser Geschwindigkeit konnten sie nicht einfach ausweichen. „Bernhard, jetzt!“, rief er.
Bernhard verstand sofort. Er lehnte seinen schweren Bärenkörper mit aller Kraft in die Kurve, um den Schwerpunkt des Wagens zu verlagern. Leo leitete einen perfekten Drift ein. Die Reifen quietschten (was im Schlummerzimmer eher wie ein leises Quietschen von Gummienten klang), und der Wagen glitt haarscharf an dem Bauklotz vorbei.
Agnetha und Anton standen an der Ziellinie und schwenkten die schwarz-weiß karierte Flagge. Mit einem letzten Satz raste der Schlummer-Flitzer über die Linie. Geschafft!
Erschöpft, aber überglücklich, fanden sie sich Augenblicke später wieder in ihrer gewohnten Position auf dem Kissen wieder. Die Rennwagen-Magie verblasste, aber das Adrenalin war noch zu spüren.
„Wir sind das schnellste Team der Welt“, schnaufte Leo stolz.
Bernhard rückte seine Ohren zurecht. „Wir haben den Weltraum gesehen, die Tiefsee bezwungen und das Rennen gewonnen. Was bleibt uns noch?“
Agnetha und Anton kuschelten sich eng aneinander. „Egal, was kommt“, sagte Anton leise, „solange wir fünf zusammenbleiben, ist jedes Zimmer ein Abenteuerland.“
Die Schlummerzimmerbande schloss die Augen. Sie wussten, dass dies das Ende ihres heutigen Abenteuer war – aber sie wussten auch, dass die Fee immer dann zurückkehren würde, wenn ein neuer Traum geträumt werden wollte.
Bürgerreporter:in:Wolfgang Weiss aus Untermeitingen |
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