Rotary hilft in Tansania
Reisebericht der Rotary Delegation nach Moshi
- v. vorne nach hinten und v. l.n.r: Harald Renz, Christoph Ditschler, Floriane Pfeiffer-Ditschler, Bernhard Maisch, Christof von Branconi, Christian Kreisel, Sebastian Kuhn u.a.
- Foto: Bernhard Maisch
- hochgeladen von Herbert Köller
Nach einem Nachtflug von Frankfurt über Adis Abeba zum Kilimanjaro Flughafen bei Moshi und dem Check in in der AMEG Lodge treffen wir uns mit Dr. Christian Kreisel, Prof. Sebastian Kuhn (Notfallmedizin und IT der Philipps-Universität Marburg) im Stadtzentrum von Moshi im historischen Union Café, das noch das Flair der Kolonialzeit umweht und tauschen Erfahrungen mit den Besuchern aus, die vor uns schon öfters in Moshi waren.
Es ist Regenzeit in diesem Teil der Welt. Unsere am Sonntag, den 6.4.2025, geplante Coffee-Tour zum Chagga-Dorf fällt dennoch nicht ins Wasser. Wir erleben in einer während der Kolonialzeit begonnenen neogotischen Kirche einen Gottesdienst mit Einheimischen. Danach besuchen das lokale Hospital, dessen Ambulanz am Sonntag wenig frequentiert ist. Die medizinischen Geräte sind eher „zusammengewürfelt“, u.a. vom Ostafrika Aktionskreis e.V., Deutschland und anderen Sponsoren. Erste Beobachtungen: Beim EKG fehlt schon lange das Papier, bei der Sonografie vermutlich der kundige Arzt, zumindest heute.
Am Nachmittag und frühen Abend sind wir im Garten und ins Haus von Erasmus Kyara, dem Incoming Präsidenten des RC Moshi eingeladen. Um es zu erreichen muss unser Jeep von der geteerten Hauptstraße in eine holprige Lehmpiste abzweigen, an dessen Ende wir die eingehegte Residenz nicht vermutet hätten. Wir sitzen unter einem großen Baum, überbringen kleine Geschenke in der Tasche der Philipps-Universität und sprechen den Drinks zu, deren Etikett die Herkunft widerspiegelt: Bier Marke Kilimanjaro, Rotwein Marke Serengeti.
Am Montag, den 7. 4.2025, besuchen wir den Bürgermeister in seinem modernen Amtsgebäude, den hon. Abdallah Zuberi, anschließend die Feuerwehr und den Rettungsdienst. Der 7.4. ist Feiertag in Erinnerung an den ersten Präsidenten der Republik Tansania-Sansisbar Julius Nyerere (1964-84).
Der Besuch des „Firedepartments“ zeigt 2 alte und 2 neue Feuerwehrfahrzeugen, davon eines aus Marburg-Moischt. Alle Feuerwehrleute sind in Uniform vor dem Feuerwehrauto aus Marburg angetreten und führen gekonnt eine Löschübung auf dem Platz mit dem „Zimamoto“ aus Hessen vor. Dessen Einsatz beschränkt sich auf Brände auf oder an geteerten Straßen. Für die Geländegängigkeit fehlt der Vierradantrieb.
Am Mittwoch, den 9.4.2025 besuchen wir Old Moshi und das Mangi Meli Denkmal, das an die von der deutschen Kolonialmacht umgebrachten Führer der einheimischen „Chiefs“ erinnert. Wir haben Gelegenheit mit einem Nachkommen der damals umgebrachten Chiefs zu reden.
Danach besuchen wir die nahe Old Moshi Girls Secondary School, die vor kurzem von der Regierung erstellt wurde. Auf dem Gelände findet sich eine alte, baufällige Kapelle, die als Schuttablage benützt wird und daneben von Moos überwucherte Gedenkplatten aus der deutschen Kolonialzeit hat.
Danach besuchen wir den Ausbildungsbereich des Roten Kreuzes im obersten Stock eines mehrstöckigen Gebäudes, das noch viele leerstehende Etagen hat. Wir sehen uns die Ausbildung freiwilliger Helfer im Rahmen eines ersten Hilfekurses an.
Danach besuchen wir den Friedhof, auf dem die akkurat gepflegten englischen Kriegsgräber aus dem ersten und 2. Weltkrieg imponieren. Die deutschen Kriegsgräber aus der Kolonialzeit sind von Gras überwuchert.
Die Ambulanz war von Frauen und Kindern gut besucht. Die OP-Räume leer. Operiert wird nur am Samstag.
Christof von Branconi hat für die Schule Computer Hardware mitgebracht. Eine weitere Beobachtung am Rande: ein neuer Krankenwagen steht auf dem Hof und kann nicht mehr gefahren werden, weil beim ersten Einsatz abseits der geteerten Straße, die Radaufhängung zu Bruch ging. Auch hier fehlte der Vierradantrieb.
Gegen 12 Uhr fahren wir bei gutem Wetter auf geteerten Straßen zur One World School, die Karl Heinz Köhler vor ca. 20 Jahren gegründet hat und die er bis heute im Alter von 81 Jahren noch immer leitet. Es sei die einzige Schule in Tansania, die ohne Prügelstrafe auskommt. - Der Blick auf den Kilimanjaro enttäuscht nicht.
Donnerstag, 10.4.2025: Heute steht der Besuch des KCMC Kilimanjaro Christian Medical University College) auf dem Programm. Wir besuchen die Dialyseabteilung, sowie die innere Medizin, die noch nicht in einzelne Disziplinen baulich untergliedert ist. Für das KCRI (Kilimanjaro Clinical Research Institute des KCMC begrüßt uns die Labor-Managerin Dr. Happiness Kumburu.
Das KCMC wird mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung als neues zentrales Gebäude das Center of Excellence erhalten (ca. 2 Mio Eur). Der Bau wird von einem chinesischen Unternehmer mit afrikanischen Arbeitern erstellt. Wir besichtigen die Baustelle.
Am Nachmittag besuchen wir die neu gebaute Msandaka Secondary School, dessen Principal Erasmus S. Kyara. ist. Die Kinder sind alle in Schuluniform mit adretten grünen und blauen Krawatten gekleidet. Wir werden mit der Videoeinspielung der deutschen Nationalhymne in allen 3 Strophen(!) und der tansanischen Nationalhymne begrüßt und dürfen, selbst auf Schulbänken sitzend, die Fragen der Schüler beantworten! Diese richten sich u.a. nach der Ernährung in Deutschland, nach den deutschen Bodenschätzen. Die Schule besuchen ca.210 Schüler der Form 1-3. Die leeren Bibliotheks- und Computerräume will der RC Marburg mit einem Global Grant ausstatten. Wir pflanzen im Schulhof ein Bäumchen. Eine symbolische Freundschaftsgeste!
Am Nachmittag besuchen wir das reguläre Meeting des RC Moshi im Grand Hotel. Dort werden die Wimpel ausgetauscht und die Agenda bei Ingwer Tee abgearbeitet. An dem Meeting nehmen 9 Frauen 8 männliche Rotarier, sowie HaraldRenz und Bernhard Maisch teil.
Bericht von Prof.Dr. Bernhard Maisch Rotary Club Marburg
Bürgerreporter:in:Herbert Köller aus Stadtallendorf |
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