Heute mal ein Märchen für die Enkelkinder
Das Lied der Wale und Bernhards Bärenkräfte
- hochgeladen von Wolfgang Weiss
Die Nacht war still, doch im Schlummerzimmer geschah Wunderbares.
Die gute Fee erschien und verwandelte das Bett in eine schimmernde Lagune. Bernhard, Leo, Agnetha, Anton und die Fliege Fipsi erhielten gläserne Taucherglocken, die perfekt auf ihre Köpfe passten. Sogar Fipsi bekam einen winzigen, wasserdichten Anzug. Mit einem sanften Plitsch glitten sie in die Tiefe eines Meeres, das ganz aus weichem Samt und bunten Wollfäden bestand.
Anders als im Weltraum gab es hier keine Satelliten oder Stationen. Stattdessen hörten sie ein tiefes, singendes Geräusch, das das Wasser erzittern ließ: Ein magischer Walgesang. Es war kein gewöhnlicher Gesang, sondern eine verschlüsselte Nachricht der Meeres-Fluffis an die Helden der Schlummerzimmerbande.
Leo, der mit seinen feinen Ohren jede Vibration spürte, übersetzte aufgeregt: „Sie rufen uns! Der Korallen-Kristall, das Herz des Riffs, ist unter einem Berg aus schwerem Meeres-Sand begraben worden. Ohne sein Licht werden die Farben der Korallen verblassen!“
Sie suchten überall, doch der Kristall war nirgends zu sehen. „Wir können ihn nicht mit den Augen finden“, erklärte Bernhard ruhig. „Wir müssen ihn mit dem Herzen suchen.“
Die Freunde bildeten einen Kreis. Agnetha und Anton hielten sich umschlungen, Leo legte seine Pfoten auf ihre Schultern und Fipsi setzte sich direkt auf Bernhards Helm. Gemeinsam schlossen sie die Augen und schickten einen starken Gedankenimpuls aus – sie dachten an das warme Gefühl von Geborgenheit und an das Lachen der Kinder im Haus.
Dieser Impuls wirkte wie ein Echo: Tief unter einer Schicht aus dunklem Samt-Schlamm antwortete der Kristall mit einem kurzen, goldenen Aufleuchten. „Dort drüben!“, summte Fipsi und zeigte mit ihren Beinchen auf eine unscheinbare Stelle am Meeresgrund.
Dort angekommen, sahen sie das Problem: Der Kristall steckte fest zwischen schweren Brocken aus dunklem Filz-Gestein. Leo und die Affen versuchten zu ziehen, doch das Gestein bewegte sich keinen Millimeter.
„Lasst mich mal ran“, sagte Bernhard mit seiner tiefen Stimme. Während die anderen sich an ihm festhielten, um ihn zu stützen, verankerte der Bär seine kräftigen Häkel-Pfoten am Fels. Er holte tief Luft (so tief man als Kuscheltier eben Luft unter Wasser holen kann) und aktivierte seine Bärenkräfte. Mit einem gewaltigen Ruck und der Kraft seines ganzen Körpers stemmte er den schweren Fels beiseite und zog den massiven Kristall aus der Tiefe.
Kaum war der Kristall befreit, pulsierte das Licht durch das gesamte Riff. Die Meeres-Fluffis, kleine flauschige Wesen mit Schwimmflossen, tauchten aus ihren Verstecken auf und tanzten vor Freude. Das Riff aus Wolle und Garn begann in den prächtigsten Farben zu leuchten, heller als je zuvor.
Bernhard hielt den strahlenden Kristall fest im Arm, bis die magische Stunde vorbei war und sie sanft zurück auf ihr Kissen im Schlummerzimmer schwebten.
„Das war Schwerstarbeit“, schnaufte Bernhard zufrieden, während er sich wieder in Position setzte.
„Du warst unglaublich stark!“, bewunderten ihn Agnetha und Anton.
„Aber als Nächstes“, schlug Leo vor, während er sich die Pfoten rieb, „da möchte ich etwas erleben, wo es um Geschwindigkeit geht. Wie wäre es mit einer Rennstrecke? Ich möchte wissen, wie schnell ein Gepard wirklich sein kann!“
Die Bande stimmte jubelnd zu, und während Fipsi bereits von rasanten Kurven träumte, schliefen sie alle glücklich ein.
Bürgerreporter:in:Wolfgang Weiss aus Untermeitingen |
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