Kommentar
Demokratie nach Geschlecht sortiert? Ein Bärendienst für die politische Kultur in Springe
- Karikatur: Google-Gemini-KI
- hochgeladen von Wolfgang Decius
Der Bericht und der Kommentar der Neuen Deister-Zeitung: https://www.ndz.de/lokales/springe/frauenrunde-zur-wahl-in-springe-so-funktioniert-gleichberechtigung-leider-nicht-DRKSSZT3EJEJPFTCT4OUAL2HLM.html über die geplante Gesprächsrunde des Frauentreffs Springe offenbart sich ein überaus bedenkliches Verständnis von politischem Diskurs. Dass von acht Personen, die das Amt des Bürgermeisters anstreben, schlichtweg fünf von vornherein aussortiert werden, weil sie das „falsche“ biologische Geschlecht haben, ist keine fortschrittliche Frauenförderung. Es ist vielmehr eine bewusste Ausgrenzung, die den Kern demokratischer Wahlen untergräbt.
Wer das kommunalpolitische Treiben hier in Springe und den Ortsteilen publizistisch und als wacher Bürger begleitet, erwartet einen fairen Wettbewerb der besten Konzepte für unsere Stadt. Die Vorsitzende des Frauentreffs mag lapidar argumentieren, man wolle den Kandidatinnen „eine Bühne geben“ und sie „auch noch einmal kennenlernen“. Doch eine politische Bühne, deren Zugang exklusiv über das Geschlecht und nicht über Inhalte legitimiert wird, verzerrt den demokratischen Wettbewerb auf irritierende Weise.
Die NDZ-Redakteurin Jessica Tisemann trifft in ihrem Kommentar exakt den wunden Punkt: Dreht man das Szenario um und eine rein männliche Runde hätte den Frauen die Tür vor der Nase zugeschlagen, wäre der öffentliche Aufschrei völlig zu Recht ohrenbetäubend gewesen. Der Grundsatz der Gleichbehandlung darf jedoch keine Einbahnstraße sein, auf der man sich je nach Bedarf selektive Privilegien herausnimmt. So funktioniert Gleichberechtigung nicht.
Besonders entlarvend ist die Tatsache, dass das Format selbst den geladenen Kandidatinnen offenbar nicht ganz geheuer ist. Wenn Antje Retzlaff (Grüne) richtigerweise klarstellen muss, dass sie nicht gewählt werden möchte, nur weil sie eine Frau ist, zeigt das die ganze Absurdität dieser Veranstaltung. Klara Behrens, Petra Keck und Antje Retzlaff bringen eigene Motivationen, Erfahrungen und Potenziale für das Rathaus mit. Durch die künstliche Isolation vom restlichen Bewerberfeld werden sie jedoch vom Frauentreff unfreiwillig auf ihr Geschlecht reduziert.
Für die mündigen Wählerinnen und Wähler in Springe bietet ein derart separiertes Format, das Männer zwar im Publikum duldet, aber vom Podium verbannt, keinen echten Mehrwert. Wer das höchste Amt der Stadt anstrebt, muss sich dem direkten Vergleich mit allen Mitbewerbern stellen. Mit dieser exklusiven Filterblase hat der Veranstalter den drei Kandidatinnen keinen Gefallen getan – und der demokratischen Streitkultur in Springe einen handfesten Bärendienst erwiesen. Wolfgang Decius
Bürgerreporter:in:Wolfgang Decius aus Springe |
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