Privatisierung von Trinkwasser
Pharmaunternehmen als Großverbraucher von Reinstwasser
Der Fall des Pharmaunternehmens Octapharma in Springe (Niedersachsen) ist ein Paradebeispiel für die im ersten Schritt beschriebene Dynamik zwischen Großindustrie, kommunaler Infrastruktur und Wasserressourcen.
Octapharma betreibt in Springe ein großes Werk zur Plasmafraktionierung (Verarbeitung von Blutplasma zu Medikamenten) und steht dort im Zentrum einer intensiven Debatte über den lokalen Wasserverbrauch.
Die Pharmaindustrie ist extrem auf hochwertiges Wasser angewiesen. Für die Herstellung von Medikamenten, Impfstoffen oder Infusionslösungen wird sogenanntes "Reinstwasser" (Purified Water oder Water for Injection) benötigt.
Octapharma ist bereits heute der mit Abstand größte Wasserverbraucher der Stadt Springe. Für die Produktion von Medikamenten benötigt das Werk riesige Mengen an Reinstwasser für die Reinigung, Sterilisation und als Produktbestandteil.
Die Herausforderung: Das Unternehmen befindet sich auf einem massiven Expansionskurs. Die Produktionskapazitäten am Standort Springe sollen in naher Zukunft verdoppelt werden. Eine Verdopplung der Produktion drohte das lokale Trinkwassernetz sowie die Kapazitäten der städtischen Kläranlage komplett zu überlasten.
In Springe kam es nicht zu einer klassischen Privatisierung von Quellen, bei der ein Konzern der Bevölkerung das Wasser wegnimmt. Stattdessen zeigt der Fall, wie ein globaler Pharmakonzern als Großabnehmer das öffentliche System an seine Belastungsgrenzen führt – und wie Kommunen über Bauleitplanungen (z. B. den Bebauungsplan "Burggrafenkamp-Octapharma") und Umweltauflagen die Industrie dazu zwingen müssen, ressourcenschonend zu agieren.
Kommerzialisierung von Quellen: In Regionen, in denen die Wasserversorgung privatisiert ist (oder privatwirtschaftlich geführt wird), stehen Pharma- und Getränkekonzerne oft in der Kritik, Grundwasserreservoirs zu Lasten der lokalen Bevölkerung zu erschöpfen. Wenn private Betreiber profitorientiert handeln, bevorzugen sie tendenziell zahlungskräftige Großabnehmer aus der Industrie gegenüber den Bürgern.
Bürgerreporter:in:Ute Ketelhake aus Springe |
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