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Ein Westheimer Juwel wird renoviert

Prof. Dr. Walter Pötzl, Weihbischof Josef Grünwald, Bürgermeister Hansjörg Durz und Pfarrer Peter Baintner vor der Kappelle.
 
Eine Solnhofer Platte erinnert in der Kapelle an Heinrich und Katharina Langenmantel.
Die Kapelle der Heiligen Kosmas und Damian neben dem Notburgaheim wird dieses Jahr renoviert. Das Westheimer Kleinod blickt auf eine lange Geschichte zurück.

Die Kapelle der Heiligen Kosmas und Damian, die neben dem Notburgaheim steht, verdient sowohl der Architektur wie der Ausstattung wegen das Interesse der Kunst- und Geschichtsfreunde.
Die Langenmantel gehörten zu den bedeutendsten Augsburger Geschlechtern, die auch auf dem Land Güter erwarben. Rüdiger Langenmantel kaufte 1306 von der Witwe des letzten Westheimer Ministerialen Besitz in Westheim (als bischöfliches Lehen). Er ist der Begründer der Westheimer Linie. Auf ihn geht das doppelte R im Wappen zurück. Im Verlauf des späten Mittelalters brachten die Langenmantel den ganzen Weiler Westheim an sich.
Im Jahre 1587 ließ Heinrich Langenmantel im Schlosshof eine Kapelle zu Ehren Marias und der Heiligen Kosmas und Damian erbauen, der der Augsburger Weihbischof die Benediktion erteilte. In der Familie Langenmantel erzählte man, Heinrich sei von plündernden Landsknechten schwer verletzt worden und habe gelobt, ein Kirchlein zu bauen, wenn er wieder genesen würde. Im Traum seien ihm die Heiligen Ärzte Kosmas und Damian erschienen und hätten ihn geheilt. Der aus dem Osten stammende Kult der beiden Heiligen hatte früh in Rom Fuß gefasst und sich im Westen verbreitet. Der Altar in der Kapelle des Augsburger Heilig-Geist-Spitals war der hl. Elisabeth und den beiden Ärzten geweiht; Mitpatrone waren sie auch in St. Margareth. Ihre Legende war in allen Legendensammlungen vertreten. Figuren der beiden Heiligen, die mit Arzneibüchse, Salbenspatel oder medizinischen Instrumenten dargestellt werden, stehen am Rokoko-Altar der Kapelle. Zwei Relieftafeln der beiden Heiligen hatte Karl Kosel dem Konstanzer Meister Heinrich Iselin (1460/ 70) zugeschrieben, doch nach einer neueren kunsthistorischen Dissertation schuf ein Schnitzer in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die beiden Darstellungen, wobei er sich aber möglicherweise an den Chorstuhlbüsten des Konstanzer Münsters orientierte.
An Heinrich Langenmantel (gest. 1604) und seine Frau Katharina (gest. 1592) erinnert eine Solnhofer Platte in der Kapelle. In Augsburg hatten die Langenmantel ihre Grablege in einer Kapelle in St. Moritz.
Die Architektur der Kapelle von 1587 zeigt, wie lange selbst im Umfeld der Stadt gotisches Stilempfinden nachwirkte und wie es sich mit Elementen der Renaissance verband. Das Kreuzgratgewölbe und die Spitzbogenfenster mit Maßwerk entsprechen der Gotik, doch die Rippen sind mit zierlichen Lorbeerblattstäben besetzt und die Rippen gehen von profilierten Renaissancekonsolen aus. Rippen und Konsolen bestehen aus gebranntem Ton und waren ehedem wohl gefasst.
An der Nordwand steht eine Madonna, die wohl um die Mitte des 17. Jahrhunderts geschnitzt wurde. Die 15 kleinen, aber stilvollen, auf Blech gemalten Kreuzwegstationen aus dem 18. Jahrhundert sind jetzt auf einer Holztafel zusammengefasst.
In der Kapelle waren 64 Messen gestiftet, die wohl kaum alle von der Langenmantel´schen Familie stammten. Auch die Erweiterung der Kapelle von 1777 verweist auf eine bedingte Nutzung durch die Westheimer. Westheim gehörte bis 1956 zur Pfarrei Hainhofen. Die Westheimer klagten, dass sie bei Schmutterhochwasser die Pfarrgottesdienste nicht besuchen konnten. Die Kobelkirche liegt auf dem Berg, die Schlosskapelle aber mitten im Weiler. Gedächtnis- und Votivmessen konnten auch hier gelesen und Andachten konnten hier gehalten werden.
Jakob Wilhelm Benedikt Langenmantel ließ 1777 die Kapelle um 15 Schuh (ca. 4, 40 m) nach Westen verlängern. Den Anbau überwölbt ein Tonnengewölbe mit tiefen schmalen Stichkappen. Auf der Empore finden nur wenige Platz. Eine stattliche Bauinschrift verrät auch, dass Jakob Wilhelm Benedikt Langenmantel die erweiterte Kapelle mit einem Altar geschmückt hat. Karl Kosel schrieb den Altar mit der Dreikönigsdarstellung Ignaz Wilhelm Verhelst zu, dessen Bruder Placidus die Ulrichsgruft gestaltet hatte. Abt von St. Ulrich und Afra in Augsburg war damals Joseph Maria Langenmantel.

Text: Walter Pötzl
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Weiterveröffentlichungen:

myheimat-Stadtmagazin neusässer | Erschienen am 10.12.2010
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