Zeitgeschichtliche Veranstaltungsreihe
Norbert F. Pötzl stellte seine Honecker-Biografie vor

Der Bürgermeister der Stadt BNeustadt/Hessen (li.) im Gespräch mit dem Journalisten und Buchautor Norbert F. Pötzl | Foto: Stadt Neustadt/Hessen
  • Der Bürgermeister der Stadt BNeustadt/Hessen (li.) im Gespräch mit dem Journalisten und Buchautor Norbert F. Pötzl
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Am 21. Mai 2026 fand eine weitere Veranstaltung im Rahmen der zeitgeschichtlichen Reihe der Stadt Neustadt (Hessen) statt. Bürgermeister Thomas Groll konnte hierzu den Journalisten und Autor Norbert F. Pötzl begrüßen. Dieser war bereits im vergangenen Jahr zu Gast in Neustadt. Seinerzeit stellte er sein neues Buch „Das Schattenreich des Alexander Schalck-Golodkowski. Vom Entstehen und Verschwinden der DDR-Milliarden“ vor. Diese „deutsch-deutsche Geschichtsstunde“ fand bei den Zuhörerinnen und Zuhörern so großen Anklang, dass man unmittelbar danach einen weiteren Termin vereinbarte. Gerne sagte Norbert F. Pötzl, dessen Ehefrau aus Neustadt stammt, zu, seine 2002 erschienene Biografie über den ehemaligen Generalsekretär der SED und Staatsratsvorsitzenden der DDR Erich Honecker(1912 – 1994) vorzustellen.

Bürgermeister Thomas Groll konnte rund 100 Interessierte begrüßen und führte zunächst ein Interview mit Pötzl, der fast 40 Jahre lang für das Hamburger Nachrichtenmagazin „DER SPIEGEL“ tätig war. Beispielsweise verfasste er in dieser Zeit ein Buch über die Aufdeckung der Barschel-Affäre 1987 und war zur „Wendezeit“ Büroleiter des SPIEGELS in Berlin von 1990 bis 1994. Bei der Unterredung kam man u.a. auf Entwicklungen in der DDR, das Entstehen der Bürgerrechtsbewegungen und den Sturz des SED-Regimes im Herbst 1989 zu sprechen. Norbert F. Pötzl äußerte hierbei auch die Ansicht, dass heute allzu viele die DDR und ihr
politisches System verklärt sähen. Viele Menschen in den neuen Bundesländern seien in der Demokratie nicht angekommen, was auch ein Grund für das Erstarken der AfD dort sei. Mit Besorgnis blickte er auf die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt im Herbst 2026.

Anschließend stellte der Autor sein Buch „Erich Honecker – eine deutsche Biografie“ – näher vor. Hierin schildert er einen Mann, der vom Handwerker an der Saar zum uneingeschränkten Machthaber in der DDR wurde. War dieser zweite Staat auf deutschem Boden unter „Spitzbart“ Walter Ulbricht isoliert, so führte ihn Honecker zunächst auf die Weltbühne und dann in den Abgrund. Ein farblos und unscheinbar wirkender, intellektuell mittelmäßiger und rhetorisch schwacher Politiker errang 1971 die Macht in der DDR und prägte mehr als ein viertel Jahrhundert lang die deutsche Geschichte. Honeckers linkische Art bei öffentlichenAuftritten, seine gepresste Stimmlage und die monotone Sprechweise, so Norbert F. Pötzl, verführten leicht dazu, ihn zu unterschätzen. Der Mann, der seine prägenden Erfahrungen im Klassenkampf in der Weimarer Republik und im Widerstand gegen Hitlers Diktatur machte, war aber vielmehr ein äußerst gewiefter Machtmensch. Er habe die Mitglieder des SED-Politbüros und der DDR-Regierung zu Marionetten degradiert und die wichtigsten Beschlüsse in vertraulichen Runden gefasst. Bei der Vorstellung des Buches wurde deutlich, dass der Verfasser viele Personen aus dem Umfeld des DDR-Staatschefs persönlich befragen konnte und ihn selbst bis zuletzt publizistisch begleitet hat. Auf dem Flug Honeckers ins chilenische Exil war Pötzl auch mit an Bord. Aus Erzählungen ehemaliger Weggefährten und Widersacher, enger Vertrauter und Verhandlungspartner entstand ein farbenfrohes Bild der Persönlichkeit Erich Honeckers mit allen strategischen Stärken und charakterlichen Schwächen, mit seinen propagierten Idealen und seinen gelebten Widersprüchen.

Zum Ende der Veranstaltung dankte Bürgermeister Thomas Groll Norbert F. Pötzl dafür, dass er erneut einen tiefen Einblick in die jüngere deutsche Geschichte vermitteln konnte. Die zeitgeschichtliche Veranstaltungsreihe der Stadt Neustadt (Hessen) wird im September fortgesetzt.

Am 2. September 2026 spricht der Bundesverfassungsrichter Prof. Dr. Henning Radtke über den 80. Jahrestag der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse. Am 8. September 2026  kommt der ehemaligen Vizekanzler, Bundesaußen- und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel nach Neustadt (Hessen), um über „9/11, den Angriff auf das World-Trade-Center und die deutsch- amerikanischen Beziehungen heute“ zu referieren.

Pressetext und Foto: Stadt Neustadt (Hessen)

Bürgerreporter:in:

Herbert Köller aus Stadtallendorf

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