Von der „Brüsseler Bubble“ direkt ins Lechfeld
Markus Ferber im Exklusiv-Gespräch
- Foto: (c) Bildrechte Büro Markus Ferber
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Schwabmünchen/Brüssel 15.04.2026 – Wenn man Markus Ferber trifft, begegnet man keinem abgehobenen Technokraten, sondern einem Mann, der trotz 30 Jahren in der europäischen Spitzenpolitik seine schwäbischen Wurzeln nie vergessen hat. In einem ausführlichen Gespräch mit mir gab der CSU-Schwergewichtler tiefe Einblicke in die aktuelle Weltlage, die Tücken der EU-Maschinerie und sein ganz persönliches Rezept für lange Sitzungsnächte.
Zwischen Kommission und Heimatliebe
Der Termin startete mit einer Prise Realität aus dem Brüsseler Alltag: Ferber kam direkt aus einer Marathon-Sitzung mit der EU-Kommission. „Bis ich dann im Büro bin und noch mal die Haare...“, scherzte er, bevor er den Wert des Austauschs mit „normalen Menschen“ betonte. Für Ferber ist das Lechfeld nicht nur ein Wahlkreis, sondern ein Ankerpunkt abseits der oft zitierten „Brüsseler Bubble“.
Geopolitik am Zapfhahn: Warum der Sprit so teuer ist
Ein zentrales Thema des Gesprächs war die brenzlige Lage an der Straße von Hormus und deren Auswirkungen auf die Tankstellen im Lechfeld. Ferber fand hier deutliche Worte in Richtung USA. Die Aufkündigung des Atomabkommens unter Trump bezeichnete er indirekt als naiv:
„Da ist jemand in eine kriegerische Auseinandersetzung hineingestoßen worden, ohne sich über die Konsequenzen Gedanken zu machen.“
Für den hiesigen Autofahrer bedeutet das: Hohe Preise durch Angebotsverknappung. Zwar gäbe es im heimischen Großaitingen kleine Fördermengen, doch das reiche bei weitem nicht aus. Ferber sieht das Problem zudem in der deutschen Marktstruktur: Ein „Oligopol“ weniger Konzerne beherrsche den Markt. Sein Appell: Das Bundeskartellamt müsse hier deutlich schärfer einschreiten, um den Wettbewerb an den Zapfsäulen wiederzubeleben.
Ungarn und die „Bremse“ der EU
Auch der Machtwechsel in Ungarn war Thema. Mit dem Wahlsieg von Peter Magyar – einem ehemaligen Kollegen Ferbers aus dem EU-Parlament – verbindet der Abgeordnete die Hoffnung, dass Ungarn „ins Herz Europas“ zurückkehrt. Doch damit die EU insgesamt schlagkräftiger wird, fordert Ferber eine radikale Reparatur an der „Maschine EU“:
Weg mit der Einstimmigkeit: Sie sei das Bauteil mit dem größten Effizienzabfall.
Mehr Demokratie: Im Parlament finden sich Mehrheiten durch Argumente, doch einzelne Mitgliedstaaten blockieren oft den Fortschritt.
Die Hans-Seidel-Stiftung: Demokratie-Export aus Bayern
Als Vorsitzender der Hans-Seidel-Stiftung (HSS) erklärte Ferber, dass politische Bildung nicht an der Landesgrenze aufhört. Ob durch dezentrale Verwaltungsstrukturen in der Ukraine oder Integrationsprojekte in Kolumbien – die Stiftung leiste weltweit Hilfe zur Selbsthilfe. „Wir motivieren junge Menschen für die Politik“, so Ferber.
Persönliches: Espresso, Zähigkeit und Alpenblick
Wie übersteht man Jahrzehnte in der Politik? Mit „schwäbischer Zähigkeit“, sagt der gelernte Ingenieur. Wenn die Bretter hart und die Bohrer stumpf sind, bleibt Ferber dran. Und wenn es in Brüssel mal wieder spät wird, greift er zu einem einfachen Trick:
Abend-Menü: Espresso und Mineralwasser.
Der Grund: Das Blut soll im Gehirn bleiben, nicht im Magen.
Auf die Frage, wie er das Lechfeld in drei Worten beschreiben würde, kam die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Heimat, wunderbare Landschaft und die Weite mit Blick auf die Alpen.“
Trotz der globalen Krisen und des digitalen Dauerfeuers auf seinem Smartphone – ohne das es laut eigener Aussage „nicht mehr geht“ – bleibt Markus Ferber ein Politiker, der den Blick für die Menschen vor Ort nicht verloren hat. Ein Stück Lechfeld in Brüssel, das hoffentlich weiterhin mit schwäbischer Zähigkeit für unsere Interessen bohrt.
Das Video dazu gibts hier
https://youtu.be/dBowMZ-eNsE
Bürgerreporter:in:Wolfgang Weiss aus Untermeitingen |
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