Aggressivität im Straßenverkehr
Schockierender Vorfall in Bennigsen
- Grafik KI generiert
- hochgeladen von Wolfgang Decius
SPRINGE/BENNIGSEN. Auf deutschen Straßen wird immer öfter gedrängelt, geschnitten und geschimpft. Dass diese bundesweite Entwicklung, auf die eine aktuelle Studie der Unfallforschung der Versicherer (UDV) aufmerksam macht, auch vor der Deisterstadt keinen Halt macht, zeigt ein Vorfall aus dem Springer Ortsteil Bennigsen.
Die UDV-Umfrage belegt, was viele Verkehrsteilnehmer im Alltag spüren: Der Ton wird rauer. Der Anteil der Autofahrer, die zugeben, mitunter zu drängeln, stieg demnach von 39 Prozent im Jahr 2023 auf nun 47 Prozent in diesem Jahr. Fast jeder Zehnte nimmt beim Überholen kaum noch Rücksicht auf Radfahrer – ein doppelt so hoher Wert wie noch vor drei Jahren. Auch das Überholen auf der rechten Spur oder das Vordrängeln an Autoschlangen wird zunehmend salonfähig.
Wie weit diese Aggressivität im Einzelfall gehen kann und dass auch Fußgänger betroffen sind, erlebte ein Passant im Juni in einem Baustellenabschnitt in Bennigsen. Während er auf dem Bürgersteig unterwegs war, kam es zu einer massiven verbalen Attacke durch einen Autofahrer. Der Fahrer fuhr den Fußgänger mit drastischen Worten an: „Verpiss dich vom Bürgersteig oder ich putze dich weg!“
Zwar wurde der Vorfall von Zeugen beobachtet, auf eine formelle Anzeige bei der Polizei wurde in diesem Fall jedoch verzichtet. Dennoch ist das Ereignis bezeichnend für die angespannte Stimmung, die zunehmend im öffentlichen Raum und insbesondere im Straßenverkehr herrscht.
Die Gruppe derer, die aggressives Verhalten zeigt, nimmt zu. Das betrifft nicht nur Autofahrer; auch unter Radfahrern ist eine Zunahme von Regelverstößen – wie etwa das Drängeln auf Radwegen oder das Ignorieren roter Ampeln – zu beobachten.
Zudem verschärft die steigende Handynutzung am Steuer die Gefahr: Mehr als jeder fünfte Autofahrer nutzt der Studie zufolge zumindest gelegentlich während der Fahrt soziale Medien. Vor drei Jahren war es nur knapp jeder Zehnte.
Dass auf Straßen im Springer Stadtgebiet oder in Ortsteilen wie Bennigsen durch die seit über zwei Jahren bestehende Baustelle teilweise die Nerven blank liegen, ist laut den Experten kein isoliertes Problem. Der Straßenverkehr ist ein Abbild der gesamten gesellschaftlichen Entwicklung. Der Vorfall aus dem Juni untermauert diese These auf erschreckende Weise – auch wenn er in keiner offiziellen Kriminalstatistik auftauchen wird.
Bürgerreporter:in:Wolfgang Decius aus Springe |
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